Beirut
Tanz auf dem Vulkan

Zwei Jahre nach dem Libanonkrieg fließt in Beiruts Buddha-Bar wieder der Champagner, und die arabischen Touristen kehren zurück. Doch morgen schon kann alles vorbei sein - eine Entführung würde genügen.

BEIRUT. "Schmecken Sie die Versöhnung!", heißt es auf der Reklametafel des Eisherstellers Häagen-Dazs. Angepriesen wird die neue Sorte namens "Doha-Abkommen", eine verführerische Mischung aus Himbeere, Sahne und Baiser. Vergnügen und Politik sind in Beirut Nachbarn. Der Eisladen, vor dem das Schild steht, liegt am Place de l'Etoile im Herzen der neu aufgebauten City. Direkt gegenüber liegt das Parlament, das wegen des politischen Gezerres im Libanon eineinhalb Jahre nicht zusammengetreten war. Erst nach dem Ende Mai in Doha geschlossenen Abkommen zwischen den pro-westlichen Gruppen um Regierungschef Fuad Siniora und der schiitischen Hisbollah-Miliz wurde hier ein neuer Präsident gewählt. Und damit die eineinhalbjährige Blockade der politischen Institutionen im Libanon beendet. Diesem neuen Frieden verdankt das Eis seinen sperrigen Namen.

"Die Eissorte verkauft sich gut", freut sich der Verkäufer in der Eisdiele. Auch im italienischen Restaurant "La Posta", wenige Meter weiter, herrscht Euphorie. "Wir haben Hochsaison, abends muss man bei uns wieder einen Tisch reservieren", prahlt der Geschäftsführer und eilt fort, um die nächsten Bestellungen entgegenzunehmen. Das Restaurant bietet neben dem Innenraum mit eleganten, dunklen Holzmöbeln und Terracotta-Boden zwei Terrassen, vorn in der Fußgängerzone und hinten mit Blick auf den Märtyrer-Platz.

Vor genau zwei Jahren, im Sommer 2006, während des Krieges gegen Israel, blieb "La Posta" geschlossen. Und vergangenes Jahr vermasselten die wochenlangen Kämpfe um das Palästinenserlager Nahr al Bared den Gastwirten von Beirut die Sommersaison. Krise folgte auf Krise, wie so oft im Libanon. So gut es ging, versuchte das Lokal, den Betrieb aufrechtzuerhalten, aber gegen 17 Uhr wurde meist geschlossen.

Nun ist alles anders: Beirut lebt wieder.

Sie sind wieder zurück, die Großfamilien aus Kuwait, Saudi-Arabien und Katar. Zu Beginn der Sommerferien bevölkern sie die Fußgängerzone samt großer Kinderschar und philippinischen Kinderfrauen. Zwischen ihnen schlürfen Auslands-Libanesen, die für den Sommer heimgekehrt sind, ihren Kaffee. Der Libanon erlebt die erste Tourismussaison seit drei Jahren. Flüge nach Beirut sind ausgebucht, Hotels in Beirut zu 80 Prozent gebucht, und die drei großen Kulturfestivals mit internationalen Stars wie Gilberto Gil oder Patty Smith laufen. Tourismusminister Joseph Sarkis erwartet bis zu 1,6 Millionen Sommergäste.

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