Bei Verbleib in der Euro-Zone
Ifo-Chef Sinn warnt vor Griechenland-Pleite

Griechenland war in der Euro-Krise der komplizierteste Rettungsfall. Und Athen ist immer noch nicht über den Berg. Im Gegenteil: Ifo-Chef Sinn befürchtet das Schlimmste, sollte das Land nicht den Euro verlassen.
  • 35

BerlinNach Einschätzung des Präsidenten des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, kann Griechenland eine neue Staatspleite nur abwenden, wenn es aus der Euro-Zone ausscheidet. „Es steht ein weiterer Staatskonkurs mit einem heftigen offenen oder versteckten Schuldenschnitt an, dem in den kommenden Jahren immer wieder neue Kredite und Schuldenschnitte folgen werden, wenn das Land seine Wettbewerbsfähigkeit nicht durch den Austritt aus dem Euro und eine Abwertung seiner Währung wiederherstellt“, sagte Sinn dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

Sinn setzt in dieser Hinsicht auf den Chef der radikalen Syriza-Partei, Alexis Tsipras. Dieser sei einer der wenigen griechischen Politiker, „die die Natur des Problems verstanden haben und deshalb bereit sind, Wagnisse einzugehen“, sagte der Ökonom.

Dass Tsipras die griechischen Reparationsforderungen gegenüber Deutschland wieder auf den Tisch legen wolle, gehöre allerdings zu den „vielen unerfreulichen Aspekten des Geschehens“, fügte Sinn hinzu.

In Griechenland stehen am 25. Januar Neuwahlen an, bei denen die linkspopulistische Syriza-Partei die besten Aussichten hat, stärkste Kraft zu werden. Deren Parteichef Tsipras hat angekündigt, das Sparprogramm zu beenden, zu dem sich das Land im Gegenzug zu Finanzhilfen internationaler Geldgeber verpflichtet hat, und über Schuldenerlasse zu verhandeln.

Deutschland hat sich an den beiden Kredithilfe-Paketen für Griechenland mit gut 50 Milliarden Euro beteiligt. Von den Forderungen deutscher Banken an den griechischen Staat von gut 15 Milliarden Euro entfällt der überwiegende Teil auf die staatliche Förderbank KfW.

Kommentare zu " Bei Verbleib in der Euro-Zone: Ifo-Chef Sinn warnt vor Griechenland-Pleite"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Was hier über Griechenland gesagt wird, ist längst bekannt, und zwar vom Beginn der Währungsunion an - Das Land wurde nach der Maßgabe rein gewurstelt, es gehöre als Wiege unserer Kultur eben dazu – unter den Gesichtspunkten einer Währungsunion kompletter Schwachsinn. Und die hier dargestellten Beschönigungen für weitere Länder der Währungsunion sind zum Teil der Tatsache zu zuschreiben, daß niemand einen Überblick über die wirtschaftliche Gesamtsituation des Währungsverbundes hat, niemand kennt die Gesamtschulden der Staaten der Währungsunion oder wenn er sie kennt, verschweigt er sie schamhaft – wie dieses Land, daß immer von 2,5 Bio. Euro Gesamtschuld statt von 8,0 Bio. Euro tatsächlicher Schuld spricht, die sich hinter einer unsoliden Haushaltsführung verbürgt. Mit genau der gleichen Begründung, wie hier schöngeredet wird, sage ich mal, daß von den 18 Ländern der Währungsunion 17 Länder dringend Hilfe brauchen. Die kriegen sie jetzt auch ohne ESFS, ESM und dergleichen Instrumente, indem sie sich einfach über die Gelddruckanlage des Draghi bis übers Dach verschulden, der ja jede gewünschte Bonität gewährt. Der Franzose Valéry Giscard d`Estaing hat schon in den achtziger Jahren, als diese Kröte, die wir jetzt alle Schlucken müssen, konzipiert wurde, besorgniserregend vorausgesagt, das sei das größte währungspolitische Abenteuer aller Zeiten. Und die Gruppe von Juristen und Volkswirten, die sich damals gegen diese „Kinderei“ durch Rechtsmittel verwahrten, haben das noch deutlicher begründet – nämlich genau das, was wir heute haben und in Zukunft noch bekommen werden – nationale Katastrophen – aber jetzt kann oder will eben keiner mehr zurück.

  • Nachdem ja der ESM kein "Topf" mit Geld ist, sondern eine Ansammlung von Staatsbürgschaften, die zum Teil nur Ramschniveau habe, wäre ich gespannt, wie unsere "Schwarze Null" eine effektive Zahlung verbuchen wird.

  • Wenn Griechenlands Schulden um 25 Mrd höher sind und das trotz dem Haircut von 107 Mrd,dann heißt das doch,das Land hat in 2 Jahren 132 Mrd neue Schulden gemacht.Also 66 Mrd pro Jahr.Wie geht das?Das griech.ALG geht doch nur wenige Monate.Es liegt am gigantischen Beamtenapparat,der nicht reformiert wurde.Und an der Korruption,der Steuerverschwendung,der Schwarzarbeit,den hohen Millitärausgaben,der Steuerfreiheit der Reeder und und und.....

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%