Experten bringen Euro-Austritt Italiens ins Spiel

Bei Abweichen von Reformkurs
Experten bringen Euro-Austritt Italiens ins Spiel

Die unsichere politische Lage in Rom gefährdet den von Monti eingeschlagenen Reformkurs. Weicht das Land nun davon ab, wird in Deutschland auch ein Austritt Italiens aus der Euro-Zone für möglich gehalten.
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BerlinZwei Tage nach Abschluss der Parlamentswahlen in Italien steht Rom vor einer schwierigen Frage: Wien lässt sich bei dieser Sitzverteilung in Abgeordnetenhaus und Senat eine stabile Regierung bilden? Das hoch verschuldete Euro-Land steht wegen der unklaren Mehrheitsverhältnisse vor einer wochenlangen Hängepartie mit unabsehbaren Folgen für die Gemeinschaftswährung. Während Experten vor einem Wiederaufflammen der Euro-Staatsschuldenkrise warnen, versucht Staatspräsident Giorgio Napolitano, die Sorgen der internationalen Gemeinschaft zu zerstreuen.

Er sei guter Dinge und der Ansicht, die italienischen Wähler hätten eine souveräne Entscheidung getroffen. „Es sind manchmal kalte Zeiten, und für den Präsidenten eines südlichen Landes wird auch das zu meistern sein“, sagte Napolitano am Dienstagabend in München zum Auftakt eines mehrtägigen Staatsbesuchs in Deutschland. Er sei überzeugt, dass die Regierungsbildung im Interesse des Gemeinwohls gelingen werde.

Wenn Napolitano mit Gemeinwohl auch meint, dass der Kurs der Reformen fortgesetzt wird, dann wäre das schon viel wert. Nur machen die politischen Akteure derzeit nicht den Eindruck, dass sie bereit wären, bei den Reformanstrengungen keine Abstriche zu machen. In Deutschland wird die Gemengelage besonders aufmerksam verfolgt – und auch schon offen über mögliche Konsequenzen nachgedacht, sollte Rom sich nicht an internationale Verabredungen halten.

„Keinesfalls darf der Druck von außen auf die italienische Regierung und Gesellschaft verringert werden, sondern es gilt, ihn eher zu erhöhen mit dem Ziel, die dringend erforderlichen Reformen umzusetzen“, schreibt Anton Börner, Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. „Sollte das Land seine Zerrissenheit nicht überwinden und diese Reformansätze nicht gelingen, so wird dies mittelfristig irreparable Folgen für den Euro haben.“

Börner hält es dann auch für möglich, dass das Land den gemeinsamen Währungsraum verlässt. „Dann müssen wir uns Gedanken machen, wie wir vielleicht mit einer modifizierten Eurozone umgehen müssen“, schreibt er. Denn es nutze ja nichts, „als überzeugter Europäer und Befürworter der Gemeinschaftswährung den Tatsachen nicht ins Auge zu sehen und an das Gesundbeten zu glauben“.

Auch der Finanzexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Frank Schäffler, plädiert für einen Austritt Italiens aus der Euro-Zone für den Fall, dass das Land nicht bereit ist, seinen Reformkurs fortzusetzen. „Will der Euro überleben, muss er zu einer atmenden Währung werden. Mitglieder, die es ökonomisch nicht schaffen oder es nicht wollen, müssen aus dem Währungsclub austreten können“, sagte Schäffler Handelsblatt Online. „Als ultima ratio muss es auch möglich sein, Sünder auszuschließen, wenn sie dauerhaft die Solidarität aller missbrauchen.“

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Kommentare zu "Experten bringen Euro-Austritt Italiens ins Spiel"

Alle Kommentare
  • @Politikverdrossen
    Eben. Scheitert Zypern, scheitert Europa. Basta!

  • Entwciklung der Besteuerung nach Einkommen in den letzten 10 Jahren:
    1) Oberschicht -11%
    2) Mittelschicht +13%
    3) Unterschicht -51%

    WER zahlt also mehr bzw weniger ?!?

  • Italien kann nur gewinnen, wenn es das Euro-Abenteuer hinter sich lässt.
    Der Euro ist aufgrund seiner Anbindung an die einzig auf Werterhalt gerichteten Interessen von Beamten, Freiberuflern und anderen Rentenbeziehern ein regelrechter Selbstzerstörungsmechanismus. Er stranguliert den Binnenmarkt, weil er der unteren Hälfte der Bevölkerung permanent Einkommen entzieht.
    Nur Deutschland kann es sich leisten, den Einkommenszuwachs der mittleren und höheren Schichten über Jahrzehnte durch Abwertung der Einkommen der unteren Schichten, insbesondere durch sinkende Löhne, permanent steigende Sozialabgaben und durch Leistungskürzungen, zu finanzieren, weil die deutschen Unterschichten nicht protestieren. Diese Politik führt aber zu einer Amputation des Binnenmarktes und damit zum Verlust jeder binnenwirtschaftlichen Dynamik. Wachstum kann dann nur noch durch den Export kommen (vgl. wie alles so kam und warum und was noch kommt).

  • Richtig. Getroffen. Die politischen Debatten unterscheiden sich nicht von unterdurchschnittlichen Stammtischdebatten.

  • Was hier in inzwischen in der halben EU passiert ist IWF Strategie. Zu viele Kredite vergeben. Danach den Geldhahn zudrehen -> Fur eine Depression sorgen und damit für Proteste sorgen um Investoren abzuschrecken und dann alles für ein par Papierschnipsel aufzukaufen. -> Das ist dann die Privatisierung also den Ausverkauf des Vermögens einer Nation.

    Dies alles passiert auf Basis des verzinsten Schuldgeldsystems. Was nichts anderes heißt als das Geld aus dem nichts zu erzeugen, dafür Zinsen zu verlangen und reale Sicherheiten im Falle eines Ausfalls des Kreditnehmers einzukassieren. Das perfekte Verbrechen, weil jeder glaubt es wäre rechtens.

    Egal ob Geberstaaten oder Nehmerstaaten. Beide werden ausgesaugt um reale Vermögen für fiktive Schulden und Zinsen herzugeben. Die Politik ist dabei nur Handlanger und keineswegs selbstbestimmt. Politik ist der eintreiber der Zinsen welche auf das SChuldgeld entfallen. Immer dort wo dieser Mechanismus in Gafahr ist wird irgendjemand als Clown oder schlimmeres bezeichnet und am Ende auf die eine oder andere Weise entfernt.

    Die EU und der Euro haben den Zweck Europa kaputt zu machen. Ein System für einen Kontinent vereinfacht den Raubzug. Erst wenn der oben beschriebene Sachverhalt auf breiter Ebene in den Köpfen angekommen ist kann man über ein freies Europa und eine freie Welt reden.

  • Googeln Sie doch bitte die ganz simple New York Times - Grafik "Europe`s Web of Dept" vom 02. Mai 2010, über die Schulden der 5 PIIGS bereits vor fast drei Jahren (als es begann).
    Achten Sie besoders auf den dicken fetten Pfeil der von den als Kreis dargestellten Schulden Italiens zum Gläubigerstaat Frankreich zielt (Neben Großbritanien und
    Deutschland). Sie ahnen vielleicht wie ich als kleiner Deutscher, was dieser simple Zusammenhang akuell für den
    Fortbestand des Gebildes EU und teuro bedeuten kann !?

  • @helgoo

    Und jetzt? sollen wir zuschauen, wie genau das passiert?
    Sprecht mit den Leuten, argumentiert, weckt auf! Und schaut in die außerparlamentarische Opposition, dort findet ihr demokratische Parteien, die eine neue Stimme und neue Meinungen in diesen destruktiven Bundestag zu bringen fähig sind!
    Noch ist Zeit!!!!!

  • Eine modifizierte Gemeinschaftswährung? Ehr eine modifizierte Gemeinschaft, auf Basis einer analogen Wirtschaftskraft. Das Problem ist aber dann, das die anderen Länder gewaltige Anstrengungen machen müssten um ihren Defizit aufzuholen. Ich denke, das aus einem zeitweiligem Austritt, ehr ein Daueraustritt wird.

    Man sollte immer bedenken, dass alle um den gleichen Kuchen kämpfen und der wächst nur, grob gesagt, mit der (Globalen) Kaufkraft.

  • Die ganze Diskussion ist völlig überflüssig. Merkel wird uns zahlen lassen, auf die eine oder andere Weise, um die "Friedenswährung" um jeden Preis zu halten. Entweder in Cash oder durch Überlassen der Notenpresse. Vielleicht auch beides. Das kann man schon jetzt absehen, weil Merkel bisher noch immer irgendwann das Gegenteil von dem getan hat, was sie vorher sagte.

  • danke für den Link.

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