Bankenregulierung Welche Regeln brauchen wir?

Aufgestachelt von den Demonstranten, wird Berlin mutig. Von härterer Aufsicht für die Banken ist die Rede, sogar von Zerschlagung. Antworten auf die wichtigsten Fragen der Woche.
  • Peter Dausend und Mark Schieritz
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Demonstranten im Protestcamp der Bewegung "Occupy Frankfurt" vor der Europaeischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Quelle: dapd

Demonstranten im Protestcamp der Bewegung "Occupy Frankfurt" vor der Europaeischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt.

(Foto: dapd)

Warum brauchen wir neue Regeln?

Banken spielen in jeder Volkswirtschaft eine zentrale Rolle. Sie versorgen Unternehmen, Haushalte und den Staat mit Geld. Sie tun das, indem sie über Kredite neues Geld in Umlauf bringen – und indem sie mit ihren Handelsabteilungen Geld hin und her verschieben. Idealerweise landet das Geld dann dort, wo es am meisten Nutzen stiftet. Wenn das so stimmt, kann man sagen: Je mehr Geld die Banken unter die Leute bringen können und je öfter sie dieses Geld hin und her schieben, desto mehr Wachstum und Wohlstand entstehen. Für diese These gibt es sogar wissenschaftliche Belege. Studien zeigen, dass Entwicklungsländer einen Wachstumsschub erhalten, wenn sie über einen gut ausgebauten Finanzsektor verfügen.

Die Deregulierung der Bankenbranche seit den siebziger Jahren war also nicht nur das Ergebnis geschickter Lobbyarbeit. In vielen Fällen entsprach sie schlicht der Überzeugung der handelnden Politiker und der gängigen Lehre der Wissenschaft. Es ist vielleicht kein Zufall, dass es – mit Bill Clinton in den USA, Tony Blair in Großbritannien und Gerhard Schröder in Deutschland – sozialdemokratische Regierungen waren, die in den neunziger Jahren den Banken noch einmal erhebliche zusätzliche Freiheiten gaben. Sie hofften, das versprochene höhere Wachstum möge am Ende allen zugutekommen.

Heute weiß man aber: Wenn der Finanzsektor zu mächtig wird, dann wird es gefährlich. Das zeigt das Beispiel Großbritannien eindrucksvoll. Die Bilanzsumme der britischen Banken belief sich im Jahr 1964 auf gerade einmal 34 Prozent der Wirtschaftsleistung, im Jahr 2007 waren es dann schier unglaubliche 500 Prozent. Jetzt steckt das Land in einer schweren Krise, weil ein großer Teil des Kredits nicht in sinnvolle Projekte geflossen ist, sondern eine Immobilienblase finanziert hat, die mit einem lauten Knall platzte.

Zudem haben vom Umverteilen des Geldes vor allem die Umverteiler selbst profitiert – die Händler in den Banken also. Sie verdienen an jeder Transaktion, die sie ausführen. Und sie konnten für ihre Dienstleistungen von ihren Kunden saftige Gebühren verlangen und sich als Resultat Millionengehälter auszahlen, die früher unvorstellbar waren. Gegen all das helfen neue Regeln.

Was wurde aus den Regeln, die die Politik versprochen hat?
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13 Kommentare zu "Bankenregulierung: Welche Regeln brauchen wir?"

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  • Wann hört dieser Unsinn mit dem ungedeckten Kreditgeld endlich auf? Die Kredite sind durch Kreditsicherheiten gedeckt - und es ist die Aufgabe der Banken dafür zu sorgen dass das auch tatsächlich der Fall ist, statt irgendwelche Blasen zu bilden.

  • Sie haben die Piraten vergessen. Sie werden das Dickschiff des Berliner Parteienkonglomerat entern und nichts wird bleiben wie es einmal war. Die Piraten sind intelligent genug um auf die Stimmungslage weiter Bevölkerungskreise einzugehen ohne deshalb platt populistisch zu sein, sondern in konstruktiver Weise Alternativen zu entwickeln, zu denen die Alt-Parteien nicht fähig und nicht mutig genug sind.

  • ...schlaft weiter ihr Deutschen Volltrottel, während in Griechenland 24h am Tag berichtet wird was wirklich abgeht , dass wir uns in einem höchstbedenklichen Währungskrieg befinden und alles zum jetzigen Zeitpunkt auf Bürgerkrieg deutet haben wir ja ganz andere Sorgen, die Überreste von Gadaffi, Steuererleichterungen und andere Ablenkungs- und Ver........schungsstrategien. Merkt eigentlich keiner da draußen das wir dank geschickter Manipulation von diesem neuen französischem Hitler in den Untergang getrieben werden?

  • "Schuldenschnitt", Vergrößerung des Schuldenmachenkönnens ("EFSF"), "Fiskalunion", "Bakenrettung", "Finanzmarkt regulierung" und dergleichen: Und danach Hoffnung? Hoffnung, es bliebe dadurch und damit alles Gewohnte, einschließlich der "Staaten" mit Ländern Europas?
    "Klein-Europa" Deutschland muss entweder seine Dauerhaftigkeit begründen oder mit der Auflösung seiner "Kleinstaaterei" mit Ländern, von denen einige sich als "Freistaaten" bezeichnen, Beispiel für "Europa" ("Richtlinie" für die Entwicklung "Europas") werden.

  • Die Banken bekommen neues Geld von den Staaten, der sich neues Geld dann wieder von den Banken gegen Zinsen leiht.
    Tolles Spiel. Wieviel kostet eine Banklizenz? Vielleicht können wir zusammenlegen?

  • @schlingel: Die Gefahr sehe ich auch. Die Linken wollen im Prinzip alles verstaatlichen und Geld umverteilen, aber was für einen Sinn hat es, Geld umzuverteilen, das nicht durch reale Werte gedeckt ist? Es ist wert-loses Geld. Wir brauchen keinen Sozialismus, wir müssen die Basis des Geldes neu verteilen: Das reale Eigentum. Nur reales Eigentum soll beleihbar sein, damit hebeln wir auch die Finanzspekulation aus.

  • @HGi: Ach so, besser ist's also, einfach immer dagegen zu sein, aber nicht zu wissen, wofür? Das ist doch das Problem der Occupy-Bewegung. Dabei ist es so einfach: Gebt den Bürgern wieder reales, beleihbares Eigentum zurück!

  • Zu Contra Merkel:

    Doch, das deutsche Volk will eine Regierung, die von Banken, Zockernu . Großkapital abhängig ist.
    Schauen sie sich doch mal die neuesten Umfragen bezüglich eines Wahlergebnisses an. Wenn jetzt Wahl wäre:

    CDU wieder über 30 Prozent, SPD ca 30 Prozent, Grüne 18 Prozent etc.
    Die Deustchen bekommen genau die Regierung, die sie verdienen bzw. wählen.
    Wie oft sind die Bürger schon belogen worden Mehrwertsteuerhöhunge um 3 %, Immobilienkrise ist ein hausgemachtes Problem der USA (geht uns nichts an), Griechenland, Portugal, Irland brauchen keine Finanzhilfen.
    Die Griechen zahlen die Finanzhilfen mit Zinsen zurück. Wir Deustchen verdienen noch daran, so Merkel. Es gibt keine Hebeleung des Rettungsschirmes. Kein Staat kommt für die Schulden anderer Staaten auf (Bail-out-Klausel), Mehr netto vom brutto etc.

    Da könnte man nch vieles aufzählen. Die Menschen sind zu dumm, um etwas zu ändern. Die Politik wird gegen Zocker, Banken etc. nur vorgehen, wenn sie ihre eigene Machtpostionen in Gefahr sehen !!

    Also liebe Deutsche, wählt dann wieder CDU, SPD, Grüne, damit die dann in Zukinft wieder einer Erhöhung des ESFS ustimmen.

  • schlingel

    Wie können sie diese Behauptung aufstellen , die sie nicht belegen können !

    Besser eine "Uccupy Bewegung" als im Netz überhaupt
    nichts bewegen . Immer diese Kontras!

  • @ Realo

    Ist doch immer das selbe Problem. Es wird nur an den Symptomen rumgedoktert, anstatt die Ursachen zu beseitigen.

    Und genau deswegen kann ich dieser Occupy Bewegung wenig abgewinnen. Das sind wahrscheinlich zu 90% linke Spinner (das Bild im Artikel spricht Bände), die die Planwirtschaft im Geldwesen NOCH weiter treiben wollen. So wird das nichts.

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