Baubeschluss erneut verschoben
Nabucco-Pipeline steckt in Schwierigkeiten

Der Startschuss für den Bau der Nabucco-Gaspipeline vom Kaspischen Meer nach Mitteleuropa lässt weiter auf sich warten. Nachdem die Nabucco Gas Pipeline International GmbH ursprünglich bis Ende dieses Jahres über das Projekt entscheiden wollte, verschob das Konsortium jetzt den Beschluss auf das erste Quartal 2008.

ISTANBUL. Die geplante Pipeline, die Europa unabhängiger von russischen Gaslieferungen machen soll, beflügelt seit Jahren die Phantasie der Planer und Politiker. Über dem ehrgeizigen Vorhaben schweben jedoch zunehmend Fragezeichen. Vor allem Russland versucht, das Projekt zu torpedieren, um die dominierende Rolle des Staatsmonopolisten Gazprom auf Europas Märkten zu verteidigen.

Nabucco soll über eine Entfernung von 3 300 Kilometern vom osttürkischen Erzurum über Bulgarien, Rumänien und Ungarn zum Central European Gas Hub, der Verteilstation des österreichischen Energiekonzerns OMV bei Baumgarten in Niederösterreich, führen. OMV ist Führer des Nabucco-Konsortiums, dem bisher die Staatskonzerne MOL aus Ungarn, die rumänische Transgaz, Bulgargaz aus Bulgarien und die türkische Botas angehören. Als sechster Partner soll in Kürze der Energiekonzern RWE dazustoßen. Die Baukosten der Pipeline werden auf 4,6 Mrd. Euro veranschlagt. Im Endausbau soll sie pro Jahr 30 Mrd. Kubikmeter Erdgas transportieren – und damit zur Diversifizierung der Gasversorgung Westeuropas beitragen. Die EU und die USA unterstützen das Vorhaben deshalb.

Aber das Projekt steckt in Schwierigkeiten. Unbeantwortet ist vor allem die Frage, woher das Konsortium das Gas für seine Pipeline beziehen wird. Die ursprüngliche Planung sah vor, die Leitung vor allem mit iranischem Erdgas zu füllen. Doch auf diesen Lieferanten kann sich das Konsortium vor dem Hintergrund des Atomstreits mit Teheran und angesichts möglicher Sanktionen nicht verlassen. Überdies ist die Gas-Infrastruktur Irans veraltet. Sie müsste erst mit Millioneninvestitionen ausgebaut werden.

Die Nabucco-Verfechter glauben, angesichts dieser Schwierigkeiten auf das iranische Gas verzichten zu können. Ihr Blick richtet sich auf die Erdgasvorkommen des Kaspischen Meeres. Vom osttürkischen Erzurum könnte Nabucco an die bereits bestehende Süd-Kaukasus-Pipeline angebunden werden, die über Georgien nach Aserbaidschan führt. Von dort, so die Pläne, soll eine Rohrleitung unter dem Kaspischen Meer hindurch zu den Fördergebieten Turkmenistans und Kasachstans führen. Der Bau dieser Transkaspischen Pipeline (TCP) wäre allerdings nicht nur teuer und technisch aufwändig, sondern er stößt auch auf politische Probleme.

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