Befreiung Libyens
Die Stunde Null kommt später

Der Festakt zur Befreiung Libyens wurde aus unersichtlichen Gründen von heute auf Sonntag verschoben. Indessen hat die Nato angekündigt, sie wolle ihre Einsätze in Nordafrika beenden.
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Tripolis/Kairo/BrüsselDie feierliche Zeremonie zur Befreiung Libyens nach dem Tod von Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi wird verschoben. Statt am Samstag wird nun Übergangsrat-Vorsitzender Mustafa Abdul al-Dschalil die Befreiung seines Landes erst am Sonntag verkünden, teilte Informationsminister Mahmud Schamman dem Sender Al-Dschasira in der Nacht zum Samstag mit. „Es wird eine öffentliche Erklärung geben, vom Übergangsrats-Vorsitzenden Mustafa Abdul al-Dschalil, auf dem Hauptplatz in Bengasi“, sagte er. Als wahrscheinlichen Zeitpunkt nannte er den Sonntagnachmittag gegen 15.00 Uhr (MESZ). Ein Grund für die Verschiebung wurde nicht genannt.

Nach der Feier soll binnen 30 Tagen eine provisorische Regierung gebildet werden. Diese Übergangsregierung wird dann eine verfassungsgebende Versammlung einberufen und freie, demokratische Wahlen vorbereiten. Der Nationalrat wird außerdem seinen Sitz von Bengasi, wo vor acht Monaten der Volksaufstand gegen Gaddafi begann, in die Hauptstadt Tripolis verlegen.

Nach dem blutigen Ende Gaddafis hat die Nato am Freitagabend das Ende ihres sieben Monate langen Militäreinsatzes in Libyen zum 31. Oktober beschlossen. Diese Entscheidung sei vorläufig, endgültig solle Anfang der kommenden Woche entschieden werden, sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Abend nach einer Sondersitzung des Nato-Rates in Brüssel. Ungeachtet dessen versucht Moskau, der Nato mit einem neuen Vorstoß im Sicherheitsrat die Flugerlaubnis über Libyen zu entziehen. Moskau hatte im März mit einer Enthaltung die Resolution zugelassen, die der Nato die Lufteinsätze ermöglichten.

Die Nato bestätigte inzwischen, dass Flugzeuge am Donnerstag jenen Konvoi bombardiert hatten, mit dem Gaddafi aus der Stadt Sirte fliehen wollte. Die Nato habe jedoch nicht gewusst, dass sich Gaddafi in einem der Fahrzeuge befand. Etwa elf von insgesamt etwa 75 militärischen Fahrzeugen seien zerstört worden, weil sie mit Waffen und Munition beladen gewesen seien.

Um die genauen Todesumstände Gaddafis rankten sich weiterhin unterschiedliche Darstellungen. Offizielle Stellen in Tripolis behaupten, der verletzte Gaddafi sei auf der Fahrt nach Misrata im Krankenwagen ins Kreuzfeuer neuer Kämpfe geraten und dabei tödlich verletzt worden. Nach Einschätzung eines Arztes starb der Ex-Diktator am Donnerstag durch „Schüsse aus nächster Nähe in Kopf und Bauch“. Dies könnte auf eine absichtliche Erschießung hindeuten, berichtete der arabische Fernsehsender Al-Arabija.

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  • Libyen erklärt sich für befreit
    Befreit von was ?
    Und was viel wichtiger ist, was kommt jetzt ?
    Ein fundamental Islamisiertes Nordafrika ? Wenn es so kommen sollte war Mubarak und Gaddafi doch nicht die schlechteste Wahl !

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