„Basel 3.5“: Finanzwächter fordern Eigenkapital-Nachschlag

„Basel 3.5“
Finanzwächter fordern Eigenkapital-Nachschlag

Darf es noch etwas mehr sein? Kaum ist Basel III beschlossene Sache, sollen darüber hinausgehende Puffer für Großbanken verhindern, dass der Steuerzahler im Notfall die Zeche übernehmen muss. London und Zürich preschen voran, Berlin gibt sich allerdings noch zögerlich.
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ZÜRICH. Basel III ist beschlossen. Jetzt kommt Basel 3.5. Kaum haben sich die internationalen Finanzwächter auf neue Eigenkapitalstandards für Banken geeinigt, fordern die Regulierer in London und Zürich bereits einen Nachschlag. Als Erster bläst Adair Turner, Chef der britischen Finanzaufsicht FSA, zum Angriff. „Wir wollen uns die Freiheit erhalten, über die absoluten Minimum-Vorschriften hinauszugehen, vor allem was Banken angeht, die für die Stabilität des Finanzsystems relevant sind“, betonte er in seiner jährlichen Ansprache an die Banker in der Londoner City. Mit anderen Worten: Das dicke Ende für die Großbanken kommt noch.

Das gilt auch für die beiden Schweizer Finanzgiganten UBS und Credit Suisse. Bis Ende des Monats muss eine Expertengruppe der Regierung in Bern Vorschläge unterbreiten, wie man die Systemrisiken der Großbanken noch sicherer als mit den neuesten Vorschriften der Regulierer aus Basel in den Griff bekommen kann. Auch bei den Schweizern stehen zusätzliche Kapitalpuffer ganz oben auf der Liste. „Swiss-Finish“ nennen sie das in der Alpenrepublik und verraten damit, dass nicht nur die Banken, sondern auch ihre Aufpasser miteinander wetteifern. Die Folge, vor der die Banken warnen, sieht so aus: Der Eifer der Regulierer kann zu einem Flickenteppich internationaler Finanzregeln führen, der den Wettbewerb verzerrt und die Banken zum Rosinenpicken einlädt – ein Vorgang, den Spekulanten vornehm mit „regulatorischer Arbitrage“ beschreiben.

Risiko für die Volkswirtschaft

Dass ausgerechnet die Schweiz und Großbritannien strengere Regeln für Großbanken fordern, ist kein Zufall. In beiden Ländern hat der Finanzsektor ein derart großes Gewicht, dass sie der Schieflage einer Großbank wenig entgegenhalten können. Im Königreich summieren sich die Bilanzen von HSBC, Barclays, Lloyds und RBS auf 5,8 Bill. Pfund. Das ist viermal so viel wie die jährliche Wirtschaftsleistung des Landes. In der Schweiz übersteigen die Bilanzsummen der beiden Großbanken das Bruttoinlandsprodukt um das Sechsfache. Diese Finanzhäuser gelten somit als „too big to fail“. Im Notfall muss der Steuerzahler einspringen.

In Großbritannien hat der Staat rund 850 Mrd. Pfund für die Rettung des Finanzsektors ausgegeben – was nicht noch einmal vorkommen soll. Die britischen Banken müssen sich deshalb darauf einstellen, dass die heimische Aufsicht bei den Eigenkapitalvorschriften die Schraube noch einmal anzieht. Damit sollen die Finanzhäuser ihre Verluste selbst auffangen können. Bei ihren nationalen Stresstests im vergangenen Jahr hatte die FSA von den britischen Banken eine harte Kernkapitalquote (core Tier 1) von acht Prozent gefordert. In seiner Rede gab Turner zwar keine Hinweise, wie dick die Kapitalpuffer seiner Meinung nach am Ende sein müssen. Aber die Geldhäuser in der City stellen sich auf eine Quote von um die zehn Prozent ein.

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