Barack Obama
Der heimliche Gewinner

Hillary Clinton hat so vieles, was ein guter Kandidat braucht: Intelligenz, Geld, Erfahrung, einen exzellenten Stab. Aber ihr fehlt das, was Barack Obama – noch – hat. Deshalb könnte der Senator aus Illinois 2008 Präsident der Vereinigten Staaten werden.

WASHINGTON. Paul Begala hat seinen Job ordentlich erfüllt. „Die Republikaner zerstören den amerikanischen Traum“, agitiert der Ex-Mitstreiter von Bill Clinton, „aber das dürfen wir nicht zulassen.“

1 000 Studenten haben sich im Keller des Marriott-Hotels im Washingtoner Stadtteil Adams Morgan versammelt. Und wer bis dahin sein Putenbrust-Sandwich noch nicht zur Seite gelegt hat, der tut es jetzt, steht auf, klatscht, stampft und pfeift. Wahlkampfstimmung kommt auf bei der Studentenkonferenz des „Center for American Progress“, die zuvor träge vor sich hingeplätschert war. Stimmung für einen, der diese gar nicht braucht: Barack Obama.

Denn dieser Mann ist sich selbst genug. Als er zu sprechen beginnt, scheint es, als sei ihm einerlei, was man von ihm erwartet. „Ich bin Barack Obama, und wer mir zuhören mag, der kann dies tun“, weht für einen Moment durch den Raum. Und wie durch einen Zauber hört das Rascheln auf, das Stühlerücken, das Husten, das Tuscheln. Dann beginnt der Herr im beigefarbenen Anzug mit der rostroten Krawatte und dem weißen Hemd zu reden. Und auf einmal ist kein Wahlkampf mehr, sondern wieder College, Vorlesung. „Was machen wir mit unserem Leben nach der Uni?“ fragt Obama. Und erzählt von sich. Und es ist immer noch kein Husten und kein Rascheln.

Das war im Sommer, und Barack Obama war noch ein Geheimtipp, ein noch reichlich unbekannter, junger Senator aus Illinois, ein Mann für die Zukunft, der irgendwann nach seiner Parteifreundin Hillary Clinton vielleicht die große politische Bühne betreten würde.

Nun ist es Herbst, und alles ist anders. Weil Barack Obama Amerikas Präsident werden will – nicht 2016, sondern schon 2008. Gesagt hat er das zwar so noch nicht, aber er hat öffentlich damit kokettiert. Und nun, nachdem die Demokraten den Republikanern bei der Kongresswahl „eine Abreibung“ verpasst haben, wie Präsident George W. Bush kleinlaut einräumte, wird er vielleicht bald seinen Hut tatsächlich in den Ring werfen. Und dann wird es richtig spannend.

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