Bedingung für Hilfsgelder: Troika verlangt Entlassungslisten von Griechenland

Bedingung für Hilfsgelder
Troika verlangt Entlassungslisten von Griechenland

2.000 Jobs will Griechenland im öffentlichen Dienst streichen. Doch die Troika will mehr sehen als Zahlen: Einem Medienbericht zufolge soll weiteres Geld erst dann fließen, wenn der Staat Namenslisten herausgibt.
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Die internationalen Gläubiger Griechenlands sind nach einem Medienbericht nur dann zu neuen Finanzhilfen für das Krisenland bereit, wenn Athen Entlassungen im öffentlichen Dienst mit Namenslisten belegt. „Die Troika erwartet, dass bis Ende des Jahres 2.000 Angestellte des öffentlichen Dienstes entlassen werden. Und sie geben sich nicht länger mit Zahlen zufrieden. Sie wollen „Namen und Vornamen“, sagte ein mit den Verhandlungen vertrauter Regierungsmitarbeiter „Spiegel Online“. Ein Gewerkschaftsvertreter habe bestätigt, dass die Forderung nach einer Namensliste im Raum stehe.

Das griechische Parlament hatte am Mittwochabend Einsparungen in Höhe von 18,5 Milliarden Euro bis zum Jahr 2016 gebilligt. Die neuen Maßnahmen sehen neben Massenentlassungen und Steuererhöhungen vor allem weitere Kürzungen bei Renten und Gehältern, im Gesundheits- und Sozialwesen sowie Streichungen beim Kinder- und Weihnachtsgeld vor.

Das Paket ist Voraussetzung für die Auszahlung der nächsten Hilfstranche der Gläubiger-Troika aus Europäischer Union, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds. Die Rate beläuft sich auf 31,7 Milliarden Euro. Ohne das Geld würde Athen vor der Pleite stehen.

Ursprünglich sollte der Schuldenstand bis zum Jahr 2020 auf 120 Prozent der griechischen Wirtschaftskraft gedrückt werden. Nach Berechnungen der EU-Kommission steigt der Schuldenstand aber zunächst von 176,7 Prozent in diesem Jahr auf 188,9 Prozent im Jahr 2014. Für den IWF und mehrere Mitgliedsstaaten ist die Aussicht auf einen für Griechenland tragfähigen Schuldenstand aber die Voraussetzung für weitere Hilfen. Eine weitere Bedingung ist, dass das Parlament in Athen am Sonntagabend einen Sparhaushalt für das kommende Jahr beschließt.

Die Eurogruppe kommt am Montag in Brüssel zusammen, um über die Lage Griechenlands und die weitere internationale Unterstützung für den Krisenstaat zu beraten. Bei dem Treffen soll nach Angaben von Diplomaten schließlich der seit Monaten verzögerte Troika-Bericht vorliegen. Eine Entscheidung über die Freigabe der dringend von Athen benötigten Hilfstranche ist den Angaben zufolge am Montag jedoch noch nicht zu erwarten.

 

Kommentare zu " Bedingung für Hilfsgelder: Troika verlangt Entlassungslisten von Griechenland"

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  • die "Entlassenen" wechseln dann einfach den Namen. Und jeder 2. heisst Papaxxxxxlos. Und dann werden die Listen von dem anerkannt korrekten griechischen Statistikamt erstellt. Das ganze ist eine Farce, einem DritteWeltland angemessen.

  • Es wird ja immer behauptet, das die USA sich alle Förderrechte an den großen Gasvorkommen auf griechischem Gebiet gesichert hätten. Das stimmt so nicht. Die griechische Regierung hat Geheimverhandlungen mit den USA geführt, entschieden ist noch nichts. Griechenland wird diese Abkommen erst dann unterzeichnen, wenn Deutschland und die EU finanziell abgegrast sind. Desweiteren wird der nächste große Schuldenschnitt abgewartet. Frau Merkel, Herr Schäuble, blicken Sie sich im eigenen Land einmal um. Hier breitet sich die Armut aus und die griechische Hochfinanz (wie auch jene in Irland, Zypern, Spanien, Italien usw.) lacht sich ins Fäustchen.

  • So zeigt man doch echte Solidarität in dieser ''EU''
    nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern hilft auch
    mal schnell mit 2.000 Bediensteten aus Griechenland
    in Brüssel aus um das zu erhöhende Finanzbudget mit
    einer Personalaufstockung zu rechtfertigen und durch-
    zusetzen!

  • "Auch den Staatsbediensteten werden die jeweils verbliebenen 400 Euro vom Weihnachtsgeld sowie vom Urlaubsgeld gestrichen. Viele Löhne und Gehälter sollen um sechs bis 20 Prozent verringert werden. Bis Ende 2012 sollen 2000 Staatsbedienstete in die Frühpensionierung gehen oder entlassen werden. Bis zum Eintritt des Rentenalters erhalten sie dann 60 Prozent ihres letzten Gehalts."

    Mitte des Jahres lautete die Forderung noch: 15.000 Beamte sollen bis Ende des Jahres „abgebaut“ werden, und bis Ende2014 150.000 Beamte. Jetzt sind es „nur“ noch 2.000?
    Und die werden nicht entlassen sondern „Frühpensioniert"!

  • @ bye_bye

    Gesetzt den Fall. Allerdings bezweifele ich das Absolute ihrer Behauptung. Wie dem auch sei: Ohne Sicherheiten kein Kredit.

  • @Inkasso
    Es gibt keine Ölvorkommen auf griechischem Hoheitsgebiet, die nicht in amerikanischer Hand wären.

  • Ist es abwegig zu fordern: Griechische Oelvorkommen ala Sicherheit für weitere Darlehen zu hinterlegen?

    Jede Bank verlangt Sicherheiten bei Kreditvergabe an zweifelhafte Schuldner. Warum sollte das hier anders sein. Zumal Versprechen auf griechischer Seite nicht das Papier wert sind auf das sie gedruckt sind.

    Sehe den gewaltigen Oelvorkommen Deutschlands in der Aegaeis freudig entgegen.Jedenfalls mehr Wert als obengenanntes Papier.

  • @Geronimo
    Es gibt Steuersünder-CDs, auf denen schwerreiche Griechen erfasst sind. Wir reden hier nicht nur von Konten in der Schweiz, sondern auch von Konten in Deutschland, Österreich, USA sowie in den Steueroasen Irland, Zypern, Caymans etc. Es wäre ein Leichtes, diese Vermögenswerte einzufrieren. Die Frage muß lauten: warum weigern sich die jeweiligen Regierungen, diese Schritte einzuleiten?

  • Wann kommt endlich eine Steuersünder CD von Griechenland auf den Markt?

  • 2000 Beamte, selbst wenn die (dauerhaft) entlassen werden, das sind roundabout 160 Mio Euro Einsparung, da gehen nochmal 60Mio Abfindung im ersten Jahr runter, sind wir bei 100 Mio.. Da sieht die griechische Schuldensituation (>300Mrd) natürlich ganz anders aus. Wem will man hier Sand in die Augen streuen? Will man den Michel verar..en? Ja, man will! Und man kann! Das deutsche Volk ist angesichts seiner kollektiven Dummheit und Selbstachtungsfreiheit eine Verhöhnung der Evolution.

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