Bauern-Proteste in Frankreich
Fleisch sei ihr Gemüse

Die Straßenblockaden der Viehzüchter machen die französische Regierung nervös – so nervös, dass Premier Valls entscheidet: Die Franzosen müssen mehr einheimisches Fleisch essen. Kann das den Preisverfall stoppen?
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ParisAussitzen ist keine Option mehr: Frankreichs Regierung ist am Mittwoch den protestierenden Bauern entgegengekommen. Premier Manuel Valls sagte nach der Kabinettssitzung mit staatsmännischer Miene, was nun Pflicht ist: „Man muss mehr französisches Fleisch essen!“ Mit diesem patriotisch-kulinarischen Tagesbefehl liegt er nicht im Trend.

Denn die Franzosen essen seit Jahren immer weniger Fleisch. Es hat sich herum gesprochen, dass Karnivoren nicht unbedingt gesünder leben. Der Verbrauchsrückgang ist nach Ansicht mancher Experten der wichtigste Auslöser des Preisverfalls auf Ebene der Erzeuger, über den sich nun die Landwirte beschweren.

Seit Tagen blockieren französische Viehzüchter wichtige Verkehrsknotenpunkte und Teile des Autobahnnetzes. Am Mittwoch haben sich die Aktionen von der Normandie über die Bretagne bis in den Südwesten ausgeweitet. Die Bauern fahren mit schweren Traktoren auf und lassen überhaupt keine oder nur gezielt bestimmte Autos durchfahren.

Die französische Polizei, sonst nicht für große Geduld bekannt und schnell mit Reizgas bei der Hand, lässt sie gewähren: Die Regierung fürchtet angesichts der immer noch steigenden Arbeitslosigkeit seit Monaten, dass irgendein Protest die Initialzündung für einen sozialen Flächenbrand werden könnte. Sie will die Straßen zur beginnenden Hauptreisezeit wieder frei bekommen, ohne die Landwirte mit Gewalt zu vertreiben.

Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll wollte die Proteste eigentlich aussitzen. Er hat erst mal einen Expertenbericht in Auftrag gegeben, der das Rätsel der niedrigen Fleischpreise lösen soll. Wenn die Verbraucher nicht weniger, sondern eher mehr bezahlen für ihr Steak, die Bauern aber nicht genug erlösen, um ihre Investitionen zu finanzieren, wo bleibt dann das Geld?

Präsident Franҫois Hollande, stets in Sorge wegen drohender Proteste, machte seinem Minister Beine. Schon am Dienstag musste der zu den blockierenden Bauern nach Caen in der Normandie fahren und dort Buße tun: „Ich entschuldige mich dafür, dass ich so lange gebraucht habe, um zu Ihnen zu kommen.“

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Ist das deutsche Schwein schuld?

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  • Sorry, es geht noch weiter
    GENAUSO haben wir jedoch auch sozialistische Planwirtschaft etwa bei einer Mietpreisbremse und Mindestlohn.
    Für diese Aussage bekommen Sie nämlich überhaupt keine Zustimmung bei der Masse. - hier möchte sie auf einmal keine Freiheit, sondern den Staat, der es "lenkt und richtet".
    Dabei führt letztendlich eine Mietpreisbremse natürlich zu STEIGENDEN Mieten, weil es immer weniger depperte Vermieter geben wird, die noch vermieten, wenn sie Verluste einfahren.
    Und ein Mindestlohn führt zu mehr Arbeitslosigkeit, weil Arbeitgeber in erster Linie nämlich keine Ausbeuter sind, sondern darauf achten müssen, dass sie konkurrenzfähig sind. Sind sie es nicht mehr, dann scheiden sie früher oder später aus - und die zum vorgeschriebenen Mindestlohn Beschäftigten werden arbeitslos.
    Da es also am Verständnis einfacher ökonomischer TZusammenhänge bei der Masse fehlt, VERZICHTET sie auf Freiheit und wählt sogar freiwillig die sozialistische, staatsinterventionistische Gängelung.

  • Ihren Kommentar kann man ausschneiden und einrahmen.
    Es wäre auch wunderbar, wenn Freiheit das höchste Gut wäre. Wollen sie die Mehrzahl der Menschen aber auch TATSÄCHLICH?
    "Premie Valls entscheidet: Die Franzosen müssen mehr einheimisches Fleisch essen."
    >> Das ist de facto sozialistische Planwirtschaft und Staatsinterventionismus, der die FREIHEIT der Markltteilnehmer einschränken will.

  • "Ein Kleinbauer, der seine ganze Arbeit mit einem Knecht erledigen kann, erhält in Deutschland mehr als 60.000€ p.a. an Steuergeldern!"
    Gibt es dazu eine Quellenangabe?

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