Benedikt XVI. in den USA
Tiefgläubiger Präsident trifft den Papst

Der US-Präsident empfängt den Papst: Benedikt XVI. wird heute zum Auftakt seiner ersten USA-Reise George W. Bush – selbst tiefgläubiger Christ – treffen. Bush und Benedikt vertreten in einigen Fragen sehr unterschiedliche Positionen. Und auch ein für die US-Kirche besonders kritisches Thema stört die Harmonie.

HB WASHINGTON. Zur Begrüßungszeremonie auf dem Südrasen des Weißen Hauses für den Papst, der seinen 81. Geburtstag feiert, waren 9000 Gäste geladen. Das sind mehr als zu jedem anderen Empfang des Präsidenten seit seinem Amtsantritt 2001. Bush gilt als tiefgläubiger Christ, er gehört der Methodistenkirche an.

Unklar war zunächst, ob der Papst bei der Unterredung im Oval Office kontroverse Themen wie den Irakkrieg oder die Todesstrafe anspricht. Der Vatikan lehnt den Irakkrieg strikt ab und hat sich immer wieder gegen die Todesstrafe ausgesprochen. Dagegen versuchte das Weiße Haus die Differenzen herunterzuspielen. „Es gibt Themen, bei denen unterschiedliche Auffassungen herrschen“, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino. „Aber es gibt viel mehr Einverständnis als Uneinigkeiten zwischen den beiden.“

Benedikt XVI. hat sich zum Auftakt seiner USA-Reise „tief beschämt“ über die Fälle von sexuellem Missbrauch von Jugendlichen durch US-Priester geäußert. Der Skandal, der die US-Kirche seit 2002 erschüttert, bedeute „großes Leiden“ für die Opfer und für die Kirche, sagte Benedikt auf dem Flug nach Washington. „Wir werden alles tun, dass dies in der Zukunft nicht mehr passieren kann.“ Daher wolle die Kirche „Pädophile vom Priesterdienst absolut ausschließen.“

Das Oberhaupt der Katholiken war am Dienstag auf dem Washingtoner Luftwaffenstützpunkt Andrews Air Base von Bush sowie seiner Ehefrau Laura und Tochter Jenna empfangen worden. Anschließend fuhr der Papst mit einer geschlossenen Limousine zur Nuntiatur, wo er die Nacht verbringen wird.

Im Laufe seiner sechstägigen Reise wird Benedikt unter anderem in Baseball-Stadien Messen lesen, bei den Vereinten Nationen auftreten und auch den „Ground Zero“ in New York besuchen. Bei einer Rede vor der Uno-Vollversammlung am Freitag will er zudem die Vereinten Nationen dazu aufrufen, die „nicht verhandelbaren Prinzipien“ der Menschenrechte stets in den Mittelpunkt ihrer politischen Handlungen zu stellen.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte an, er wolle mit dem Papst über den Kampf gegen Armut, Klimawandel und über den Dialog zwischen den Kulturen sprechen. „Wir müssen uns in diesen Tagen vielen Herausforderungen stellen. Wir brauchen die starke spirituelle Unterstützung des Papstes.“

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