Barack Obama
Der Strippenzieher im Nahen Osten

Bisher machte sich Barack Obama im Nahen Osten wenig Freunde. Jetzt präsentieren sich die USA gemeinsam mit Ägypten als Strippenzieher hinter der frisch vereinbarten Waffenruhe. Eine neue Allianz deutet sich an.
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WashingtonAls der Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas in Kraft trat, hatte Barack Obama Besseres zu tun, als sich mit Politik zu beschäftigen. Cool und entspannt lachte er mit seinen Töchtern Sasha und Malia im Rosengarten und kümmerte sich ums Federvieh. Während die Welt mit angehaltenen Atem auf Gaza und Israel blickte, rettete der US-Präsident in einem humoristischen „Gnadenakt“ zwei Truthähnen vor ihrem tödlichen Thanksgiving-Schicksal. „Zweite Chancen gehören zum Leben dazu“, schmunzelte Obama.

Doch die Szene täuscht: Die Eskalation der Gewalt in Nahost hatte Obama und das Weiße Haus in hypernervöse Alarmbereitschaft versetzt. Die Angst ging um, dass die Krise völlig außer Kontrolle geraten könnte. Schon kursierten in Washington Szenarien über eine israelische Bodenoffensive. In höchster Not schickte Obama seine Außenministerin Hillary Clinton zur Blitztour ins Krisengebiet - eine Mission nicht ohne Risiko.

Clinton, die sich eigentlich schon mit einem Bein in Pension befindet, schaffte das Unerwartete. Kaum 20 Stunden nach ihrem Eintreffen stand Clinton im leuchtend grünen Blazer - grün ist die Farbe des Islam und der Hamas - neben ihrem ägyptischem Kollegen Mohammed Kamel Amr in Kairo und verkündete den Waffenstillstand. Zwar war es vor allem Ägyptens Präsident Mohammed Mursi, der das Abkommen eingefädelt hatte. Doch hinter den Kulissen war es auch Obama, der die Strippen zog. Schon bevor das Abkommen ausgehandelt war, sprachen US-Kommentatoren von einer „Wende zu einer aktiveren Rolle der USA in Nahost“. Vor dem Weißem Haus schwärmte ein CNN-Reporter: „Der Präsident besiegelte den Deal.“

Tatsächlich hatte Obama, dem bisher mit seiner Diplomatie im Nahen Osten kein Glück beschieden war, während des achttägigen Waffengangs das Telefon praktisch nicht aus der Hand gelegt. Fast täglich sprach er unter anderem mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Mursi. Dabei ist es noch nicht lange her, dass Washington Mursi, den Mann der Muslimbruderschaft, mit Misstrauen und Zweifel beäugte. Jetzt scheint er in den Augen der Regierung Obama zum Hoffnungsträger einer neuen Ära aufgestiegen zu sein.

„Ich möchte Präsident Mursi für seine persönliche Führerschaft danken, die Situation in Gaza zu deeskalieren und die Gewalt zu beenden“, sprach Clinton mit übermüdeter Miene in die Kameras. Doch als sei das nicht schon Lobgesang genug, setzte sie noch eins drauf, sprach von dauerhaften Lösungen, regionaler Stabilität und legitimen Hoffnungen der Palästinenser. „Präsident Mursi und ich haben darüber beraten, wie die USA und Ägypten zusammenarbeiten können, um die nächsten Schritte in diesem Prozess zu unterstützen.“ Das klingt wie der Beginn einer neuen Partnerschaft.

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Volle Unterstützung für Israel

Kommentare zu " Barack Obama: Der Strippenzieher im Nahen Osten"

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  • Ich hätte da eine gute Idee, wie man die Hegemonie der Israelis und der Amis im nahen Osten abschaffen könnte:

    Gebt den paar Millionen Unruhestiftern in Israel eine Einwanderungserlaubnis in die USA.

    Siedelt die Neubürger in Utah an, direkt in Nachbarschaft zu den Mormonen.

    Ab dann heißts: "2 Lebensstützen brechen nie, Gebet und Arbeit heißen sie."

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