Bayrou wird wohl zum Zünglein an der Waage
Sarkozystan oder Ségo-Land

Jetzt heißt es also „Sarko“ gegen „Ségo“, rechts gegen links. Der rechtsbürgerliche Exinnenminister Nicolas Sarkozy und die Sozialistin Ségolène Royal stehen am 6. Mai in der Stichwahl um die französische Präsidentschaft. Es wird zu einer echten Richtungswahl. Das Zünglein an der Waage könnte jemand spielen, der sich trotz seines Scheiterns auch zu den Siegern des Abends zählen darf.

HB PARIS. Sarkozy erreichte am Sonntag in der ersten Wahlrunde mit rund 30 Prozent ein Traumergebnis. Aber Royal, die manche wegen schwacher Umfragewerte schon abgeschrieben hatten, landete mit etwa 26 Prozent mehr als einen Etappensieg: Die 53-jährige Exfamilienministerin ist damit die erste Frau, die den Sprung in die zweite Runde einer Präsidentschaftswahl geschafft hat und hat nun echte Chancen, als erste Frau das höchste Staatsamt zu erobern.

Wegen seines deutlichen Erstrundensieges geht UMP-Chef Sarkozy als Favorit in das Duell um die Nachfolge Jacque Chiracs. Entscheidend dürfte sein, wem die Wähler des Zentrumspolitikers François Bayrou in zwei Wochen ihre Stimme geben. Der UDF-Vorsitzende erzielte immerhin gut 18 Prozent und könnte das Zünglein an der Waage werden.

Für Sarkozy hat sich ausgezahlt, dass er vor der ersten Runde stark um die Wähler des Rechtsextremisten Jean-Marie Le Pen geworben hatte. Der Chef der Nationalen Front kam nur auf etwa elf Prozent, Sarkozy erreichte dagegen das beste Ergebnis für einen Kandidaten der bürgerlichen Rechten seit 1974.

Royal profitierte davon, im Wahlkampf ihre Unabhängigkeit von ihrer Partei PS gezeigt zu haben. Sie erreichte rund zehn Prozentpunkte mehr als der Sozialist Lionel Jospin 2002. Ein neues Erstrundenaus nach dem „Trauma vom 21. April“, als Jospin an Le Pen gescheitert war, hätte die PS nicht ohne Selbstzerfleischungstendenzen verkraftet. Jetzt wird sie wie ein Mann hinter Royal stehen.

Im bisherigen Wahlkampf standen zwar die Personen im Mittelpunkt: Die ruhige Royal, die sich als verständnisvoll und mütterlich gibt. Der temperamentvolle Sarkozy, der vor Tatendrang strotz, wegen seiner Wutausbrüche und polarisierenden Äußerungen aber viele Menschen einschüchtert. Trotz der Personalisierung ist klar, worum es in der Stichwahl in zwei Wochen geht: Um den Platz, den Frankreich in der Welt einnehmen soll. Das Land ist verunsichert, worauf die Sozialistin und der UMP-Chef mit zwei gegensätzlichen Entwürfen reagieren.

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