Bauerstreiks und Inflation
Rutscht Argentinien wieder in die Dauerkrise?

Hohe Preise, Streiks der Bauern und eine konfuse Regierung haben das Vertrauen der Argentinier in die Zukunft auf den niedrigsten Stand seit 2003 gedrückt. Parallel dazu steigt die Nachfrage nach Dollar rasant an. Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner beschuldigt die Farmer, die Regierung destabilisieren zu wollen.

SÃO PAULO. Fünf Jahre waren sie verschwunden, nun sind sie wieder überall im Büroviertel der argentinischen Hauptstadt zu treffen: Die "Arbolitos", die "Bäumchen" genannten Geldwechsler. Sie stehen entlang der Fußgängerzone Florida und den Seitengassen, "Cambio, Dollar" zischend. Hohe Preise, Streiks der Bauern und eine konfuse Regierung haben das Vertrauen der Argentinier in die Zukunft auf den niedrigsten Stand seit 2003 gedrückt - die Nachfrage nach Dollar steigt rasant.

Seit zwei Monate demonstrieren die Farmer gegen die hohen Exportsteuern auf Agrarexporte. Mitte der Woche nahmen die Bauernverbände ihren Streik zum dritten Mal wieder auf. Die Bauern wollen bis Montag alle Exporte von Getreide und Hülsenfrüchten verhindern und keine Rinder an die Schlachthöfe liefern.

Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner reagiert höchst ungeschickt auf die Proteste der Farmer und der sich teilweise solidarisierenden Mittelschicht. Zunächst hatte die Regierung die Demos als "Proteste derjenigen, die zu viel haben" unterschätzt, doch allein am letzten Wochenende kamen fast 300 000 Menschen zu einer Bauerndemo in der Hafenstadt Rosário zusammen. Nach jüngsten Meinungsumfragen hat Frau Kirchner massiv an Popularität eingebüßt. Inzwischen schätzen mehr Argentinier ihre Präsidentin negativ (34 Prozent) als positiv (26 Prozent) ein.

Außerdem scheint die Präsidentin die Regierung zu einem Familiengeschäft machen zu wollen. Ihr Gatte und Vorgänger im Amt des Präsidenten, Nestor Kirchner, war Mitte Mai zum Chef der regierenden Peronistischen Partei gewählt worden. Bereits sei dem Rücktritt des Wirtschaftsministers zu Beginn der Bauernstreiks vor zwei Monaten führt Nestor Kirchner de facto auch die Wirtschaftspolitik des Landes.

Seite 1:

Rutscht Argentinien wieder in die Dauerkrise?

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%