Bankensektor
Kreml stützt Banken

Die russische Regierung erwägt offenbar ein neues Stützungspaket für den Bankensektor. Hintergrund ist die weiter stetig steigende Zahl von Kreditausfällen und die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage im Land. Die Bildung einer sogenannten „Bad-Bank“ sei jedoch nicht geplant.

MOSKAU. Finanzminister Alexej Kudrin hatte wiederholt die Bildung einer sogenannten „Bad Bank“, in der unter staatlicher Aufsicht problembehaftete Kredite und Aktien gesammelt werden, ausgeschlossen.

Die Pläne laufen derzeit auf eine breite Rekapitalisierung der wichtigsten Banken des Landes zu. Dabei würde der Staat den unter Druck geratenen Finanzhäusern Anleihen anbieten und als Sicherheit im Gegenzug Vorzugsaktien erhalten, die der Regierung ein Mitspracherecht ermöglichen.

Russlands erster stellvertretende Ministerpräsident Igor Schuwalow hatte in der vergangenen Woche eine Expertenrunde einbestellt, um über diese Option zu beraten. Moskauer Finanzkreise sehen die Diskussion aber „noch nicht am Ende“. Laut Kudrin läuft derzeit ein „Stresstest“ des Sektors. Erst wenn die Ergebnisse vorlägen, werde die Regierung über konkrete Maßnahmen entscheiden, hatte er kürzlich erklärt.

Grundsätzlich seien die Pläne zu begrüßen, meint ein hochrangiger europäischer Bankmanager. „Eine Bad Bank ist in Russland nicht sinnvoll, da die Aktiva der meisten Banken Kredite sind und nur zu einem geringen Teil Wertpapiere“, so der Manager. Diese Kredite ließen sich aber aufgrund ihrer meist komplexen Struktur nur schwer bündeln und verschieben.

Als sicher gilt: Auf den Sektor kommt in der zweiten Jahreshälfte eine neue Belastungsprobe zu, wenn eine Reihe größerer Kredite der staatlichen Entwicklungsbank VEB aus dem Rettungspaket des vergangenen Jahres fällig werden.

Die allgemein schlechte wirtschaftliche Lage in Russland werde sich auf die Kreditqualität auswirken, heißt es bei Credit Suisse. Die Bank schätzt den Anteil der Darlehen, die „unter Stress“ stehen inzwischen auf 13 Prozent. Im Mai war das Bruttoinlandsprodukt zum Vorjahr um elf Prozent gefallen – und damit mehr als erwartet. Als „Desaster“ stufen Analysten wie Wladimir Osakowskij von Unicredit den Einbruch bei den Investitionen von 23 Prozent im Vorjahresvergleich ein.

Offiziell beziffert die Zentralbank den Wert aller notleidenden Kredite auf 4,5 Prozent – sie legt dabei aber eine andere Berechnungsart zugrunde als international üblich. In Russland wird nur die überfällige Rate für ein Darlehen als Problemkredit gerechnet, international gängig ist, die gesamte Kreditsumme als problembehaftet zu sehen. Nach Schätzungen der Deutschen Bank könnten bis zu einem Drittel der russischen Darlehen „faul“ sein. Die russische Zentralbank geht nach ihren Berechnungen davon aus, dass der Sektor eine Kapitalspritze von rund 16 Mrd. Dollar braucht.

Sollte die Regierung tatsächlich ein neues Hilfspaket schnüren, gilt keinesfalls als ausgemacht, dass die Banken alle davon Gebrauch machen. Die Maßnahmen zielen vor allem auf die privaten Finanzhäuser der Top 40 aus über 1 000 Instituten. Vizepremier Schuwalow hatte betont, die Regierung werde nur den wichtigsten 100 Banken helfen. Viele von denen sind aber unter ausländischer Kontrolle und nicht auf Staatshilfen angewiesen.

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