Barack Obama reist nach Kenia
Auf den Spuren seiner Vorfahren

Während seiner Afrika-Reise macht Barack Obama zum ersten Mal in Kenia Halt, der Heimat seines Vaters. Doch für Familiengeschichten bleibt kaum Zeit, Wirtschaftsbeziehungen und Sicherheitspolitik stehen im Vordergrund.
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New YorkDie Nachricht vom Tod seines Vaters erreichte Barack Obama in New York, 33 Jahre ist das her. Obama wohnte damals in einem tristen Apartment im Grenzgebiet zwischen Harlem und der gediegeneren Upper West Side. Er war oft allein in dieser Zeit, soziale Kontakte hielt er für „unnötige Ablenkungen“, wie er in seinen Memoiren schreibt.

Obama bereitete gerade sein Frühstück vor, als das Telefon klingelte. Seine Tante aus Nairobi war dran: „Hör zu Barry, dein Vater ist tot“, sagte sie. „Er kam bei einem Autounfall ums Leben.“ Kurz danach brach die Leitung zusammen. Obama setze sich auf sein Sofa. Die Eier verbrutzelten in der Küche.

Obama hat seinen Vater, Barack Obama Senior, kaum gekannt, seine Eltern trennten sich früh. Die Todesnachricht löste in ihm weniger Schmerz als Nachdenklichkeit aus. Und doch spielt der Mann, dessen Namen er erbte, eine zentrale Rolle in seinem Leben. „Dreams from my Farther“, heißt das autobiographische Buch, das zur Grundlage seines politischen Aufstiegs wurde.

In seinen Versuchen, seine Herkunft zu begreifen, seine Identität zu bestimmen und seinen Platz in der Gesellschaft zu finden, fanden viele Amerikaner sich und ihr Land wieder. Die Selbstsuche hat Obama zu dem gemacht, was er ist: Präsident der USA.

Am Freitag besucht Obama Kenia, die Heimat seines Vaters, zum ersten Mal in seiner Amtszeit. Dort wird ihm ein begeisterter Empfang bereitet. Die Kenianer sehen in Obama viel mehr als einen politischen Ehrengast. Sie betrachten ihn als einen der ihren. Auch Obama fühlt sich mit Kenia verbunden, obwohl ihm sein Vater fremd blieb. Während seines Staatsbesuchs wird er sich in Nairobi mit Verwandten treffen.

In Kogelo hingegen werden sie wohl vergeblich hoffen. In dem Dorf am Victoriasee wurde Obamas Vater geboren, Teile der Familie leben bis heute dort. Obama besuchte Kogelo 2006 als Senator. Dieses Mal heißt es in Washington, eine Visite sei aus logistischen Gründen nicht zu machen. Natürlich spürt der Präsident das Korsett, in das ihn das Amt schnürt, es wird ihm zunehmend lästig: „Um ehrlich zu sein, Kenia als Privatperson zu besuchen, ist für mich wahrscheinlich sinnvoller, weil ich dann auch mal aus dem Hotelzimmer oder dem Konferenzsaal herauskomme“, sagt er.

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Es geht nicht um Familiengeschichten

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