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Bei Zahlungsausfall: Moody's warnt Russen vor Verlusten in Zypern

Am Freitag beraten die Euro-Finanzminister über Hilfsgelder für Zypern. Deutschland will russische Investoren in die Pflicht nehmen. Für sie wäre der Ratingagentur Moody's zufolge ein Zahlungsausfall ein Problem.

Etwa 12 Milliarden Dollar haben russische Investoren in zypriotischen Banken eingelegt. Quelle: dpa
Etwa 12 Milliarden Dollar haben russische Investoren in zypriotischen Banken eingelegt. Quelle: dpa

Moskau/AmsterdamBei einem Zahlungsausfall Zyperns drohen nach Auskunft der Ratingagentur Moody's russischen Banken und Unternehmen Milliardenverluste. Die Moody's-Experten sprachen am Mittwoch von einer hohen Wahrscheinlichkeit, dass die Gläubiger des angeschlagenen Euro-Landes Einbußen hinnehmen müssen.

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Zypern in der Krise

Ende vergangenen Jahres hatten russische Banken an Unternehmen in Zypern Kredite in Höhe von 30 bis 40 Milliarden Dollar vergeben und Einlagen bei zyprischen Geldhäusern von etwa zwölf Milliarden Dollar. Nach Einschätzung von Moody's besteht die Gefahr, dass etwa 19 Milliarden Dollar nicht zu retten sein könnten.

Die 17 Finanzminister der Euro-Zone kommen am Freitagnachmittag zu einem Sondertreffen in Brüssel zusammen, um über Hilfen für Zypern zu beraten. Die Regierung Zyperns hat um ein Rettungsprogramm für seine Banken in Höhe von 17,5 Milliarden Euro gebeten.

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Das Rettungspaket für Zypern dürfte nach Worten von Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem deutlich geringer ausfallen als von dem Land erhofft. Dijsselbloem sprach am Mittwoch im niederländischen Parlament von einer Summe, die unter 17 Milliarden Euro und näher bei zehn Milliarden liegen werde. Eine genaue Zahl könne er nicht nennen.

Wie eine Zypern-Lösung aussehen könnte

  • EU-Zugeständnisse bei Steuersystem

    Die Euro-Finanzminister werden bei ihren Forderungen zurückstecken. Wie schon im Fall Irlands wird die Politik auch Zypern erlauben, weiterhin mit niedrigen Steuersätzen Unternehmen auf die Insel zu locken.

  • Zypern-Zugeständnisse bei Geldwäsche

    Bei der Bekämpfung der Geldwäsche wird die EU hart bleiben, um die Zustimmung des deutschen Bundestages zu bekommen. Zypern wird alle verlangten Maßnahmen zur Bekämpfung der Geldwäsche beschließen müssen. Ob diese dann auch in der Praxis 1:1 umgesetzt und kontrolliert werden, steht auf einem anderen Blatt.

  • Zugeständnisse an den IWF

    Dem IWF dürfte signalisiert werden, dass die Bankenhilfen zu einem späteren Zeitpunkt vom ESM übernommen werden. Damit blieben die Staatsschulden für Zypern tragbar, zumal sich das Land verpflichten dürfte, die potenziellen Einnahmen aus Gasverkäufen vorrangig zur Tilgung seiner Schulden zu verwenden.

  • Russland mit ins Boot holen

    Russland dürfte sich zur Sicherung seines Einflusses an einer Rettung beteiligen. So könnten die Zinsen für den russischen Staatskredit gesenkt werden. Auch neue Kredite, die mit zukünftigen Einnahmen aus den Gasverkäufen abgesichert werden, sind gut möglich.

Zudem dürfte das Thema am Rande des am Donnerstag beginnenden EU-Gipfels zur Sprache kommen - ohne dass dabei aber Entscheidungen fallen. Der Deutsche Bundestag könnte gegebenenfalls schon in der kommenden Woche mit seiner Zustimmung den Weg für eine endgültige Entscheidung der Euro-Gruppe ebnen.

  • 14.03.2013, 02:48 UhrHarlemjump


    Mehr als bei anderen Großanlegern, handelt es sich bei dem Geld der Russen um Einnahmen aus unseriösen Geschäften. Insofern habe ich da kein Mitleid.

  • 14.03.2013, 08:51 Uhrlensoes


    Wer sich verzockt, muss dafür einstehen.

    Die Sozialisierung von Schuldenlasten kann nicht die EU-Masterlösung darstellen. Ob Murksel und ihr "christlicher Förderverein unschuldiger Wähler" dies mal begreift ? Wir verzocken damit unsere letzten Reserven.

    Die Zyprioten-Russkis brauchen halt mal eine blutige Nase, erholen sich in der Regel recht schnell davon, insofern seh ich keinen allzu grossen Schaden in der Finanzwelt.

  • 14.03.2013, 08:53 UhrLilly

    "Der Deutsche Bundestag könnte gegebenenfalls schon in der kommenden Woche mit seiner Zustimmung den Weg für eine endgültige Entscheidung der Euro-Gruppe ebnen." ...


    Klarer Fall, was sonst. Alternativloses Hilfspaket, Rettungsschirm, Rettungspaket oder sonstiger Euphemismus.

    Wie hat es ein Leserkommentar der FAZ so treffend beschrieben:

    "Auf Zypern residieren 45.000 "International Business Companies".
    Gewinne aus dem Handel mit Wertpapieren sind für diese 45.000 IBCs steuerfrei, ebenso Dividendenausschüttungen. Steuerfrei sind insbesondere Zinsen für Gelder, die auf Zypern gehalten werden:
    Ein vollständiger Erlass von Kapitalgewinnsteuern (mit Ausnahme des Verkaufs von in Zypern befindlichen Immobilien).
    Sonstige Aktivitäten der 45.000 "International Business Companies" (IBC) werden höchstens mit einem Steuersatz von 10% besteuert.
    Teilhaberschaften werden je nach Gestaltungsgeschick vollständig von der Steuer befreit.(Quelle: Global Eye Professional Advisors Ltd. (Cyprus)). Die Russian Commercial Bank (Cyprus) bietet Anlegern 4,5% p.a. für 2 Jahre, Anlage ab 500.000 €. Für deren Absicherung dürfen bald deutsche Steuerzahler sorgen."

    Wer als Staat so lax mit Kapitalanlegern, Geldwäschern und sonstigen Konsorten umgeht muss sich nicht wundern, dass a) seine Reputation leidet und b) entsprechende Einnahmen ausbleiben.

    Und nun sollen andere "helfen"!

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