Bauern profitieren von deutscher Nachfrage
Polnische Verbraucher erleben Preisschock

Polnisches Fleisch, Wurst und Milchprodukte sind bei den neuen westlichen EU-Nachbarn zunehmend beliebt. Statt des befürchteten Niedergangs nach dem EU-Beitritt gibt es für die polnischen Bauern höhere Einkünfte. „Wir sind wieder die Futterkammer Europas“, schrieb ein Nachrichtenmagazin.

HB WARSCHAU. Mussten sich die Bauern und Produzenten bisher von großen Supermarktketten die Preise diktieren lassen, zeigen sie nun ihren bisherigen Abnehmern immer häufiger die kalte Schulter und liefern ins Ausland. Nach Schätzungen des Landwirtschaftsministeriums war der Fleischexport aus Polen im Mai, dem ersten Monat nach dem EU- Beitritt, um 20 Prozent höher als bisher. Für die polnischen Verbraucher hat der Appetit der Deutschen, Franzosen oder Niederländer auf polnische Schnitzel, Rinderbraten oder Wurst allerdings unangenehme Wirkungen.

„Wo ist das Fleisch?“ titelte das Magazin „Polityka“ vor kurzem. Dabei ist es keineswegs so wie in den frühen 80er Jahren, als polnische Verbraucher beim Metzger nur leere Fleischhaken anstarren konnten. Von Mangel an der Fleischtheke ist nichts zu merken, wohl aber von Ebbe im Portemonnaie - die Preise für Rindfleisch und Geflügel stiegen seit dem EU-Beitritt Polens nach einer Untersuchung der polnischen Nationalbank um mehr als 20 Prozent. Auch Milchprodukte werden gerne aus Polen eingeführt. Denn um EU- Anforderungen zu genügen, mussten viele Betriebe grundlegend modernisieren oder schließen. Molkereien und milchverarbeitende Betriebe aus dem Agrarland Polen sind nun auf dem neuesten technischen Stand. „Wir erhalten immer mehr Bestellungen aus Deutschland“, sagt Maciej Horn, Leiter der Firma Spomlek im ostpolnischen Radzyn Podlaski. Bisher hatten die Polen die billigsten Lebensmittel Europas, nun erleben sie einen Preisschock. „Es ist schrecklich, alles ist so teuer geworden“, stöhnt Marcin Krasinski, ein Warschauer Zeitschriftenhändler. „Und das ist bestimmt noch nicht der Gipfel der Preisspirale!“

In der Tat - viele Bauern vergleichen, was ihre deutschen oder dänischen Kollegen für ihre Produkte erhalten und möchten ebenso viel verdienen. Doch je höher die Preise, desto geringer könnte das Interesse der Importeure werden, warnen Experten. Viele Polen haben unterdessen ihren Speiseplan umgestellt - die hohen Fleischpreise machen das Schnitzel immer häufiger zum Luxus. Britische Fabrikanten lassen in Polen bereits nach englischer Wurstrezeptur herstellen, aus Deutschland soll es auch schon Anfragen gegeben haben. Inzwischen fürchten selbst einige Fleischproduzenten, dass bei anhaltender Entwicklung der heimische Markt zusammenbricht und durch den Export nicht ausreichend ausgeglichen wird. Zugleich seien traditionelle Handelskontakte gefährdet. „Unsere Schweine sind jetzt selbst als Würstchen für die Russen zu teuer“, sorgt sich Wursthersteller Maciej Duda. „Wenn wir bei den Preisen nicht die Bremse ziehen, drohen wir unseren Markt im Osten zu verlieren.“ Doch nach Fleisch und Milch haben die Westeuropäer nun noch mehr Gutes aus polnischen Landen entdeckt: Nach einem Bericht der Zeitung „Rzeczpospolita“ sind Himbeeren und Erdbeeren ein weiterer Exporthit. Schon bald könne Polen mit einem Marktanteil von 20 Prozent der größte Apfel-Export Europas sein.

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