Bedingungsloses Grundeinkommen
Schweizer stimmen gegen staatliches Taschengeld

2.500 Franken pro Monat – einfach so? Dieser Traum ist in der Schweiz soeben geplatzt. Die Bürger haben offenbar erkannt, dass das Projekt eine Mogelpackung ist. Warum die Idee nur auf den ersten Blick Charme hatte.

ZürichDie Schweizer haben die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens abgelehnt. 78 Prozent der Wähler sprachen sich einer Hochrechnung zufolge am Sonntag dagegen aus, dass jeder Erwachsene monatlich 2500 Franken (rund 2260 Euro) erhält - unabhängig davon, ob er arbeitet oder nicht. Mit dem Geld wollte eine Gruppe von Unternehmern, Akademikern und ehemaligen Politikern der Schweizer Bevölkerung „ein menschenwürdiges Dasein“ und „die Teilnahme am öffentlichen Leben“ ermöglichen.

Hintergrund ist auch die Sorge, dass angesichts der fortschreitenden Automatisierung vieler Arbeitsbereiche mittelfristig zahlreiche Stellen verschwinden könnten. Die Regierung warnte dagegen vor Kosten von 208 Milliarden Franken jährlich. Mit Ausnahme der Grünen lehnten alle großen Parteien den Vorstoß ab.

Dabei hat die Idee auf den ersten Blick unglaublich viel Charme versprüht: Jeder Mensch sollte ein Einkommen erhalten, ohne Vorbedingung. Ob arm, reich, arbeitslos oder Topmanager. Auf Lebenszeit. Die sogenannte Durchsetzungsinitiative hatte Daniel Häni gestartet und damit den Anstoß zu der Abstimmung gegeben. Seine Argumente: Dadurch seien Menschen nicht mehr von ihren Jobs abhängig. Sie könnten sich frei entfalten, entweder Alte pflegen oder spontan verreisen. Kreativität würde gefördert werden. Häni nennt sein Projekt eine „Durchsetzungsinitiative des gesunden Menschenverstands“.

Nach dem Referendum sprach er dennoch von einem „sensationellen Erfolg“. 22 Prozent Zustimmung sei „deutlich mehr, als wir erwartet hatten“, so Häni. „Das bedeutet, die Debatte geht weiter, auch international.“

Die Idee dahinter führt zu einen Gedanken, der schon vor mehr als 200 Jahren diskutiert worden ist. Irgendwann wird man nicht mehr arbeiten müssen, um Geld zu verdienen. Ein Phänomen, das schon jetzt um sich greift: In der Industrie übernehmen immer häufiger Roboter die Aufgaben von Produktionsmitarbeitern.

Eine Studie des Weltwirtschaftsforums legt nahe, dass Maschinen schon in den nächsten Jahren weltweit mehr als fünf Millionen Arbeitsplätze übernehmen könnten. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung schätzt, dass in Deutschland etwa jeder neunte Job durch Roboter gefährdet sei. Selbst Ärzte delegieren immer häufiger Dienstleistungen an Maschinen oder bieten Sprechstunden ganz ohne Assistenten online an. Die Post könnte schon bald eine Drohne ins Haus bringen. Und wer bucht seine Reisen heute noch in einem Reisebüro?

Das Grundeinkommen könne diese Entwicklung abfedern, so das Argument der Befürworter. Es gehe, so der Initiator Häni, um die eigene Selbstbestimmung und weniger um das Geld an sich. Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Dalia Research sind denn auch 64 Prozent der Europäer für ein solches Grundeinkommen.

Unter den Befürwortern sind nicht nur Linke und finanziell Ausgegrenzte. Sondern auch Manager wie Telekom-Vorstandsvorsitzender Timotheus Höttges oder der Chef der Drogeriekette DM, Götz Werner. Auch Wirtschaftsprofessoren können sich mit der Idee anfreunden.

Was also sollte dagegen sprechen? Vieles. Der Plan ist nicht zu Ende gedacht, sondern eine Mogelpackung und Bauernfängerei. Dieser Meinung sind offenbar auch die meisten Schweizer. Schon im Vorfeld hatten Umfragen ein Scheitern der „Durchsetzungsinitiative des gesunden Menschenverstands“ vorhergesagt. Hier sind die Gründe dafür:

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