Bedingungen für Hilfe
Abu Dhabi nimmt Dubai an die Kandare

Es ist Nachbarschaftshilfe im großen Stil: Das arabische Emirat Abu Dhabi will Dubai in der aktuellen Schuldenkrise beistehen. Auf einen Blankoscheck darf das bisherige Synonym für Reichtum und Luxus dabei allerdings nicht hoffen. Experten rechnen damit, dass Abu Dhabi den Nachbar an der kurzen Leine hält – schmerzhafte Einschnitte inklusive.
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DUBAI. Nach der dramatischen Verschärfung der Schuldenkrise Dubais rechnen Experten mit einer verstärkten Kontrolle durch das ölreiche Nachbar-Emirat Abu Dhabi. „Abu Dhabi wird versuchen, Dubai an die kürzere Leine zu nehmen“, sagte ein Bankchef am Persischen Golf dem Handelsblatt. Abu Dhabi und Dubai sind die größten der insgesamt sieben Vereinigten Arabischen Emirate. „Die erste Priorität des Herrschers von Abu Dhabi, Scheich Khalifa, wird sein, die negativen Auswirkungen von Dubai einzudämmen“, betonte Tristan Cooper von der Ratingagentur Moody's. „Allerdings wird er zur Bedingung erheben, dass Dubai seine lockere Ausgaben-Politik herunterfährt.“

Nach Einschätzung des UBS-Analysten Saud Masud wird Abu Dhabi eine weitere Finanzspritze locker machen, falls sich Dubai von unrentablen Betrieben in seinen Staats-Konglomeraten trennt. Im Klartext: Abu Dhabi werde nicht mehr in die Tasche greifen, um Dubai einen Blankoscheck zu verpassen. Das Geld fließe nur, wenn das Emirat sein Haus in Ordnung bringe und seine Schuldenlast durch den Verkauf von Assets zumindest zurückfahre, heißt es. Nach einem gestern veröffentlichten Bericht der Deutschen Bank sitzt Dubai auf Verbindlichkeiten von insgesamt 75,3 Milliarden Dollar. Im Februar hatte die Zentralbank des Landes noch einen nicht zweckgebundenen Dubai-Bond über zehn Milliarden Dollar gekauft. Am vergangenen Mittwoch zeichneten zwei staatlich kontrollierte Banken aus Abu Dhabi eine weitere Anleihe in Höhe von insgesamt fünf Milliarden Dollar.

Dubai versucht nun, einen Teil des Konsolidierungsdrucks auf seine internationalen Gläubiger abzuwälzen. Der Generaldirektor des Finanzministeriums von Dubai, Abdulrahman Al Saleh, sagte, die Regierung habe die Außenstände von Dubai World nicht garantiert. „Ein Teil der Verantwortung sollte nun von den Kreditgebern getragen werden“, so Al Saleh.

An einem drastischen Sanierungskurs dürfte Dubai allerdings nicht vorbeikommen. Finanzkreise am Persischen Golf rechnen damit, dass die Regierung von Dubai kränkelnde Staatsfirmen wie die Investment-Gesellschaft Istithmar dichtmacht. „Dubai hat bereits zwei Investment-Unternehmen, ein drittes ist völlig überflüssig“, sagte ein Spitzenbanker. Istithmar ist eine Tochter des mit 59 Milliarden Dollar in der Kreide stehenden Staats-Konzerns Dubai World. Die Firma hat in den vergangenen Jahren ein bunt zusammengewürfeltes Portfolio erworben, das von der kanadischen Akrobatentruppe Cirque du Soleil bis zu Mega-Immobilien-Projekten in Las Vegas reicht. „Das Problem ist, dass Istithmar viele Assets in den Boom-Jahren 2006 und 2007 zu überhöhten Preisen eingekauft hat und der Wert dieser Objekte drastisch gefallen ist“, unterstrich ein Unternehmensberater.

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