Bankenrettung
FDIC will Gläubigern an den Kragen

Die Chefin der US-Einlagensicherung FDIC, Sheila Bair, will bei künftigen staatlichen Rettungen großer insolventer Finanzinstitute auch die gesicherten Gläubiger in die Pflicht nehmen. Dies müsse im Rahmen international abgestimmter Vereinbarungen geschehen, sagte Bair bei der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Istanbul.

egl/cü ISTANBUL/FRANKFURT. Damit interpretiert Bair das Reformmandat der G20 härter als andere Akteure. Ende September hatten die Staats- und Regierungschefs der G20-Länder über weitere Maßnahmen zur Abwendung künftiger globaler Finanzkrisen beraten. Sie beschlossen unter anderem eine Verschärfung der Eigenkapitalanforderungen für Banken.

Bair will in den USA durchsetzten, dass bisher gesicherte Gläubiger bei Bankpleiten nur noch 80 Prozent ihrer Ansprüche geltend machen können. Damit erhielten sie größere Anreize, einen Beitrag zur Kontrolle der Banken zu leisten, meinte Bair.

Um welche Forderungen es dabei genau geht, ließ Bair offen. Konkret sprach sie nur besicherte Wertpapierleihegeschäfte – sogenannte Repos – an. Zu den besicherten Wertpapieren gehören in den USA Anleihen der Federal Home Loan Banks (FHLB). Diese genossenschaftlich organisierten Institute kaufen von ihren Mitgliedsbanken Hypothekenkredite und refinanzieren sich günstig über die mit den Immobilien gedeckten Anleihen. Zu den besicherten Anleihen zählen zudem die dem deutschen Pfandbrief ähnlichen Covered Bonds und verbriefte Wertpapiere wie Asset Backed Securities (ABS).

Wenn die besicherten Gläubiger in die Lastenteilung bei der staatlichen Rettung von Banken einbezogen würden, könnten sie sich nach Ansicht von Bair voraussichtlich nur teurer refinanzieren. Dies könne jedoch als „wirksame Medizin“ gegen spekulative Exzesse wirken, meinte Bair. Die Chefin der US-Einlagenversicherung verspricht sich von einer solchen weltweit durchgesetzten Auflage bei nationalen Bankenrettungen eine deutliche Dämpfung des „Moral Hazard“ – also des Eingehens von Risiken zulasten der Allgemeinheit – systemisch wichtiger Finanzinstitute.

Schützenhilfe bekam Bair vom italienischen Notenbankgouverneur Mario Draghi: Die allgemeine Begrenzung der Gläubigeransprüche bei Bankpleiten sei eine Option, die „in Betracht gezogen werden“ müsse – ebenso wie höhere Eigenkapitalunterlegungen.

Experten wie Achim Dübel, Finanzsektorökonom der Beratungsfirma Finpolconsult, halten Bairs Vorstoß „in Grenzen“ für sinnvoll. Dabei sei die Forderung, die Ansprüche der besicherten Gläubiger auf 80 Prozent zu senken, zu extrem. Langfristig sollte es laut Dübel aber nicht mehr so massive Überdeckungen von Forderungen geben wie heute. Der Grund: Diese verstärkten das „Run-Risiko“, also die Gefahr, dass unbesicherte Gläubiger im Zweifelsfall massiv Kapital von einer Bank abziehen.

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