International

_

Beppe Grillo: „Der Teufel trägt Merkel“

Der Populist Beppe Grillo wettert gegen Deutschland. Der Politiker geht sogar so weit, Merkel mit dem Teufel zu vergleichen. Er fordert einen Schuldenerlass für Italien – oder den Euroaustritt.

Beppe Grillo ist der Anführer von Italiens größter Oppositionspartei. Quelle: dpa
Beppe Grillo ist der Anführer von Italiens größter Oppositionspartei. Quelle: dpa

RomDer populistische italienische Politiker Beppe Grillo hat die Politik Deutschlands und Bundeskanzlerin Angela Merkel erneut scharf kritisiert. „Die italienische Politik hat dem deutschen Teufel ihre Seele verkauft“, schrieb er am Dienstag in seinem Blog mit dem Titel „Der Teufel trägt Merkel“.

Anzeige

Der einzige Weg aus der italienischen Krise sei, den Euro zu verlassen oder die Schulden des Landes nicht zurückzuzahlen. „Heute müssen wir entscheiden, ob wir unsere Schulden umstrukturieren und im Euro bleiben oder zur Lira zurückkehren“, schrieb der Politiker. „Nur so sieht Italien wieder Licht.“

Italien gefährdet Merkels Euro-Mission

  • Warum ist die Enttäuschung im Regierungslager groß?

    Die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone spielt eine zentrale Rolle bei der Lösung der Schuldenkrise. Italien drücken mehr als zwei Billionen Euro Schulden, rasche Reformen sind nötig, ein Rückfall in den Krisenmodus soll vermieden werden. Kanzlerin Merkel hatte mehr oder weniger offen dafür geworben, dass der Reformkurs des parteilosen Übergangspremiers Mario Monti fortgesetzt wird. Und damit immer auch zu verstehen gegeben, dass eine Rückkehr von Berlusconi alles andere als wünschenswert sei.

  • War die Wahl ein Statement gegen Merkels Krisenmanagement?

    Im Grunde schon. Immerhin haben mit Berlusconi und dem Populisten Beppe Grillo zwei erklärte Gegner der Spar- und Reformpolitik der deutschen Kanzlerin etwa die Hälfte aller Stimmen erhalten. Und Merkels Favorit Mario Monti, der versucht hatte, Italien vor der Pleite zu bewahren und an den Märkten neues Standing zu geben, gehört zu den Wahl-Verlierern.

  • Gibt es eine anti-deutsche Stimmung in Italien?

    Das wohl nicht. Merkel und die angebliche Hegemonie der „Tedeschi“ (ital. die Deutschen) in Europa waren im Wahlkampf aber allgegenwärtig. Berlusconi hatte gemutmaßt, Monti und Merkel hätten sich verständigt, die lange in Umfragen führenden Sozialdemokraten zu unterstützen. Das wäre eine Regierung von Merkels Gnaden gewesen, ätzte Berlusconi. Die Dementis aus Berlin und von Monti haben wohl nichts genützt.

  • Hat dies Auswirkungen auf die deutsche Europa-Politik?

    Der Wahlausgang muss Berlin zu Denken geben. Mit Sprüchen gegen die Kanzlerin hat Berlusconi im Wahlkampf unglaublich aufgeholt. Der Milliardär und Medienmogul gibt vor allem Merkel die Schuld an der Misere Italiens. In die gleiche Kerbe schlägt Ex-Komiker Grillo, der gegen „die da oben“ in Brüssel und in Berlin punktete. Der Populist holte aus dem Stand ein Viertel der Stimmen. Für den deutschen Linkenchef Bernd Riexinger kein Wunder: „Die Wut, die sich an den italienischen Wahlurnen Bahn gebrochen hat, ist imstande, die Euro-Zone zu sprengen. Merkels Sparbombe tickt!“

  • Droht nun eine Rückkehr der Euro-Schuldenkrise?

    Ja, obwohl die Krise nicht wirklich verschwunden war. Die Lage hatte sich allenfalls entspannt. Zumal sich auch für das angeschlagene Euro-Land Zypern nach langem Zögern Berlins eine Lösung bis Ende März abzeichnet. Aus der erhofften Ruhe wurde nichts: Wegen des drohenden politischen Stillstands in Italien steigen nicht nur Risikoaufschläge für italienische Anleihen, sondern die für Papiere anderer Krisenstaaten gleich mit.

  • Was bedeutet das?

    Zunächst einmal dürfte die Verschuldung des ohnehin klammen Italien weiter steigen. Befürchtet wird vor allem, dass das drittgrößte Euro-Land unter den Rettungsschirm schlüpfen muss. Der Hilfstopf ist einschließlich der Restmittel aus dem auslaufenden Fonds zwar noch gut gefüllt, könnte bei einem Schwergewicht wie Italien aber schnell an seine Grenzen stoßen.

  • Droht Deutschland eine teure Mithaftung?

    Bei Rettungshilfen an Italien steigen auch die Garantien und die Haushaltsrisiken für die deutschen Steuerzahler. Was wiederum nicht ohne Folgen für die Kreditwürdigkeit Deutschlands ist und damit Auswirkungen auf die Staatskassen hierzulande hat. Was keine guten Aussichten sind für die schwarz-gelben Wahlkämpfer um Merkel & Co.. Nicht umsonst meinte Außenminister Guido Westerwelle: „Wenn es um die Schuldenkrise in Europa geht, sitzen wir alle im selben Boot.“

  • Ist Italien das einzige Euro-Sorgenkind?

    Italien kämpft zwar mit dem zweitgrößten Schuldenstand in der Euro-Zone, einer Rezession und sinkender Wettbewerbsfähigkeit. Mit einer Schieflage Frankreichs drohen aber weit größere Probleme. Das Defizit des zweitgrößten Eurolandes steigt und steigt. Paris dürfte den Ausgang der Parlamentswahlen in Rom aber als Bestätigung für den eigenen Kurs sehen - mehr auf Wachstum setzen statt aufs Sparen.

Grillo ist der Anführer von Italiens größter Oppositionspartei, der Euro-kritischen und populistischen Protestbewegung „5 Sterne“. Bei den Parlamentswahlen im Februar hatte die Partei überraschend stark abgeschnitten.

  • 24.07.2013, 22:28 Uhrschon_sehr_einfach@tja

    Oder, um es noch deutlicher zu formulieren. Wer genau ist denn braun? Eine nicht gewählte unbekannte Masse, die sich auf einmal Rechte zueignet, die sie vom Volk nicht erhalten hat oder Leute, die doch schon mal gefragt werden wollen, wie das in einer Demokratie eigentlich der Fall sein sollte?

    Wo ist denn die Volksabstimmung zur Sache? Ausser Verleumdungen und Denunzierung nichts gewesen, oder? Alles, das nicht direkt konform "hurra" schreit, ist also braun. Gibt schon ziemlich zu denken, vor allen Dingen, wenn man schaut, wieviel Schaden finanziell und wirtschaftlich Europa dadurch genommen hat und noch nehmen wird. Und nicht nur Europa. Es erreichen mich Mails aus Australien, Mittelamerika, wo man den Einfluss der Krise sehr wohl in der Zwischenzeit spürt.

    "Tja" macht es sich schon sehr einfach.

  • 24.07.2013, 16:46 UhrBlinse

    "...wie die Ratlosigkeit dieser Entourage sich konstruktiv an Lösungen zu beteiligen."

    Tja, hat "es" denn außer einer recht gestelzten Ausdrucksweise nun Lösungsansätze parat oder bleibt es bei den "bösen Rechten."

    Stoßrichtung deines Kommentars ist klar, Lösung nach wie vor nicht in Sicht. Danke für nix.

  • 24.07.2013, 16:23 UhrOckhams_Rasiermesser

    Ach, was erzählen sie hier einem Atheisten?

  • Die aktuellen Top-Themen
Die Waffenruhe hält: Zurück im Trümmerberg von Gaza

Zurück im Trümmerberg von Gaza

Viele Palästinenser sind nach dem blutigen Krieg mit Israel erstmals wieder in ihre Häuser zurückgekehrt. Viele fanden nur noch Trümmer vor. Bislang hält die Waffenruhe, doch beide Seiten ziehen eine eigene Kriegsbilanz.

Abstimmung auf Parteitag: Davutoglu beerbt Erdogan als AKP-Chef

Davutoglu beerbt Erdogan als AKP-Chef

Der bisherige türkische Außenminister Ahmet Davutoglu ist von den AKP-Mitgliedern zum neuen Parteivorsitzenden gewählt worden. Sein Vorgänger Erdogan darf als neugewählter Präsident keiner Partei angehören.

Moskau gerät in Erklärungsnot: Ukraine führt festgenommene russische Soldaten vor

Ukraine führt festgenommene russische Soldaten vor

In einer „Pressekonferenz“ hat die ukrainische Regierung mehrere russische Fallschirmjäger präsentiert. Sie wurden in der Ostukraine festgenommen. Zwei Soldaten sollen bei geheimen Einsätzen ums Leben gekommen sein.

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International