Benoit Coeure
„Die EZB muss pragmatisch sein“

Die Europäische Zentralbank muss nach Ansicht ihres designierten Direktoriumsmitglieds Benoit Coeure notfalls ihre umstrittenen Anleihenkäufe hochfahren. Diese Maßnahmen der Zentralbank seien aber nicht unbegrenzt.
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StraßburgDas designierte EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeure hat einen kleinen Türspalt für eine mögliche Ausweitung der Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) geöffnet. „Sollten wir feststellen, dass die Wirkung unserer Geldpolitik gestört ist, dann sollten wir mehr tun“, sagte der Franzose am Montagabend bei einer Anhörung vor dem Haushaltsausschuss des EU-Parlaments in Straßburg. Die EZB müsse in jedem Fall wachsam bleiben und auf mögliche Entwicklungen reagieren. „Wir müssen pragmatisch sein und abhängig von der Marktentwicklung das Notwendige tun.“

Coeure verteidigte die umstrittenen Anleihekäufe der EZB. Diese hätten eine positive Wirkung auf die Finanzmärkte gehabt. Coeure wird Anfang 2012 dem Italiener Lorenzo Bini Smaghi folgen, der seinen Posten im Direktorium außerplanmäßig aufgibt. Hintergrund ist die Ernennung seines Landsmanns Mario Draghi zum EZB-Chef. Der Präsident stellt zusammen mit dem EZB-Vizechef und vier weiteren Mitgliedern das geschäftsführende Direktorium. Es gilt als ungeschriebene Regel, dass kein Land zwei Mitglieder des Gremiums stellt.

Die EZB kauft seit dem Frühjahr 2010 Staatstitel angeschlagener Euro-Länder. Seither hat sie Anleihen im Wert von rund 207 Milliarden Euro erworben. Die Käufe gelten als umstritten, weil der Notenbank eine direkte Staatsfinanzierung verboten ist. Die EZB kauft die Papiere aber nicht direkt von den Staaten, sondern am Sekundärmarkt, wo bestehende Anleihen gehandelt werden.

Nicht wenige Ökonomen, insbesondere aus den USA und Großbritannien, fordern seit längerem eine spürbare Ausweitung der Käufe. Sie argumentieren, nur die EZB könne die derzeit sehr hohen Finanzierungskosten einzelner Euro-Länder über niedrigere Renditen drücken und damit die kurzfristigen Probleme der Schuldenkrise in den Griff bekommen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Der Euro als "politisches Projekt" vernichtet die Ersparnisse und Renten der Deutschen vollständig. Das ist uns nicht versprochen worden. Wenn uns vorher gesagt worden wäre, dass der Euro sich so entpuppt, dann hätte es wohl einen Aufstand gegeben.
    So sind die trägen Deutschen mit Durchhalteparolen und in Goebbelscher Manier vorgetragenen Lügen zum Euro zufrieden - allmählich ändert sich die Situation. Und daran werden sich die Deutschen gewöhnen. Auch an die kommende EUSSR. Die Deutschen machen immer weiter bis zur absoluten Katastrophe! Die "kämpfen" noch für den Euro, wenn die anderen Europäer pragmatisch eigene Währungen gedruckt haben. Das werden sie allerdings unterlassen, solange in Deutschland noch was zu holen ist. Eine schöne Zeit, nicht wahr? Und euphemistisch verbrämt wird das Ganze als "Projekt Europa", "Bundesstaat Europa", etc. So einfach ist es, die Deutschen klein zu halten und auszunehmen.
    Aber warum machen da die Holländer mit?

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