Bedrohung
Putin ignoriert Anschlagswarnung

Der russische Präsident Wladimir Putin wird seine Reise in den Iran wie geplant antreten. Würde er solchen Bedrohungen immer Aufmerksamkeit schenken, könnte er sein Haus überhaupt nicht mehr verlassen, sagte Putin. Außerdem hat er sich für die Reise viel vorgenommen.

HB WIESBADEN. Trotz einer Anschlagswarnung reist der russische Präsident Wladimir Putin am Montag zu Gesprächen über das Atomprogramm Teherans in den Iran. Natürlich werde er fahren, sagte Putin auf einer Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Wiesbaden. „Wenn ich immer auf die verschiedenen Drohungen und die Ratschläge der Nachrichtendienste hören würde, würde ich nie von zu Hause weggehen“, fügte er hinzu. Merkel drohte Teheran im Atomstreit erneut mit einer Verschärfung der Sanktionen.

Am Sonntag hieß es in russischen Sicherheitskreisen, im Iran seien Selbstmordattentäter für die Durchführung eines Anschlags ausgebildet worden. Putins Sprecher Dimitri Peskow hatte daraufhin am Montag die mit Spannung erwartete Reise des Staatschefs in Frage gestellt. Der Iran hatte einen Anschlagsplan dementiert. Die amtliche Nachrichtenagentur IRNA bezeichnete die Berichte als Teil einer psychologischen Kriegsführung westlicher Geheimdienste, die eine Absage des Besuchs zum Ziel hätten.

Putin erklärte, er werde im Iran auch über das Atomprogramm des Landes reden. Erneut sprach er sich gegen eine härtere Linie der internationalen Staatengemeinschaft aus. Er verwies auf die positive Entwicklung im Streit über das Atomprogramm Nordkoreas, wo mit Geduld nach Lösungen gesucht worden sei. Das gleiche solle auf den Iran angewandt werden. Drohungen würden dagegen nichts bringen.

Die Iran-Reise Putins war bereits mehrfach verschoben worden. Der Präsident unterstrich in Wiesbaden, sie sei nun seit längerem geplant und führe ihn auch zur Konferenz der Anrainer des Kaspischen Meeres. Der letzte Besuch eines Kreml-Führers im Iran fand 1943 statt, damals nahm Josef Stalin an einem Gipfeltreffen mit dem britischen Premierminister Winston Churchill und US-Präsident Franklin D. Roosevelt über das weitere Vorgehen im Zweiten Weltkrieg teil.

Merkel drohte dem Iran mit weiteren Sanktionen für den Fall, dass die Regierung im Atomstreit nicht einlenkt. Die Forderungen der internationalen Gemeinschaft müssten erfüllt werden, sonst werde es „zu einer Runde neuer Sanktionen“ kommen, sagte sie. „Aber die Chance ist da, in Gesprächen Fortschritte zu erzielen“, fügte die Kanzlerin hinzu.

Moskau hat den Iran im Atomstreit insofern unterstützt, als es stets erklärte, es gebe keine objektiven Beweise für die amerikanische Annahme, dass Teheran Nuklearwaffen bauen wolle. Andererseits hat Moskau seine eigenen Probleme mit der islamischen Republik. So hat sich der Bau des Atomkraftwerks Buschehr, für das Russland Technologie und Brennstäbe liefern soll, mehrfach verzögert. Russland macht geltend, der Iran sei seinen Zahlungsverpflichtungen aus dem Eine-Milliarde-Dollar-Projekt nicht nachgekommen. Die Regierung in Teheran hat dies stets zurückgewiesen und Russland vorgeworfen, sich mit dem vorläufigen Lieferstopp für Brennstäbe dem Druck des Westens gebeugt zu haben.

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