Belagerte Hafenstadt
Syrische Panzer beschießen Latakia

In der syrischen Hafenstadt Latakia spitzt sich die Situation zu. Bewohner, die täglich gegen das Assad Regime auf die Straße gehen, werden von Panzern angegriffen. Fliehen können sie nicht, denn Latakia ist belagert.
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AmmanDie syrische Armee hat Augenzeugen zufolge den dritten Tag in Folge Wohngebiete in der umzingelten Hafenstadt Latakia beschossen. Panzer hätten sunnitische Viertel angegriffen, berichteten die Augenzeugen am Montag. „Die Menschen versuchen zu flüchten, aber sie können Latakia nicht verlassen, weil die Stadt umzingelt ist“, sagte ein Bewohner der Nachrichtenagentur Reuters. In mehreren Vierteln gingen einem weiteren Augenzeugen zufolge Maschinengewehrsalven nieder.

Die Regierung spiele mit dem Feuer, sagte ein Aktivist. Bald würden die Menschen zu den Waffen greifen, statt sich abschießen oder inhaftieren und demütigen zu lassen. Es gebe aber die Hoffnung, dass der Druck der Straße und der internationalen Gemeinschaft das Regime vorher stürze.

Nach Angaben einer Oppositionsgruppe töteten die Soldaten von Präsident Baschar al-Assad am Montag einen 22-jährigen Zivilisten. Damit stieg die Anzahl der Toten seit Beginn der Angriffe auf Latakia auf mindestens 29. Im ganzen Land sollen seit Ausbruch der Proteste im März bis zu 2000 Zivilisten getötet worden sein.

Die Bundesregierung will die Gewalt in Syrien noch diese Woche erneut zum Thema im UN-Sicherheitsrat machen und dringt auf schärfere Sanktionen. Außenminister Guido Westerwelle hatte einem Sprecher zufolge deshalb in den vergangenen Tagen Kontakt zu seinen Kollegen in Europa, der Türkei, den USA und Russlands.

Augenzeuge: 20.000 gehen täglich auf die Straße

Die Proteste gegen Assad, der den Alawiten angehört, werden vor allem von Sunniten getragen. Der autokratische Präsident hat im muslimischen Fastenmonat Ramadan seine Offensive gegen die Regierungskritiker ausgeweitet, die seit fünf Monaten demokratische Reformen fordern. Latakia ist dabei die vorerst letzte einer Reihe von Städten, in die Assad-treue Soldaten einrückten. In der Hafenstadt verlangten einem Studenten zufolge nach den Abendgebeten täglich rund 20.000 Demonstranten den Rücktritt Assads. Anders als die meisten vornehmlich sunnitisch geprägten Städten gibt es in Latakia jedoch eine größere alawitische Gemeinde.

Syrische Panzer waren am Samstag eingerückt, nachdem die Armee Bewohner zufolge einige Viertel vor Monaten abgeriegelt hatte und Stromleitungen kappte. Nach Berichten von Augenzeugen und Menschenrechtsgruppen beschossen am Sonntag auch Kriegsschiffe vom Mittelmeer aus Wohngebiete in der Stadt. Die staatliche Nachrichtenagentur bestritt jedoch, dass Latakia vom Meer aus angegriffen worden sei.

Die Berichte aus Syrien können nur schwer überprüft werden, weil die Regierung ausländische Korrespondenten aus dem Land verwiesen hat. Soldaten der Regierungen griffen Menschenrechtlern zufolge am Montag auch Dörfer in der Hula-Ebene nördlich von Homs an und nahmen Menschen fest. Mindestens 12.000 sind seit Ausbruch der Revolte inhaftiert worden. Tausende politische Gefangene saßen schon vorher in syrischen Gefängnissen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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