Bekenntnis der Taliban
Schröder bleibt trotz Anschlägen bei Reiseplänen

Trotz der jüngsten Anschläge in Afghanistan und Pakistan hält Bundeskanzler Gerhard Schröder an seinen Plänen zum Besuch beider Länder fest. „Der Bundeskanzler hat heute Morgen noch einmal deutlich gemacht - in Kenntnis des Anschlags in Kabul - dass er an seinen Reiseplänen festhält“, sagte Regierungssprecher Bela Anda am Freitag in Hanoi.

HB KABUL/HANOI. Einen Tag vor der Präsidentenwahl in Afghanistan sind am Freitag bei zwei Raketenangriffen in Kabul zwei Menschen verletzt worden. Eine Rakete schlug nahe der deutschen Botschaft und eines US-Stützpunktes ein und beschädigte einige Fahrzeuge. Eine weitere Rakete explodierte in der Stadt Dschalalabad. Trotz der Anschläge und einer Bombenexplosion am Donnerstag in Pakistan, bei der mindestens 40 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden waren, hält Bundeskanzler Gerhard Schröder an seinen Plänen zum Besuch beider Länder fest. Zu den Angriffen in Afghanistan bekannten sich die entmachteten Taliban.

Beim Raketeneinschlag in Dschalalabad wurden ein junges Mädchen und ein älterer Mann verletzt. Trotz der Gewalt im Land glaubt Präsident Hamid Karsai an einen Erfolg der Wahl am Samstag. „Nirgendwo auf der Welt sind Wahlen frei von Spannungen. Afghanistan ist in einer ernsteren Situation, weil es gerade einen Krieg hinter sich hat“, sagte Karsai in einem Interview mit der BBC. „Aber wegen des massiven Enthusiasmus und Willens des afghanischen Volkes, diese Wahl abzuhalten und das Land in demokratischer Weise aufzubauen, hoffe ich sehr, dass die Wahl ein für das Volk positives Ergebnis bringen wird.“ Nach dem Rückzug eines wichtigen Rivalen aus dem Wahlkampf, der nun Karsai unterstützt, gilt der Amtsinhaber als Favorit.

Ein Sprecher der Taliban kündigte am Freitag weitere Raketenangriffe an. „Wir übernehmen die Verantwortung für alle Anschläge, die heute (Freitag) und morgen passieren. Sie werden mehr von solchen Nachrichten hören.“ 2001 waren die Taliban durch den Einmarsch US-geführter Truppen entmachtet worden, nachdem sie eine Auslieferung des Moslem-Extremisten Osama bin Laden verweigert hatten. Besonders im Süden und Osten Afghanistans führen sie nun einen Aufstand gegen die ausländischen Truppen.

Von den Spannungen in Afghanistan und in Pakistan will Bundeskanzler Schröder sich aber nicht von einem Besuch beider Länder abhalten. „Was Afghanistan angeht, so ist das sicherlich bedauerlich. Aber ich werde natürlich an meiner Reise festhalten“, sagte Schröder am Rande eines Europa-Asien-Gipfels im vietnamesischen Hanoi. Nach Angaben eines Regierungssprechers reist er am Sonntag nach Pakistan und am Montag nach Afghanistan.

Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) sagte in Berlin, die jüngsten Anschläge in Afghanistan seien Versuche der Taliban oder von Al Kaida, die Wahlen zu beeinflussen. Er gehe davon aus, dass diese Versuche erfolglos blieben. „Die Entschlossenheit der afghanischen Bevölkerung, ihre demokratischen Rechte wahrzunehmen, ist sehr groß.“

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