Barack Obama
Das große Missverständnis

Obama ist in Europa beliebt. Er gilt als der „gute Amerikaner“, als einer von uns. Doch nicht erst die Spionage-Affäre zeigt: Der US-Präsident kennt keine Freunde, nur Interessen. Zeit für eine nüchterne Betrachtung.
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New YorkMehr als 90 Prozent – mit diesem Ergebnis wäre Barack Obama noch im vergangenen Jahr zum US-Präsidenten gewählt worden, hätte man die Europäer gefragt. Sie scheinen also den ersten schwarzen Präsidenten irgendwie zu mögen. Wahrscheinlich ist es dies: Obama gilt als friedfertiger als sein Vorgänger (siehe Friedensnobelpreis), er hat ein Herz für die sozial Schwachen, erkennt den Klimawandel als menschengemacht an und ist ansonsten ein sympathischer Kerl. Ein „guter Amerikaner“ also, gerade im Vergleich zu Vorgänger George W. Bush.

Das heißt: Der Demokrat gilt nicht als schießwütiger Cowboy, nicht als öldurstiger Folterknecht wie Bushs Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Eher als einer, der uns mag und der den Amerikanern nach den Irrwegen der Bush-Ära endlich Vernunft beibringt. Mit Rezepten, die wir in Europa kennen und mit denen wir alles viel besser zu machen glauben. Anders gesagt: Obama ist einer von uns.

Was für ein Missverständnis. Nicht erst die mutmaßliche Spitzel-Attacke amerikanischer Geheimdienste auf das Handy der verbündeten deutschen Kanzlerin zeigt: Obama ist in allererster Linie US-Präsident, und als solchem liegen ihm eben nur die Dinge am Herzen, die Amerika nutzen. Und was Amerika nutzt, ist gut. Das ist überhaupt nicht zu beanstanden, schließlich ist das Obamas Job, dafür wurde er gewählt. Man sollte es eben nur nicht vergessen, wenn er die nächste wohlklingende Rede hält.

Einige Illusionen sind ja längst zerplatzt. Obama hat zwar die Folter verboten – doch das Gefangenenlager Guantanamo Bay ist noch immer nicht geschlossen. Obama wickelt die opferreichen Kriege im Irak und in Afghanistan ab – aber schickt Drohnen los, um ohne Prozess Terrorverdächtige in Pakistan zu töten. Obama redet vom Klimaschutz – und erlaubt, dass an den Küsten nach Öl gebohrt wird. Obama verspricht Transparenz – und lässt Informanten gnadenlos verfolgen.

Eine Seite dieser Realpolitik zeigt sich auch im Umgang mit anderen Staatschefs. Hier gilt Obama, anders als der kumpelhafte Bush, als unterkühlt und desinteressiert. Er lebt zudem vor, was einst Henry Kissinger aussprach: „Amerika hat keine dauerhaften Freunde oder Feinde, nur Interessen“. Darin unterscheidet sich Obama zwar nicht von allen anderen Staatenlenkern dieser Welt, auch nicht den deutschen. Doch wenn die Supermacht USA entscheidet, andere entweder zu hofieren oder abzustrafen, hat dies eben besonders weitreichende Folgen und wird überall registriert.

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Obama ist ein kühler Realpolitiker

Kommentare zu " Barack Obama: Das große Missverständnis"

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  • Meine Meinung zu Obama? Hat die unlockere Clinton ausmanövriert. Ist an sich kein schlechter Präsident, aber moralisch und ethisch des Friedensnobelpreis nicht würdig. Aber dass der an ihn überhaupt verliehen wurde war eine schwedische Unterwerfungsgeste nach Amerika (Assange hat wohl recht wg. Auslieferungsangst).

    Amerika ist wie das einstige römische Reich zum Untergang verdammt, da es nur auf militärische Inter- und Prävention setzt und die Welt nicht für voll nimmt! Selbst 5-jährige Amerikaner wissen schon wie die Gläubiger entlohnt werden werden (man muss sich dazu auch nur die Zeit des Goldrauschs nochmal anschauen).

    China ist clever genug das zu erkennen und aufzurüsten. Russland clever genug nicht weiter abzurüsten. Indien ist wankelmütig. Die Perser und Araber wissen, dass sie auf ihrem schwarzen Gold sitzen bleiben müssen. Die Israelis haben am falschen Platz gebaut und kommen aus dem Ärger mit den Nachbarn nicht mehr raus. Deutschland und EU ist selbst nach so vielen Jahren immer noch ein Experiment mit ungewissem Ausgang.



  • Herje, was soll die ganze Aufregung? Obama sagte schon in seiner ersten Rede in Berlin - noch bevor er Präsident wurde, dass er weiter macht wie bisher, aber seine "Freunde" die Europäer stärker zur Kasse bitten wird.

    Das wollte damals nur niemand hören und wissen.

    Seit dem hat sich viel getan. Zwischenzeitlich wird Krieg geführt und das immer offener!
    Kein Krieg mit Gewehren und Raketen, Krieg mit anderen Mitteln, mit Spionage, mit Währungen mit Wissen und Technik.
    Wer zwingt als erstes eine andere Region der Welt in die wirtschaftlichen Knie? Kracht es zuerst in Amerika, Asien oder Europa? Da sind Kleinigkeiten wie der arabische Frühling nur Nebenschauplätze. Das hat die Region dort um einiges zurück geworfen.
    Gut für Amerika.
    Asien würde zusammen krachen wenn Japan kracht. Das würde auch China mitreißen. Europa bricht zusammen wenn es nicht zusammen hält, dann werden wir nämlich von Afrika aus überschwemmt. Das ist der Grund für den Euro, das ist der Grund für die Gelder die nach Süden fließen. Immer noch billiger Geld in den Süden zu pumpen, dass zum größten Teil eh zurück fließt als diese Staaten allein zu lassen. Denn Italien, Spanien und Griechenland sind unser Bollwerk gen Afrika. Würden diese Länder die Menschen einfach durch lassen, dann hätten wir nicht ein paar zig Lampedusianer in Hamburg sondern ein paar zigTausend.
    Wir sicher unseren Lebensstandard, das gleiche versuchen die Amis. Bei Ihnen sind die Grenzen schon lange zu, da geht es mehr um den Wert des Dollars. Sinkt der, dann vergrößert sich das Handelsbilanzdefizit oder es wird weniger eingeführt - der Lebensstandard sinkt. So simpel ist die Welt.
    Schaun wir mal wer den Krieg am Ende gewinnt.

  • Dunkelhäutige Amerikaner waren schon immer sehr gute Schauspieler! Namen sind bekannt! Billy Moo allerdings war ein sehr guter Musiker und Sänger.

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