Bankrun, Kapitalkontrollen, Grexit

Worauf sich die Griechen einstellen müssen

Lassen es Alexis Tsipras und Yanis Varoufakis darauf ankommen? Riskiert die griechische Regierung tatsächlich die dramatischen Folgen eines Zahlungsausfalls? Die wichtigsten Fragen zu Bankrun, Staatspleite und Grexit.
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Sie pokern in den Verhandlungen mit den Gläubigern für Griechenland: Alexis Tsipras (r.) und Yanis Varoufakis. Quelle: Reuters
Regierung in Athen

Sie pokern in den Verhandlungen mit den Gläubigern für Griechenland: Alexis Tsipras (r.) und Yanis Varoufakis.

(Foto: Reuters)

Es ist verflixt: Griechenland und der Internationale Währungsfonds (IWF) wollen die Euro-Länder bewegen, zumindest auf einen Teil ihrer Forderungen zu verzichten, um dem überschuldeten Land einen Neustart zu ermöglichen. Die griechische Regierung hat signalisiert, bei einem Schuldenschnitt die verlangten Reformen umsetzen zu wollen. Allerdings liefe das auf ein drittes Rettungspaket hinaus. Ein Albtraum-Szenario für Kanzlerin Angela Merkel. Annäherung? Fehlanzeige. Kommt es also doch zum Crash?

Die griechische Zentralbank warnt jedenfalls eindringlich vor einem Ausscheiden Athens aus der Euro-Zone. Sollte keine Einigung erzielt werden, stehe das Land vor einem „schmerzhaften Weg, der zu einem Bankrott und schließlich zum Ausscheiden des Landes aus der Euro-Zone und höchstwahrscheinlich auch aus der EU führen würde“, erklärte die Notenbank am Mittwoch.

Das Zeitfenster für eine Lösung wird immer kleiner. Der reguläre EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag kommt eventuell schon zu spät. Vielleicht müssen sich die „Chefs“ dann schon mit den Konsequenzen einer Staatspleite beschäftigen. Wie ist ein Bankrun zu stoppen? Folgt auf die Pleite auch der Grexit? Wie geht es mit Griechenland weiter? Das sind die wichtigsten Fragen.

Droht Griechenland ein Bankrun?

Ja. Noch funktionieren in Griechenland die Bankautomaten, können Kunden Euro-Scheine ziehen. Tatsächlich haben aber viele Griechen aus Angst vor der Staatspleite längst ihre Konten geplündert. Milliarden Euro wurden bereits abgehoben oder ins Ausland geschafft. Steigt die Gefahr weiter, kommt es zum akuten Bankrun: Die Kunden werden massenweise versuchen, ihre Konten leer zu räumen. Die Banken würden ausbluten, sie könnten den Firmen kein Geld mehr leihen, die Wirtschaftsaktivität erliegt.

„Die Griechenland-Verhandlungen werden scheitern“

„Die Griechenland-Verhandlungen werden scheitern“

Wie lässt sich ein Konten-Plündern eindämmen?

Mit Kapitalverkehrskontrollen. Premier Alexis Tsipras müsste sie einführen, wenn die Verhandlungen mit den Gläubigern scheitern und die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Notfallhilfen einstellt. Andernfalls würde Tsipras einen Zusammenbruch der Banken riskieren. Und nur so ließe sich ein akuter Bankrun verhindern. Dazu müssten die Banken vorübergehend ganz geschlossen und Onlinetransfers unterbrochen werden. Wenn sie wieder aufmachen, würden Auslandsüberweisungen verhindert und Abhebungen an den Automaten auf kleinere Beträge begrenzt werden.

Wie könnten die Kapitalkontrollen ablaufen?

Um zu verhindern, dass große Geldsummen ins Ausland in Sicherheit gebracht werden, können EU-Länder, die vor dem Finanzkollaps stehen, in bestimmten Fällen Kapitalverkehrskontrollen einführen. Artikel 65 des Lissaboner Vertrags erlaubt dies für den Fall, dass die öffentliche Ordnung oder die öffentliche Sicherheit bedroht sind. Den massiven Eingriff müsste die Regierung in Athen praktisch über Nacht mit einem Dringlichkeitsgesetz beschließen – gezwungen werden kann sie von den Euro-Partnerländern nicht.

Wann ist Griechenland wirklich pleite?
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33 Kommentare zu "Bankrun, Kapitalkontrollen, Grexit: Worauf sich die Griechen einstellen müssen"

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  • Nicht ganz so!

    Griechenland ist pleite und das war so und das ist so.

    Die europäischen Politiker hatten Steuergeld der Bürger, wohlweislich nicht ihr eigenes Geld, in die Hand genommen und "Zeit erkauft". Die haben sie bekommen und das hergegebene Geld vernichtet.

    Es kann kein Politiker, Merkel oder Schäuble oder auch die anderen Vertreter der Volkskammer behaupten, dass sie nicht das bekommen hätten, was sie kauften. Die Zeit ins unb3stritten fortgeschritten und das Problem liegt heute so zu Füßen wie davor auch.

    Nicht die Griechen haben sich auf eine neue Lage einzustellen, sondern die Politiker, wenn sie gefragt werden, wo denn das erhobene Steuergeld ist? Die derzeitigen Politiker haben es schwer, haben sie doch zu über 80 % der Regierung "alternativlos" zugestimmt.

    Aufgrund der Höhe des Betrages, um den es hier geht, wäre "einsperren" zwar eine primitive Lösung, aber "Im Namen dews Volkes" eine einfache Option. Früher wären sie geköpft worden.

  • Ja, der Stress ist nicht bei den Griechen sondern auf der anderen Seite des Verhandlungstisches.

    Es ist aber auch dort kein Stress wegen der Kredite, die es abzuschreiben gilt, sondern deshalb, weil Politiker die Bürger vorsätzlich betrogen haben.

    Welche Bank könnte einen Kredit auszahlen, bei dem einzig und allein erklärt würde, Zeit zu kaufen? Wenn es allein darum auf Seiten der Gläubiger ginge, Zeit zu kaufen, so könnten die Griechen davon noch viel mehr anbieten.

    Wenn ich die Taktik der beiden griechischen Verhandler interpretiere, dann ist eben dies ihr Angebot und das kann nicht schlechter als das sein, bei dem zuvor bereits hunderte von Milliarden Euros flossen.

    Der Strick um die "Hälse" der europäischen und deutschen Verhandler hat sich schon beachtlich zugezogen.

  • Nachtrag:
    Egal, ob ich Familienmitglieder mag oder nicht, von einer übergeordneten Autorität werde ich bei Notlagen zum Ausgleich gezwungen und nicht von der Familienbande frei gesprochen. Ich werde zur Erstattung von Auslagen genötigt, welche immer auch von dieser Autorität für notwendig gehalten wurden.

  • Das alles sind debattierte Machtspielchen, die die Fakten nur umfärben.
    Egal, ob die Griechen können oder wollen oder sich einstellen oder eben alles nicht, sie sind da.
    Das restliche Europa muss sich einstellen auf die Tatsache, dass ein Staat pleite ist. Das ist wirtschaftlich und ökonomisch nicht zu lösen, wenn gerettet (irgendwas bewahrt) werden soll. Das ist auch derzeit politisch nicht zu lösen, weil es eben keine übergreifende Autorität gibt.
    Da nie nichts passiert, wäre dies für ganz Europa eine große Chance, die derzeit nicht genutzt wird. Sind alle Irrwege abgeschritten, sehen wir wieder die nackten Tatsachen: Wie ungerührt und lange kann Europa dem Verzweiflungskampf von 10 Millionen MENSCHEN zuschauen, die in einem politischen Vakuum gefangen sind. Der griechische Staat steht den Forderungen der Staatengemeinschaft hilflos gegenüber. Ober politische Überbau der Griechen folgt oder nicht, ist völlig egal, denn die Folgen sind für das Volk identisch. Ob das Geld fehlt oder wertlos ist, ist egal. Und in beiden Fällen ist die politische Integrität dahin.
    Irgendwann muss eine (europäische) Autorität eingreifen, um verantwortlich zu gestalten. Wenn das nicht als einseitige Entmündigung innerhalb einer Partnerschaft sein soll/kann - gilt das für alle Partner. Dies ist die europäische Chance. Alles andere führt in die europäische Katastrophe.
    Ohne ausgleichende Hand wären wohl etliche Bundesländer pleite. Die Bürger dort mit den Forderungen zu konfrontieren, die den Griechen gestellt werden, dürfte existenzielle Probleme aufwerfen.
    europa muss sich darauf einstellen: Griechenland ist auf unabsehbare Zeit pleite und unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen nicht reformierbar.

  • Glaubt denn irgendjemand wirklich, die Griechen würden eine eigene Währung akzeptieren? Das wird wie in der DDR: Für Euro kriegt man alles, für die eigene Währung gibts garnichts. Wenn Löhne, Gehälter und Renten in Drachmen oder wie auch immer die neue Währung genannt wird, gezahlt werden, kann man nur nach dem besten Wechselkurs auf dem Schwarzmarkt suchen. Wir werden unendliche Armut sehen. die Rentner werden nicht wie von der EU gefordert 10 oder 20% verlieren sondern ALLES.

  • @Herr peterchen Mondfahr
    Natürlich waren die so klamm wie 2000, aber da gab es noch Französiche Banken die in Griechenland sehr involviert waren. Nebenbei die Deutschen Banken in Irland stark vertreten. Die ersten Rettungspakette für Briechenland wurden direkt nach Frankreich exportiert. Sonst stände Frankreich da wo jetzt Griechennamd steht.
    Ich bin mir zu 100 Prozent sicher das die Euro Krise bei weitem nicht vorbei ist.

  • Wie kann Herr Tsipras erwarten, dass die EU Griechenland großzügigst finanziert, wenn die eigenen Bürger ihrer Regierung das Misstrauen am Bankomat ausdrücken? Am Montag wurden 400 Mio. Euro abgehoben! Aber H. T. hat anderes zu tun: Er bastelt nämlich an einer griechischen Dolchstoßlegende: Griechenland, das ehemals blühende, wurde vonGläubigern, der EU, Frau Merkel und anderen gedemütigt und letztendlich zerstört. Die Schulden kamen aus dem Nichts...Das Staatsdefizit der letzten 40 Jahre war eine Erfindung der Gläubiger und die Erde ist eine Scheibe.... Ein griechischer Zentralbanker, der es wagt, die Wahrheit zu sagen, wird beschimpft... Kein Wunder, dass die fähigen Griechen bei uns erfolgreich Gewerbebetriebe betreiben und zu Hause die weniger fähigen kleben geblieben sind. Ein Land, das einem permanenten Braindrain ausgesetzt ist, ist leider zum Scheitern verurteilt, weil die Intelligenten sich nicht dem Kommando der Dummen aussetzen wollen und flüchten (m. E, ist dies eine Sonderform des Sozialdarwinismus).,

  • Warum die Banken ihr Geld bekommen ?
    Sie wissen schon , dass Banken das Geld ihrer Kunden verleihen ? Meistens Kleinsparer . Wenn ins Ausland verliehen wird , werden die Kredite durch besondere Bürgschaften abgesichert weil man ja nicht mit der Kavallerie von Hernn Steinbrück
    in anderen Ländern , Forderungen eintreiben kann .
    Aber was haben die Darlehnsnehmer mit dem Geld gemacht ?
    Gut gelebt ? Dann ist es weg bzw. woanders !
    Viele Pools gebaut , teilweise auf Grundstücken die denen die bauten garnicht gehörten . Also nicht ranzukommen !
    Die Banken waren abgesichert , und haben das Geld ihrer Kunden meistens wiederbekommen.
    Wenn Sie eine Familie in Griechenland kennen , der es schlecht geht , unterstützen Sie sie , aber direkt . Ob geschenkt oder als Darlehen , bleibt Ihnen überlassen.

  • mit anderen Worten: der Grexit kann sich noch über Monate hinziehen...

  • Wer soll den einem Land oder einer Firma etwas leihen oder etwas glauben , dass solche Repräsentanten hat . Die Herren haben soviel verspielt, mehr geht nicht !
    Kann man mit solchen Leuten Verträge machen ?

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