Benedikt XVI.
„Jetzt reicht es wirklich mit dem Papst“

Papst Benedikt XVI. bleibt auf seiner umstrittenen Ablehnung von Kondomen als Mittel im Kampf gegen die in Afrika weit verbreitete Immunschwächekrankheit Aids. Am zweiten Tag des Afrika-Besuchs im Kamerun erklärte Sprecher Federico Lombardi am Mittwoch in Jaunde, die Position des Vatikans sei unverändert, und das werde auch während der Reise des Papstes so bleiben.

HB JAUNDE. Benedikt hatte am Vortag auf dem Flug nach Kamerun gesagt, Aids sei „nicht mit Kondomen zu überwinden, im Gegenteil, das verschlimmert nur das Problem“. Damit bekräftigte er die Ablehnung von Kondomen durch die katholische Kirche.

Auf seine umstrittenen Äußerungen ging Benedikt am Mittwoch selbst nicht mehr ein. Sein Sprecher Lombardi erklärte, die Kirche setze auf eine Erziehung zur Verantwortung sowie auf kostenfreie Verteilung wirksamer Aids-Medikamente und Pflege. Das Vertrauen auf Kondome im Kampf gegen HIV-Ansteckungen beschrieb der Sprecher als fragwürdig.

Der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke widersprach dem Papst dagegen. Kritik kam auch von Politikern aus SPD und FDP. „Wer Aids hat und sexuell aktiv ist, wer wechselnde Partnerschaften sucht, muss andere und sich selber schützen“, schreibt Jaschke in einem Beitrag für die „Zeit“. Zur vielfältigen kirchlichen Aids-Arbeit in Afrika sagte der katholische Geistliche: „Die Kirche steht nicht in einer finsteren Anti-Kondom-Ecke, von der aus sie die Menschen einschüchtern will.“ Es gebe „kein Tabu beim Thema Kondom, aber auch keine Mythen und Verharmlosungen, als sei damit die Welt in Ordnung“.

Mit der Ablehnung von Kondomen sorgte Benedikt in Frankreich für Empörung. „Jetzt reicht es wirklich mit dem Papst“, sagte der Europa-Abgeordnete der Grünen, Daniel Cohn-Bendit, dem Sender France-Info. Jeder wisse um die immense Aids-Problematik in Afrika. Wer Jugendlichen dort Enthaltsamkeit predige, überlasse sie sich selbst und der Krankheit. „Das grenzt an vorsätzliche Tötung.“

Nach Ansicht des konservativen Expremierministers Alain Juppé „wird der Papst zu einem echten Problem“. Benedikt XVI. lebe „in einer Situation des totalen Autismus“, sagte Juppé dem Sender France-Culture. Außenamtssprecher Eric Chevallier erklärte, die Äußerungen des Papstes gefährdeten die Gesundheitspolitik und verstießen gegen das Gebot zum Schutz des menschlichen Lebens.

Auch in der deutschen Politik erntete der Papst Kritik. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (beide SPD) warben demonstrativ für die Nutzung von Kondomen. „Kondome retten Leben, sowohl in Europa als auch auf anderen Kontinenten“, sagten die Politikerinnen in Berlin. Allein in Afrika seien mehr als 22 Millionen Menschen mit HIV/AIDS infiziert. Auch die Ärmsten der Armen müssten Zugang zu Mitteln der Familienplanung haben. „Dazu gehört insbesondere auch der Einsatz von Kondomen. Alles andere wäre unverantwortlich.“ FDP-Parteichef Guido Westerwelle erklärte, er respektiere, dass der Papst auch auf Treue und Enthaltsamkeit setze. „Aber das Verdammen von Kondomen ist in diesen Zeit absolut verantwortungslos.“

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