„Barfuß durch Hiroshima“
Atombombenangriff als Zeichentrickfilm

Der japanische Künstler Keji Nakazwa hat den Atombombenangriff auf Hiroshima überlebt und ihn zeichnerisch verarbeitet. In Dresden ist ihm eine Ausstellung gewidmet. Auf YouTube findet sich eine grausige Film-Szene.
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HiroshimaAugen zerfließen, Haut blättert vom Körper, die Münder sind weit aufgerissen: Diese Zeichentrick-Animation ist nichts für schwache Nerven. Kein Wunder, schließlich zeigt sie die Explosion der Atombombe „Little Bomb“ in Hiroshima. Der Film „Barfuß durch Hiroshima“ basiert auf dem gleichnamigen Manga des japanischen Künstlers Keji Nakazwa und behandelt die Zerstörung der japanischen Stadt vom 6. August 1945. Einzelne Zeichnungen werden diese Woche im Dresdener Festival-Palais Sommer zum 70. Jahrestag der Katastrophe ausgestellt.

Der Künstler Nakazwa hat in seinem Manga – quasi ein japanischer Comic – seine eigenen Erfahrungen verarbeitet: Die Zuschauer erleben die Geschehnisse aus dem Blickwinkel des sechsjährigen Jungen Gen, der Hauptfigur des Mangas und gleichzeitig das Alter Ego des Zeichners. Beim Abwurf der Atombombe sterben sein Vater, sein Bruder und seine Schwester. Er und seine schwangere Mutter überleben und durchstreifen auf der Suche nach Essen und Trinken die zerstörte Stadt.

Unter Leitung des Musikers und Videokünstlers Oguz Büyükberber aus Amsterdam werden Teile des rund 3000 Seiten umfassenden Mangas „in einer ganz eigenständigen Ästhetik zwischen Zeichentrickfilm und Digitaler Kunst bearbeitet und in Großwandprojektionen an die Fassade des Japanischen Palais am Elbufer projiziert“, heißt es in der Veranstaltungsinformation.

Nakazawa starb im Jahr 2012 im Alter von 73 Jahren: Davor litt er an den Spätfolgen der Strahlung, unter anderem Diabetes und Grauer Star. 2010 wurde bei ihm Lungenkrebs diagnostiziert. Rund zehn Jahre hatte er an den Comic-Zeichnungen von „Barfuß durch Hiroshima“ gearbeitet. Heute jährt sich der Abwurf der ersten Atombombe auf Hiroshima (die zweite auf Nagasaki) zum 70. Mal.

Steffen Daniel Meyer
Steffen Daniel Meyer
Handelsblatt Online / Social-Media-Redakteur

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  • Krieg ist sicherlich nicht die Glanzleistung der menschlichen Kultur. Nuklearprengkörper haben furchtbare Wirkungen.

    Allerdings werden die Auswirkungen auch aufgrund der US Propaganda nach dem WKII, die gerade in Deutschland von den ökosozialistischen Medien aufgenommen wurde, überzeichnet.

  • Immer mehr Menschen, vor allem Jugendlichen, lassen sich Geschehnisse nur noch auf diese Weise nahebringen. Unabhängig vom jeweiligen Inhalt ist diese Tatsache traurig, entspricht aber dem deutlich nachlassenden Bildungs- und Lernniveau im Allgemeinen.

  • Eine tolle Leistung des Weltpolizisten USA!

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