"Belastung verkraftbar"
Irlands Notenbank macht Mut

Die gigantische Last der Bankenkrise bringt die Insel an den Rand ihrer Finanzkraft. Doch der irische Zentralbankchef Patrick Honohan hält die Belastung für verkraftbar. Besonders gut kam an den Märkten an, dass Irland in diesem Jahr kein Geld mehr über neue Anleihen einsammeln muss.
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LONDON/FRANKFURT. Beinahe genau zwei Jahre ist es her, dass Irland seine Banken als erster Staat überhaupt mit einer umfassenden Garantie vor dem Kollaps retten musste. Aber erst seit gestern ist klar, wie viel die Finanzkrise die Steuerzahler der Insel wirklich kosten wird. Auf bis zu 50 Mrd. Euro könnte sich die Rechnung am Ende belaufen. Das sind mehr als 30 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. In der Folge wird sich das Defizit im irischen Staatshaushalt in diesem Jahr auf 32 Prozent mehr als verdoppeln. Der irische Notenbankchef Patrick Honohan sprach von einer kolossalen, aber verkraftbaren Belastung.

Allein die Kosten für das größte Sorgenkind, die Anglo Irish Bank, könnten auf über 34 Mrd. Euro steigen. Aber auch das zweitgrößte irische Geldhaus Allied Irish Banks und die Bausparkasse Irish Nationwide benötigen überraschend noch einmal frische Milliarden. "Eine schockierende Schätzung, jetzt müssen die Märkte entscheiden, ob Irland die Last tragen kann", meint Dermot O'Leyry vom Dubliner Broker Goodbody.

In den vergangenen Wochen waren die Zweifel, dass die irische Regierung das Bankensystem retten und gleichzeitig das höchste Staatsdefizit in der EU in den Griff bekommen kann, immer größer geworden. Zuletzt hatten die Investoren sogar den Staatsbankrott Irlands durchdekliniert, und einige Analysten fürchteten, dass die Insel als erstes Land unter den im Mai aufgespannten Rettungsschirm der EU schlüpfen muss.

Doch nun machte sich erst einmal Erleichterung an den Märkten breit, weil sich zumindest die schlimmsten Befürchtungen nicht bewahrheitet haben. Die Rendite zehnjähriger irischer Staatsanleihen fiel um 0,1 Prozentpunkte auf 6,49 Prozent. Damit ging die Risikoprämie, die die Investoren im Vergleich zu deutschen Bundesanleihen fordern, auf 4,3 Prozent zurück. Anfang dieser Woche war die "Gefahrenzulage" auf bis zu 4,76 Prozent gestiegen.

Besonders gut kam an den Märkten an, dass Irland in diesem Jahr kein Geld mehr über neue Anleihen einsammeln muss. Finanzminister Brian Lenihan sagte die für Oktober und November geplanten Platzierungen über jeweils eine bis anderthalb Mrd. Euro ab. Die Regierung hatte in diesem Jahr am Bondmarkt bereits knapp 20 Mrd. Euro eingesammelt und damit ihren Refinanzierungsbedarf bis Mitte 2011 gedeckt. "Die Absage bekräftigt, dass die Regierung tatsächlich zunächst kein Geld mehr braucht und auch den europäischen Rettungsschirm nicht anzapfen wird", sagt Padhraic Garvey, leitender Zinsstratege bei der ING. Die zusätzlichen Belastungen seien für die irische Regierung hoch, aber zu bewältigen, meint auch EU-Kommissar Olli Rehn.

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