Beratung über Gegenmaßnahmen
Chirac forciert Kampf gegen Antisemitismus

In Frankreich forciert pärsident Jacques Chirac den kampf gegen den Antisemitismus. Nach den Bombenanschlägen und dem vermutlichen Anschlag auf eine jüdische Schule bei Paris ließ er keine Zeit verstreichen. Der Staatschef rief für Montag die Regierungsspitze mit Premierminister Jean-Pierre Raffarin und den Ministern für Justiz, Inneres, Erziehung und Schulen zu Beratungen über Gegenmaßnahmen zusammen.

HB PARIS. In Frankreich befürchtet die jüdische Gemeinde eine neue Welle der Gewalt. Angesichts der jüngsten Anschläge machte die linksliberale Tageszeitung „Libération“ einen „Antisemitismus ohne Grenzen“ aus. „Man kann einfach nur deshalb ermordet werden, weil man Jude ist, und das im Jahr 2003“.

Selbst schärfste Kritiker bescheinigen dem konservativen Staatschef, dass er stets gegen antisemitische Tendenzen in Frankreich vorgegangen ist. Die jüdische Gemeinde rechnet es ihm hoch an, dass Chirac der erste war, der 1995 die Mitverantwortung des französischen Staates bei der Deportation der Juden anerkannt hatte. Am Wochenende bekräftigte er: „Frankreich wird keine antisemitischen Akte dulden“. Und mit Blick auf die jüdische Schule fügte er hinzu: „Die Schulen müssen ein Ort der Toleranz und des Respekts bleiben“. Für Montagabend lud Chirac die Repräsentanten der jüdischen Bevölkerung in den Élysée-Palast ein.

Frankreich hat eine Reihe von Anschlägen auf Synagogen, jüdische Friedhöfe und Schulen erlebt. Einen Höhepunkt erreichte die Welle antisemitischer Gewalt zuletzt Anfang 2002, als von Marseille bis Lyon und innerhalb nur eines Monats mehr als 180 derartiger Vorfälle gegen Menschen und jüdische Einrichtungen sowie 685 Bedrohungen gezählt wurden.

Anschlag auf jüdische Schule

Der mutmaßliche Anschlag auf die jüdische Konfessionsschule in Gagny östlich von Paris, bei dem das Hauptgebäude in der Nacht zum Samstag vollständig verwüstet wurde, verstärkt die Sorge, dass sich Attentate wieder häufen könnten. In Gagny leben viele Juden. Spannungen zwischen radikaleren Gruppierungen der etwa fünf Millionen Muslime und den 600 000 Juden in Frankreich entladen sich immer wieder. Antijüdische und antiisraelische Stimmungen sind als Folge der harten Politik Tel Avivs im Konflikt mit den Palästinensern deutlich spürbar.

Ein Teil der jüdischen Gemeinde wirft auch Chirac und Frankreich eine unausgewogene Haltung im israelisch-palästinensischen Konflikt vor. Der Präsident hat wiederholt das Vorgehen Israels gegen die Palästinenser gerügt und sich für einen eigenständigen palästinensischen Staat eingesetzt. In erster Linie stehen jedoch die extreme Linke und die äußerste Rechte im Visier der Kritiker. Der Präsident des Rates der jüdischen Institutionen in Frankreich, Roger Cukierman, machte bereits zum Jahresanfang eine antisemitische „Allianz aus rot-grün-braun“ aus.

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