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Barclays-Chefvolkswirt: Ökonom warnt vor neuer Krise wegen Niedrigzinsen

exklusiv Europa steckt in einem Dilemma: Die EZB hält die Zinsen niedrig auf Rücksicht auf die schwächelnden Schuldenländer. Doch niedrige Zinsen befeuern das deutsche Wachstum. Das birgt ein großes Risiko.

Europafahne. Quelle: AP
Europafahne. Quelle: AP

DüsseldorfDer Chefvolkswirt von Barclays Capital Deutschland, Thorsten Polleit, sieht in der Begünstigung der deutschen Konjunktur durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Gefahr. Der Aufschwung in Deutschland gehe mit Rekordtiefzinsen einher. "Eine kapitalintensive Volkswirtschaft wie die deutsche wird dadurch in besonderem Maße angefeuert", sagte Polleit Handelsblatt Online. "Und stark verminderte Zins- und Kapitalkosten bergen die Gefahr - und die Vergangenheit liefert Beispiele zuhauf -, dass es im Zuge einer zu expansiven Geldpolitik zu Fehlinvestitionen kommt, die nachfolgend zu Finanz- und Wirtschaftskrisen führen können."

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Ähnlich äußerte sich der Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Für das stark wachsende Deutschland dürften die EZB-Leitzinsen noch lange viel zu niedrig bleiben", sagte Krämer Handelsblatt Online. Schließlich nehme die Europäische Zentralbank Rücksicht auf die darbenden Peripherieländer. Zu niedrige Zinsen fachten aber das Wachstum in Deutschland zunehmend an. "Langfristig droht eine Überhitzung - so wie Anfang der 70er Jahre vor dem Ölpreisschock", warnte Krämer.

Damals habe die Bundesbank die lockere Politik der US-Notenbank kopieren müssen, um im Festkurssystem von Bretton-Woods eine Aufwertung der D-Mark gegenüber dem Dollar zu verhindern. "Allerdings mag es noch einige Jahre dauern, bis die deutsche Wirtschaft überhitzt", so Krämer. Denn der Wettbewerbsdruck sei hoch und werde die Lohnanstiege nur langsam zunehmen lassen. "Bis zuletzt hat sich der Lohnanstieg kaum beschleunigt, obwohl die Arbeitslosigkeit drastisch gefallen ist."

Im April hatten die Währungshüter den Zins zum ersten Mal seit zwei Jahren angehoben, auf nun 1,25 Prozent. Experten gehen davon aus, dass die EZB im Juli ihren Leitzins auf 1,5 Prozent anhebt. Ein Zinsschritt schon im kommenden Monat gilt dagegen als unwahrscheinlich.

Der künftige EZB-Chef Mario Draghi hält indessen langfristig weitere Zinserhöhungen im Euro-Raum zur Eindämmung der Inflation für wahrscheinlich. „Die Solidität des Wirtschaftswachstums kann durch die Inflation unterminiert werden“, warnte Draghi bei einer Veranstaltung des CDU-Wirtschaftsrates in Berlin. Die EZB rechne in diesem Jahr mit einer Teuerungsrate von durchschnittlich 2,5 Prozent. Die Inflation werde vor allem durch höhere Energie- und Rohstoffpreise angeheizt.

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