Bankrott erklärt
Detroit liegt am Boden

Lange schon dauert das Elend Detroits, jetzt hat der Gouverneur von Michigan die Notbremse gezogen: Die einst blühende Auto-Metropole hat Bankrott erklärt. Es ist die größte Pleite einer Stadt in der US-Geschichte.
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New YorkDie hoch verschuldete US-Autometropole Detroit ist pleite. Der Gouverneur des Bundesstaates Michigan, Rick Snyder, genehmigte am Donnerstag den Vorschlag des von ihm eingesetzten Finanz-Notfallmanagers Kevyn Orr, bei einem Gericht Gläubigerschutz zu beantragen. Die Bankrotterklärung sei "der einzig mögliche Weg zu einem stabilen und soliden Detroit", teilte Snyder in einem Begleitschreiben mit. Es ist die größte amerikanischen Stadt, die jemals Insolvenz angemeldet hat.

Er habe gehofft, dieser Schritt könne vermieden werden, so Snyder. Nun sei es aber an der Zeit, der Wahrheit ins Auge zu sehen: "Die Stadt kann ihre Schulden nicht mehr bezahlen, wenn sie fällig werden, und ist insolvent".

Der Gläubigerschutz nach Kapitel 9 des US-Insolvenzrechts würde es der Stadtverwaltung ermöglichen, einmal durchzuatmen: Unter Aufsicht eines Insolvenzrichters könnte Detroit die fast 18,5 Milliarden Dollar schweren Verbindlichkeiten neu strukturieren, wäre vorübergehend geschützt gegen Klagen und könnte Zahlungen an Gläubiger aussetzen. Auch bestehende Verträge könnten aufgebrochen werden. Kapitel 9 ist das Pendant für US-Kommunen zum Kapitel 11, bei dem überschuldete Unternehmen Zuflucht suchen.

Vor dem drastischen Schritt waren Verhandlungen zwischen Finanzmanager Orr und den Gläubigern, darunter Anleihen-Besitzer und Pensionsfonds, gescheitert. Der Rechtsanwalt aus Washington war im März eingesetzt worden, um die ausufernden Finanzen der Stadt in den Griff zu bekommen.

Detroit, einst blühende Metropole und Sitz der US-Autokonzerne General Motors, Ford und Chrysler, hat in den vergangenen Jahrzehnten einen einzigartigen Niedergang erlebt. Noch in den 50er Jahren war es mit 1,8 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt der USA.

Doch als die Autoindustrie Probleme bekam, spürte auch "Motor City" die Folgen: Fabriken schlossen oder wurden in die umliegenden Städte verlagert, Tausende verloren ihre Jobs, ganze Wirtschaftszweige wanderten ab - und mit ihnen die Steuergelder. In der Folge zogen immer mehr gut Ausgebildete fort und setzten einen Teufelskreis in Gang.

Die Finanzkrise und die darauf folgende Rezession gaben der Dynamik dann den Rest. Dazu kam jahrelanges Missmanagement und Korruption in der Stadtverwaltung.

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Detroit gleicht einer Geisterstadt

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  • Jetzt? 2013? melden die Pleite an?....Sorry aber ich war vor 8 Jahren ca. dort und dachte ich bin im Irak gelandet. Ganze Viertel, kompleet menschenleer und verrottet, hier und da brennt mal ein Haus welches man einfach brennen lässt weil sich das löschen nicht lohnt. Drogenfuzzies an jeder Ecke, Schiessereien alltäglich....

    Sorry aber die waren seit x JAhren schon mehr als nur pleite...dass das jetzt 2013 kommt, gleicht einem Witz.

  • Ach ich denke nicht dass man das in den USA so tragisch sieht - Altes geht und zerfällt, und irgendwo entsteht Neues.

    Es gibt dort auch Nostalgie, aber Pragmatismus ist dann doch beherrschender.

  • Was sind denn schon 18,5 Milliarden Dollar Schulden...,
    Berlin hat 62 Milliarden EURO davon!!!
    Die Berliner werden aber nicht verhungern, denn diese (...)Mischpoke wird vom Rest der BRD durchgefüttert!!!
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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