Bankreformen und Privatisierungen machen nur langsam Fortschritte – Faule Kredite sind ein Risikofaktor
Asiens Finanzsysteme werden zum Problem

Sieben Jahre nach Ausbruch der Asienkrise steht die Region auf einem deutlich solideren Fundament als 1997. Doch hohe Staatsverschuldung und schwach regulierte, von faulen Krediten überlastete Finanzsysteme stellen viele Länder vor große Herausforderungen.

NEU DELHI. Die Übernahme bankrotter Banken und massive Konjunkturprogramme haben die durchschnittlichen Bruttoschulden der öffentlichen Haushalte in Asien – außer Japan – auf 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) anschwellen lassen. Durch verstecke Verbindlichkeiten wie Schulden von Staatskonzernen, unterfinanzierte Rentensysteme und ungedeckte Kosten für die Sanierung von Banken kommen weitere 30 Prozent des BIP hinzu, schätzt UBS-Asienchefvolkswirt Jonathan Anderson. Damit liegt Asien weit über der Daumenregel des Währungsfonds für dauerhaft tragbare Schulden von 25 bis 50 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Asiatische Länder verzeichnen neben großen Schulden auch mit die höchsten Budgetdefizite unter Schwellenländern. Allerdings ver-fügt die Region auch über eine Reihe von Puffern, die eine neue Finanzkrise unwahrscheinlich machen, zumindest vorerst: Niedrige Realzinsen, relativ geringe Fremdwährungsverschuldung, stark unterbewertete Währungen, hohe Leistungsbilanzüberschüsse und sprudelndes Wachstum, das der Asiatischen Entwicklungsbank ADB zufolge mit 6,8 Prozent dieses Jahr so hoch ausfällt wie lange nicht mehr. Doch diese Stabilitätsfaktoren können erodieren. „Asiens öffentliche Verschuldung dürfte weiter steigen“, glaubt Anderson. Langfristig ist die Region für ihn deshalb gegen das Risiko einer Fiskalkrise nicht voll gefeit. Als Auslöser müsse es aber einen Schock von außen geben.

Über den Kamm dürfen Investoren die Region nicht scheren. Es gibt große Unterschiede zwischen einzelnen Ländern. Am verwundbarsten sind Anderson zufolge neben dem Sonderfall China die Länder mit den höchsten Verschuldungsquoten: Japan, Indien, die Philippinen und Indonesien. Indonesiens Lage hat sich allerdings dank strenger Haushaltsdisziplin und Bankenprivatisierung schnell verbessert. Die Regierung hat die Staatsverschuldung von 100 Prozent des BIP im Jahr 2000 bereits um ein gutes Drittel gesenkt. Das Haushaltsdefizit wurde dieses Jahr auf 1,2 Prozent des BIP gedrückt. Und die Lücke wird durch Privatisierungserlöse gestopft statt durch Neuverschuldung. Das ist in Indien anders, wo das gesamtstaatliche Defizit seit Jahren um 10 Prozent des BIP schwankt, was den Staat immer tiefer in die roten Zahlen treibt.

„Aber eine Finanzkrise wie 1991 ist sehr unwahrscheinlich“, meint die Barclays-Analystin Dominique Dwor-Frecaut. Gründe sind das hohe Wachstum, solide Sparquoten und starke Liquiditätszuströmen bei geringer externer Verschuldung.

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