Benzin aus Venezuela
Irans Wirtschaft stabilisiert sich

Nach monatelangen Unruhen im Gefolge der Präsidentschaftswahl hat sich die Wirtschaftslage in Iran wieder etwas beruhigt. Die Exporte von Deutschland nach Iran sind allerdings nach wie vor rückläufig, wenngleich sich der Negativtrend abgeschwächt hat.

DUBAI. „Die Regierung treibt die Staatsgeschäfte wieder voran: Das wirkt sich positiv auf die Unternehmen aus“, sagte Daniel Bernbeck, Geschäftsführer der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer in Teheran. Projekte würden wieder angestoßen, Verträge unterschrieben, Gespräche über Finanzierungen fänden wieder statt.

So sanken die Ausfuhren zwischen Januar und Juli 2009 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zehn Prozent auf knapp zwei Mrd. Euro. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts vom Donnerstag fand der größte Rückgang im Januar statt, das kleinste Minus lag im Juli. Der Handel zwischen der EU und Iran ist im ersten Halbjahr 2009 um 37 Prozent auf acht Mrd. Euro eingebrochen.



Die iranische Regierung versucht in jüngster Zeit verstärkt, sich gegen drohende Wirtschaftssanktionen zu wappnen. Die USA hatten kürzlich eine drastische Senkung der internationalen Benzin-Exporte nach Iran ins Spiel gebracht, sollte das Mullah-Regime keine Zugeständnisse im Atomstreit machen. Mangels eigener Raffineriekapazitäten deckt Iran rund 40 Prozent seines Benzinbedarfs aus Importen, die sich auf 120 000 Barrel pro Tag belaufen.

Venezuelas Präsident Hugo Chavez, ein enger politischer Freund von Irans Präsident Mahmud Ahmadinedaschad, hatte bereits die Lieferung von täglich 20 000 Barrel Benzin ab Oktober zugesagt. Britischen Berichten zufolge exportiert China seit Anfang September jeden Tag zwischen 30 000 und 40 000 Barrel Benzin nach Iran. Zudem planen Iran und Venezuela den Bau einer gemeinsamen Erdölraffinerie in Syrien. Die Kapazität wird auf 140 000 Barrel pro Tag veranschlagt. Das weiterzuverarbeitende Rohöl soll aus Syrien, Venezuela und Iran kommen.



Auch bei der Gasversorgung intensiviert Teheran die Zusammenarbeit mit seinen Nachbarn. So kündigte Irans stellvertretender Ölminister Azizollah Ramezani an, in diesem Winter die Gasimporte aus Turkmenistan um 40 Prozent zu erhöhen. Zu diesem Zweck werde eine 30 Kilometer lange Pipeline fertig gestellt, durch die sechs Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr geliefert werden, hieß es. 2008 waren elf iranische Städte infolge technischer Probleme vom Gasnetz abgeschnitten. Im Winter verfügten sie über keine oder nur mangelhafte Heizkapazitäten.

Die Stabilisierung des Ölpreises um die Marke von 70 Dollar pro Barrel hat den dramatischen Druck auf den nationalen Haushalt zumindest abgeschwächt. Allerdings wird Iran in diesem Jahr deutlich unter den Öl-Einnahmen des vergangenen Jahres bleiben, die 70 Mrd. Dollar in die Staatskassen spülten. Der durchschnittliche Ölpreis hatte 2008 bei 95 Dollar pro Barrel gelegen. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds kalkuliert die Regierung in Teheran mit einem Ölpreis von 80 bis 90 Dollar pro Barrel. Die Zentralbank taxierte die Inflationsrate auf zuletzt 14 Prozent. Vor einem Jahr betrug der Wert noch 29,5 Prozent. Für 2010 peilt Notenbankchef Mahmud Bahmani eine einstellige Zahl an.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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