Berggruen-Konferenz
Schäubles Spitze beim Treffen der guten Worte

Eine Konferenz des Berggruen-Instituts mit Ministern aus Deutschland und Frankreich will eigentlich Pläne schmieden, die Jobs für Jugendliche schaffen. Doch ausgerechnet den Bundesfinanzminister packt ein kleiner Teufel.
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ParisEs war eine harmonische Debatte über neue Chancen und Zuversicht für die arbeitslosen Jugendlichen in Europa. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, ihr französischer Kollege Michel Sapin, Finanzminister Pierre Moscovici und Wolfgang Schäuble warfen sich in den heiligen Hallen der Pariser Elite-Uni Sciences Po die guten Anregungen und Vorschläge zu. Sapin wollte mit einer kühnen Note enden: „Ich zitiere Schiller: ‚die Gedanken sind mutiger als die Taten“. Wie wäre es, wenn wir es einmal umgekehrt hielten?“

In diesem Moment muss ein kleiner Teufel Schäuble gepackt haben. Mit einem unfeinen Hinweis auf Frankreichs Defizit, das nun doch erst zwei Jahre später unter drei Prozent sinken soll, verdarb er seinen Kollegen schlagartig die Stimmung: „Ja, unsere  Taten sind wichtiger, deshalb sollte man die eingegangenen Verpflichtungen auch halten und sie nicht brechen, wie auch Schröder es 2003 getan hat. Wenn wir Vertrauen schaffen wollen, müssen wir uns an unsere Verpflichtungen halten, das ist ganz wichtig.“ Moscovici, der damit wirklich nicht gerechnet hatte, verrutschten die Gesichtszüge.

Von diesem Querschläger abgesehen ging es sehr freundlich zu bei dieser vom Finanzinvestor Nicolas Berggruen gesponserten Veranstaltung über „The future of Europe“. Leicht beieinander wohnten die Gedanken, hart im Raume stießen sich die Sachen nur, wenn Werner Hoyer das Wort ergriff. Der Chef der Europäischen Investitionsbank bemühte sich immer wieder, der Debatte über die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit Bodenhaftung zu verleihen.

„Sechs Milliarden Euro sind bislang in Aussicht gestellt worden , das ist nicht mehr als eine Träne im Ozean“ sagte Hoyer. Tatsächlich entspricht die auf den ersten Blick hohe Summe pro Jahr und Jugendlichen nur 142 Euro – kaum genug, um viel zu erreichen, selbst wenn man, wie von der Leyen forderte, „nur das macht, was sich als wirksam erwiesen hat und ein Benchmarking erfolgreicher Politiken vornimmt.“

Duales System in der Berufsausbildung, Hilfen für die Mobilität innerhalb von Europa, mehr Kredite für Klein- und Mittelbetriebe, damit die Jobs schaffen können, ein „Erasmus-Programm für die berufliche Bildung“, gar eine „Garantie für Jugendliche“, vier Monate nach der Schule entweder einen Job, eine Ausbildung oder ein Praktikum zu haben, wie Staatspräsident Francois Hollande es in Aussicht stellte: Es hagelte nur so die guten Vorsätze.

In merkwürdigem Widerspruch dazu steht, dass nicht einmal die seit Monaten herausgestellten sechs Milliarden Euro ausgezahlt werden können. Denn der mehrjährige Finanzrahmen der EU ist noch nicht beschlossen, und erst jetzt überlegt man in Paris und Berlin, ob und wie das Geld auch vorher mobilisiert werden kann.

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Berggruens Oldie-Brigade 

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  • Die ganze Politik ist zum Schwafel-Verein verkommen.
    Gemacht wird schon lange nichts mehr
    Hier ein Gipfel, dort ein Gipfel, da ein Treffen, alles mit Steuergeldern finanziert.
    Danach gibt es immer Arbeitskreise
    "Wenn ich nicht mehr weiter weiß, dann bild' ich einen Arbeitkreis"
    Dem Bürger wird mit derartigen Gipfeln doch was vorgespielt
    Wir brauchen wieder ordentliche Männer und Frauen aus dem Leben, die nicht rumquatschen, sondern die anpacken
    Nehmen wir mal Deutschland, da haben wir noch genügend junge Leute (mehr als 1 Mio) ohne Ausbildung, die sich bei dr ARGE tummeln.
    Warum redet man nicht mit den Betrieben? Z. B. Du nimmst 2 Lehrlinge, da Dein Betrieb das finanziell nicht schafft, zahlen wir, der Staat das Lehrlingsgehalt.
    Das wäre sogar wahrscheinlich noch billiger als Hartz IV
    Dann braucht auch niemand mehr nach Fachkräften schreien, denn dann haben wir genug
    Hier wäre das Geld sinnvoller angelegt, als es für sinnlose Gipel zu verprassen
    Aber man will ja gar nicht wirklich was ändern

  • @ Rechner

    auch wieder da, der Nomenklatura-Auftragsschreiberling ?

    Zitat : Ein Bruch der "No-Bail-Out-Klausel" existiert ausschließlich in Ihrer Phantasie.

    - billiger Ausredeversuch. Wenn Sie Bedarf haben, schicke ich Ihnen zig Links, wo Sie das nachlesen können ! Aber ich gehe mal davon aus, dass Sie hier bewusst "TÄUSCHEN" !


    Zitat : Wenn in Frankreich und Spanien (etcpp) die Jugendarbeitslosigkeit hoch ist, und in Deutschland niedrig, dann würde der gesunde Menschenverstand nahelegen in Frankreich und Spanien (etcpp) Wirtschaftspolitik nach deutscher Art einzuführen.


    - der gesunde Menschenverstand würde zu aller Erst nahelegen, dass Deutschland sich in keinster Weise in Angelegenheiten souveräner Staaten einzumischen hat.....schon gar nicht in Wirtschaftspolitik fremder Staaten, von der D nun mal aber rein Garnichts versteht ! Insbesondere Politclowns wie Merkel und Schäuble !

    Zitat : Widerlich ist vor allem, wie Sie Häme über die körperlichen Gebrechen des Bundesfinanzministers ausschütten.

    (...)

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • FORTSETZUNG:

    Merkel hat und wird dafür sorgen, daß in Restdeutschland die Austeritätspolitik, von Schröder maßgeblich begonnen per Agenda 2010, weiterhin mit harter Hand durchgesetzt wird, alle anderen bekommen kalte Füße und wollen fröhlich weiter Schulden anhäufen, die zum Zusammenbruch der Bundesbank und zum AAA-Ratingverlust VOR Errichtung der EU-Universaldiktatur - die sogenannte "politische Union" - den Zusammenbruch des Transfersystems zur Folge hätte, ohne daß die pseudorechtlichen Totalenteigungs- und Entrechtunsgbedingungen hergestellt werden konnten, weil sie noch nicht allumfassend installiert waren.

    So ist das Drängeln und Giften Schäubles zu erklären, die EU könnte insgesamt auseinander fallen und die übrig gebliebenen Trümmer wären dann nicht geeignte, von den GoldmanSachs-Beauftragten zwecks Privat-Aneignung eingesammelt zu werden, weil die "Abtretungsmodalitäten" an die "Retter" noch nicht komplett implementiert waren.

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