Bei Protesten gegen Janukowitsch
Oppositionsführer Klitschko gerät zwischen die Fronten

Nachdem der ukrainische Präsident Proteste verboten hatte, lieferten sich Demonstranten heftige Kämpfe mit der Polizei. Auch Klitschko soll angegriffen worden sein. Doch es gibt auch Kritik an dem Oppositionsführer.
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KiewNach Massenprotesten gegen die prorussische Führung ist es in der ukrainischen Hauptstadt Kiew zu Zusammenstößen zwischen Regierungsgegnern und der Polizei gekommen. Mehr als 70 Angehörige der Sicherheitskräfte seien verletzt worden, teilte das Innenministerium am Sonntag mit. Zunächst war von 20 Verletzten die Rede. Zahlreiche Milizionäre mussten in Krankenhäusern behandelt werden. Wütende Anhänger der proeuropäischen Opposition setzten mehrere Einsatzfahrzeuge und Spezialtechnik in Brand. Es gab mehrere Festnahmen.

Nach den heftigen Ausschreitungen sagte Präsident Viktor Janukowitsch die Einsetzung eines Vermittlungsausschusses zugesagt. Die Kommission solle Vertreter aus Regierung und Opposition umfassen, sagte der Oppositionsführer Vitali Klitschko nach einem Treffen mit Janukowitsch am Sonntagabend. Die Mitglieder des Vermittlungsausschusses sollten gemeinsam einen „Weg aus der aktuellen Krise“ finden, sagte Klitschko. Die Präsidentschaft bestätigte seine Angaben kurz darauf und erklärte, die Kommission werde am Montagmorgen unter Vorsitz des Sekretärs des Nationalen Sicherheitsrats, Andrej Kljujew, erstmals zusammenkommen.

Zuvor hatte es im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt nach dem Ende einer Großdemonstration mit rund 200.000 Teilnehmern gewaltsame Zusammenstöße gegeben. Hunderte mit Holzknüppeln ausgerüstete und mit Masken vermummte Oppositionelle hatten versucht, Absperrungen im Regierungsviertel zu durchbrechen, um das Parlamentsgebäude zu stürmen. Einige warfen Steine auf die Polizisten und zündeten Feuerwerkskörper. Die Sicherheitskräfte setzten Blendgranaten und am späten Abend auch einen Wasserwerfer ein – bei etwa minus acht Grad Celsius. Unbestätigten Augenzeugenberichten zufolge gab es nach dem Einsatz von Tränengas mehrere Verletzte. Ein Bus ging in Flammen auf.

Der Oppositionspolitiker und Ex-Boxweltmeister Klitschko wurde angegriffen, als er versuchte, die wütende Menge zu beruhigen. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie er mit einem Feuerlöscher besprüht wurde. Zahlreiche Demonstranten hatten kurz zuvor auf einer Massenkundgebung auf dem zentralen Unabhängigkeitsplatz ihren Unmut darüber gezeigt, dass die Opposition nach zwei Protestmonaten keine Fortschritte erzielt habe. Bis zu 100.000 Menschen hatten gegen demokratische Rückschritte in der Ex-Sowjetrepublik demonstriert.

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„Wir brauchen einen Anführer, der uns zum Sieg führt“

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  • Das ganze ist eine reine Inszenierung des Westens! Brüssel, besonders Deutschland haben eine großes Interesse an der Ukraine. Warum wohl? Aus reiner Menschenfreundlichkeit bestimmt nicht! Sondern wegen den Rohstoffen die in der Ukraine im Boden schlummern!!

    Kapitalismus bedeute Kriege und Armut.Es gibt nur wenige wahre Gewinner.

    http://kenfm.de/blog/2013/12/26/super-marionetten/

    Und der Kapitalismus wird sich wieder über eine große Krise retten. Blut fliesst ja nun bereits zu Hauf!

  • Wer finanziert eigentlich diesen Aufstand gegen
    die demokratisch gewählte ukrainische Regierung?
    So soll die versprochene offene Tür zur 'EU', die
    der EUdSSR bisher verschlossen ist, nun offensicht-
    lich von westlicher Seite mit Gewalt eingetreten
    werden.

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