Beratungen in Brüssel
Athen will zügig mit Schuldenrückkauf starten

Die Euro-Kassenhüter sprechen heute in Brüssel über den griechischen Schuldenrückkauf. Griechenlands Finanzminister Ioannis Stournaras berichtet, wie das Programm starten kann. Es geht aber nicht nur um Griechenland.
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BrüsselDie Euro-Finanzminister beraten am Montag über den griechischen Schuldenrückkauf. Bei dem Treffen in Brüssel will Griechenlands Finanzminister Ioannis Stournaras über das Programm berichten, das zu Wochenbeginn starten soll. Der Plan: Die griechische Regierung kauft eigene Anleihen zurück, um die Schuldenlast zu drücken. Damit das gelingt, müssen sich genügend Anleger von griechischen Schuldscheinen trennen. Ein Erfolg ist Voraussetzung für die Freigabe weiterer Milliardenhilfen der internationalen Geldgeber an Athen.

Das Programm gehört zu einem Maßnahmenbündel, das die Euro-Finanzchefs vor einer Woche zur Absicherung des laufenden Hilfsprogramms für Griechenland von 130 Milliarden Euro beschlossen hatten. Für den Schuldenrückkauf sollen rund zehn Milliarden Euro in die Hand genommen werden. Diese werden aus dem laufenden Programm finanziert, eventuell auch über eine Vorfinanzierung durch den Rettungsfonds EFSF. Zuletzt hielten Privatanleger griechische Staatsanleihen von etwa 62 Milliarden Euro. Ihnen soll nun ein Rückkaufangebot gemacht werden.

Die Ergebnisse der Rückkaufaktion werden Mitte Dezember erwartet. Dann wollen die Euro-Finanzminister – voraussichtlich am 13. Dezember – und der Internationale Währungsfonds (IWF) über die Auszahlung weiterer Hilfen von rund 44 Milliarden Euro aus dem laufenden Rettungspaket entscheiden.

Die Euro-Finanzminister werden bei ihrem Treffen auch über das geplante Hilfsprogramm von etwa 17,5 Milliarden Euro für den Inselstaat Zypern beraten. Mit endgültigen Beschlüssen ist aber nicht zu rechen, da ein wichtiges Gutachten zur Lage des angeschlagenen Bankensektors noch fehlt.

Weiteres Thema der Abendsitzung sind Milliardenhilfen für spanische Krisenbanken. Nach den Worten von EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia sind für die Rettung von vier Geldhäusern, darunter die Großbank Bankia, insgesamt 37 Milliarden Euro nötig. Das Geld soll vom Euro-Rettungsschirm ESM kommen und an den staatlichen spanischen Bankenrettungsfonds Frob fließen.

Diskutiert werden dürften auch Forderungen Portugals nach niedrigeren Zinsen für die Hilfskredite aus dem Rettungsschirm EFSF. Nach den Erleichterungen für Griechenland pocht auch Lissabon erneut auf ähnliche Zugeständnisse. Zur Sprache kommen wird auch die Herabstufung der Kreditwürdigkeit der Rettungsfonds EFSF und ESM durch die US-Ratingagentur Moody's.

 
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Betrachtet man die aktuellen Meldungen betreffend Argentinien, kommt man zu dem Schluss, das Hedgefonds und andere Zocker ihre Staatsanleihen bis zum Ende verteidigen werden, Rückkaufprogramme, also verkappte Schuldenschnitte, sind zwar eine Option - aber nur für die anderen.

    Leider nur eine Randnotiz im Artikel sind die 10 oder 17,5 Milliarden (je nach Quelle), mit denen Zypern das Schwarzgeld russischer Krimineller absichern möchte. Ich bin gespannt, wie man dies der Öffentlichkeit als "alternativlos" verkaufen wird.

    Es bleibt spannend im Eurodilettantenstadl.

  • Und weil eben keiner so blöde ist, seine Anteile den Griechen billiger zu verkaufen, ist die ganze Griechenrettung von letzter Woche hinfällig. Wenn nämlich die Griechen mit diesem Rückkaufprogramm keinen Erfolg haben, müssen sich die Retter etwas anderes einfallen lassen - oder, was gerechter wäre, die Griechen pleitegehen lassen! Sie haben es sich redlich verdient.

  • Was soll die Aufregung, Schuldenrückkauf unter pari wird seit Jahrzehnten von allen Banken und auch Staaten praktiziert.

    Interview Dirk Müller und Prof. Dr MAx Otte in Börse Online vom 29.11.12.

    Dirk Müller: "Griechenland verfügt über große Erdgas- und Erdölvorkommen. Weshalb nehmen wir nicht europäische Fördermittel und privates Kapital in die Hand, damit Unternehmen wie Wintershall oder Eni gemeinsam mit griechischen Firmen diese Reservoirsanzapfen können ? Ich will keine Verschwörungstheorien aufstellen, aber irgendwie drängt sich mir der Verdacht auf, man will Griechenland an die Wand drücken, bis kein Ausweg mehr bleibt, als die Förderrechte zu verramschen."

    Ähnlich Focus Online vom 19.11.12 und der Spiegel seit 1974

    Auch der "arabische Frühling" ist mE nur eine einzigartige Inszenierung zur Sicherung der Förderrechte in diesem Gebiet. Oder warum ist es in all den Diktaturen noch ruhig, die mit den Amis kooperieren ? Es geht nur ums Öl und darum, dass dieses auch weiter in USD und nicht in EUR gehandelt wird, damit die Amis weiter GEld drucken können, wie sie es brauchen. Die Taktik ist immer die selbe, man nehme vorhandene Mißstände in einem Land, um dieses als "Schurkenstaat" darstellen zu können und um es dann abservieren zu können. Danach ist der Weg frei, die eigenen Interessen durchdrücken zu können.

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