Bei biologischen Waffen nie über «Forschungs- und Entwicklungsstadium» hinausgekommen
CIA: Libyen hatte bislang wenig Erfolg mit ABC-Waffenprogrammen

Washington und London feiern den ABC-Waffenverzicht Libyens als Erfolg. Die CIA geht aber davon aus, dass dem «Schurkenstaat» die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen bislang schlicht nicht gelungen ist.

HB BERLIN. Das von den USA als «Schurkenstaat» gebrandmarkte Libyen gibt die Produktion von ABC-Waffen möglicherweise auch aus Mangel an Forschungsfortschritten auf. Einem Bericht des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA vom November zufolge hat die nordafrikanische Volksrepublik von Revolutionsführer Muhammar al Gaddafi es bislang nicht geschafft, Massenvernichtungswaffen zu produzieren.

Zwanzig Jahre lang soll Libyen versucht haben, an atomare, chemische und biologische Waffen zu gelangen. Bereits vor zwei Jahren bescheinigte das Pentagon dem Land in einem ausführlichen Bericht wenig Erfolg. Den neuen CIA-Angaben zufolge war Libyen am erfolgreichsten bei der Produktion von Senfgas und Nervengiften.

Auf internationalen Druck hin wurde 1990 die Produktion in der Anlage von Rabta allerdings eingestellt. Der Bau einer zweiten, unterirdischen Fabrik in Tarhuna wurde nach ihrer Entdeckung 1996 gestoppt. Der CIA zufolge hat Tripolis die Pläne jedoch nie ganz aufgegeben.

Die libysche Führung räumte am Samstag ein, Chemikalien zur Produktion von Nervengas zu besitzen. Außenminister Abdel Rahman Schalkam sagte der Nachrichtenagentur Jana Tripoli, libysche Experten hätten Kollegen aus Großbritannien und den USA Substanzen und Geräte gezeigt, «die zur Produktion international verbotener Waffen führen könnten».

Bei den biologischen Waffen ist Libyen laut Pentagon nie über das «Forschungs- und Entwicklungsstadium» hinausgekommen. Auch die CIA bescheinigt, ohne Hilfe aus dem Ausland würden die Fortschritte weiterhin gering bleiben.

Libyen soll auch versucht haben, eigene Langstreckenraketen zu entwickeln. Eingekaufte Scud-Raketen sollen jedoch nur beschränkt einsatzfähig gewesen sein; vom Ziel eigener Raketen ist das Land nach wie vor weit entfernt. Die CIA fürchtete allerdings, Libyen könne versuchen, von Nordkorea oder Iran Mittelstreckenraketen zu beziehen.

Libyen verfügt zudem über einen alten Atom-Forschungsreaktor sowjetischer Bauart. Zwar muss das Land als Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrags regelmäßig internationale Kontrollen zulassen. Die CIA vermutete aber, Libyen könne trotzdem versuchen, die Anlage für militärische Zwecke zu nutzen. Dafür fehle allerdings das Know-How, so die Einschätzung des Geheimdienstes.

Nach Angaben eines US-Regierungssprechers vom Samstag räumte Tripolis in den neunmonatigen Geheimverhandlungen ein, versucht zu haben, Uran für den Einsatz in Atomwaffen anzureichern. Amerikanische und britische Experten hätten daraufhin im Oktober und im Dezember zehn Anlagen besucht, die Libyen für Atomversuche nutzten.

Der ägyptische Außenminister Ahmed Maher sagte, weitere Länder sollten dem Beispiel Tripolis' folgen. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, betonte, es dürfe keine Ausnahmen geben, die Israel den Besitz von Massenvernichtungswaffen erlaubten.

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