Bei schärferen Sanktionen
Russland erwägt Importverbot für West-Autos

Der Sanktions-Wettlauf zwischen Russland und dem Westen geht weiter: Moskau soll über ein Einfuhrverbot für Autos aus westlichen Ländern nachdenken. Ein Experte gibt Entwarnung. Einige Hersteller wären aber fein raus.
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MoskauIm Streit mit dem Westen denkt Russland einem Zeitungsbericht zufolge über ein Importverbot für Autos aus der EU und den USA nach. Für den Fall schärferer Sanktionen dieser Länder gegen Russland erwäge die Regierung in Moskau, die Einfuhr westlicher Fahrzeuge teilweise oder vollständig zu stoppen, berichtete die Zeitung „Vedomosti“ in ihrer Montagausgabe. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen.

In Russland produzierte Fahrzeuge sollen demnach von einem möglichen Bann nicht betroffen sein. Von den deutschen Herstellern fertigen etwa Volkswagen, Audi oder BMW vor Ort, Daimler dagegen nicht. Vom russischen Industrieministerium war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen. Die Autobauer wollten sich nicht äußern.

Der russische Pkw-Markt ist fast so groß wie der deutsche und galt lange Zeit als Hoffnungsträger in Europa, wo Länder mit kräftigen Zuwächsen rar sind. Wegen der Schwäche des Rubels und der Auswirkungen der Ukraine-Krise gingen die Verkaufszahlen jedoch zuletzt deutlich zurück. Ausländische Autobauer haben seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts rund fünf Milliarden Dollar in den Aufbau lokaler Fertigungsstrukturen investiert.

Die russische Regierung beschleunigte dies, indem sie die Importzölle für Autos nach oben schraubte und diejenigen für Teile senkte. Allein VW steckte zwischen 2006 und 2013 nach eigenen Angaben rund 1,3 Milliarden Euro in die lokale Produktion und in neue Modelle für Russland; bis 2018 sollen weitere 1,2 Milliarden dazukommen, vor allem für ein neues Motorenwerk in Kaluga, wo eine Autofabrik des Konzerns steht.

Außer deutschen Fahrzeugherstellern produzieren in Russland auch Ford, Renault, Toyota oder Hyundai. Daimler prüft nach wie vor eine Pkw-Fertigung vor Ort. Die Stuttgarter sind am russischen Lkw-Bauer Kamaz beteiligt und lassen in zwei Gemeinschaftsunternehmen besonders robuste Lastwagen der Marken Mercedes-Benz und Fuso montieren. Von den 5600 Lkw der beiden Marken, die im vergangenen Jahr in Russland ausgeliefert wurden, stammte etwa die Hälfte aus der Produktion vor Ort, der Rest wurde aus Deutschland importiert.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht ein mögliches Importverbot gelassen. „Nahezu alle wichtigen deutschen Autobauer wie VW, Opel-Chevrolet, Ford, BMW, Daimler Nutzfahrzeuge sind mit Werken in Russland vertreten. Von daher wäre ein Import-Verbot für wesentliche Autos verkraftbar“, sagte der Chef des Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen Handelsblatt Online.

Bei den deutschen Premiumbauern würden in Russland zudem weniger als drei Prozent der weltweiten Fahrzeuge verkauft. „Also auch hier bricht keine Welt ein“, sagte Dudenhöffer weiter.

„Was allerdings bedenklich ist und sich auf die Konjunktur in West-Europa auswirkt, ist die Schraube der Eskalation bei der Embargo-Politik und der Ukraine-Konflikts“, fügte der Experte hinzu. Russland und Europa schädigten sich gegenseitig nachhaltig. „Das wirft die wirtschaftliche Entwicklung in der deutschen Autoindustrie zurück und wird Arbeitsplätze kosten, wenn die Politiker sich nicht endlich zu einer Konfliktlösung durchringen.“

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Aufwind für asiatische Hersteller?

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  • globalisierung sei dank
    dann führen die russen die daimler eben aus china ein

    gilt der einfuhrstopp auch für geklaute autos
    dann muss die mafia diese dinger in den asiatischen sofjetrepublicken verscherbeln
    welch ein einschnitt für den deutschen automarkt

  • Respekt Frau Merker.
    Sie brachten vieles auf den Punkt.
    Merkwürdig für mich ist, dass immer noch und unaufhörlich
    Politiker durch fast aller Parteien und Mainstream Medien gebetsmühlenartig die gleiche Propaganda betreiben.

  • @Teito Klein

    Sehr geehrter Herr Klein, trotzdem geehrt, obwohl ich sie nicht kenne.
    Es geht nicht um irgendwelche Autos, oder Gemüse oder sonst irgend ein Handelsprodukt. Es geht schlicht darum, denen, die uns bevormunden wollen zu zeigen.

    Yep wir können das auch. Und wir haben das, was ihr niemals haben werdet. Rohstoffe ohne Ende.

    Was die Medien verkünden, können sie gleich wieder vergessen.

    Das ist nur "heiße Luft"...

    Russland, das größte Land der Erde , mit den Rohstoffen die alle wollen, und brauchen, läßt sich von einem Zwerg wie Europa nicht vorführen.

    Nein nein, ich bin "Putin Fan"....aber ich sehe die Dinge wie sie sind.



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