Beata Szydlo
„Kaczynskis Mädchen“ regiert in Polen

Die Nationalkonservativen sind in Polen wieder an der Macht. Zu verdanken hat das die Partei Regierungschefin Beata Szydlo. Lange galt sie als „Kaczynskis Mädchen“. Nun hat sie im Nachbarland Deutschlands das Sagen.

WarschauIhr Wahlspruch „damy rady“ (in etwa: Wir schaffen das) erinnert an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Auch der Aufstieg von Beata Szydlo in der nationalkonservativen polnischen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) erinnert teilweise an die ersten Jahre der CDU-Chefin: Als „Mädchen“ unterschätzt und plötzlich ganz oben. Nun wird Szydlo wohl Regierungschefin. „Niemand wird als Premier geboren“, sagte sie über die künftige Rolle. „Aber ich glaube, dass wir das meistern.“

Die Tochter eines Bergarbeiters hat das Ethos harter Arbeit verinnerlicht. Kumpelhaft zeigt sich die brünette 52-Jährige mit dem burschikosen Kurzhaarschnitt im Kreis der Parteikollegen ihrer nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), in der sie eine der Vize-Vorsitzenden ist. Die studierte Kulturmanagerin ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

Als Kind habe sie lieber mit den Jungs Fußball gespielt, statt mit anderen Mädchen Zeit zu verbringen, verriet sie in einem Interview. Dem Parteivolk stellte sie sich als Spitzenkandidatin in James-Bond-Manier vor: „Mein Name ist Szydlo – Beata Szydlo. Ich habe meine eigene Meinung.“ Und auch bei Auftritten im Wahlkampf zog Szydlo vorzugsweise Hosen an, im Gegensatz zu der meist Rock tragenden bisherigen Regierungschefin Ewa Kopacz.

Mit Kopaczs liberalkonservativer Bürgerplattform soll auch Szydlo Medienberichten zufolge einst geliebäugelt haben, als sie aus der Kommunalpolitik und als Kleinstadtbürgermeisterin im südpolnischen Brzeszcz in die große Parteipolitik strebte. Mit ihren gemäßigt-konservativen Ansichten hätte sie durchaus auch dort eine politische Heimat finden können. Doch sie entschied sich für PiS, bei der sie eine Chance für die Parlamentskandidatur erhielt. Unter den PiS-Abgeordneten galt sie als ruhige, fleißige Kollegin aus der zweiten Reihe, der viele lange keine größere Aufmerksamkeit schenkten – bis sie plötzlich „die Kandidatin“ war.

Das freundliche, sachliche Gesicht der PiS verkörperte Szydlo auch im Wahlkampf – im Gegensatz zu dem häufig polarisierenden PiS-Parteichef Jaroslaw Kaczynski. Politische Gegner spekulierten, Szydlo werde als Marionette ins Rennen um die politische Macht in Polen geschickt. Die Fäden halte weiterhin der mächtige Parteigründer Kaczynski in der Hand.

Bevor sich Szydlo bei den Parlamentswahlen am Sonntag behauptete, hat sie als Wahlkampfstrategin bereits brilliert: Sie war bei den Präsidentenwahlen im Mai die Wahlkampfmanagerin von Andrzej Duda. Seinen Sieg hat er zu einem großen Teil ihr zu verdanken. Das war der Schlüsselmoment ihrer politischen Karriere. 

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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