Bericht des Nachrichtensenders Al-Dschasira
Italienischer Journalist angeblich im Irak ermordet

Nach unbestätigten Angaben ist ein im Irak entführter italienischer Journalist von seinen Kidnappern ermordet worden. Rebellen hätten einem TV-Bericht zufolge die Tat jedoch zugegeben.

HB DUBAI. „Eine Gruppe namens Islamische Armee im Irak hat erklärt, sie habe den italienischen Journalisten Enzo Baldoni hingerichtet, weil Italien nicht ihre Forderung nach einem Truppenabzug innerhalb von 48 Stunden erfüllt habe“, berichtete der Fernsehsender Al-Dschasira am frühen Freitagmorgen. Der Sender habe ein Video mit Aufnahmen von Baldonis Leiche erhalten. Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi verurteilte die Tötung Baldonis und bekräftigte, Italien werde seine Soldaten in der US-geführten Allianz belassen.

Eine unabhängige Bestätigung des Fernsehberichtes lag zunächst nicht vor. Der arabische Sender strahlte ein Video aus, auf dem Baldoni vor einem Banner der Gruppe zu sehen war und in die Kamera sprach. Ein Ton war nicht zu hören. „Wir haben Aufnahmen erhalten, die Enzo Baldoni zeigen, nachdem er getötet wurde“, teilte Al-Dschasira mit. Diese Bilder würden aus Respekt vor den Angehörigen Baldonis nicht gezeigt.

Zuvor hatte die Gruppe dem Sender mitgeteilt, sie halte den vor wenigen Tagen verschwundenen Journalisten gefangen. Die Gruppe stellte am Dienstag Italien ein Ultimatum von 48 Stunden, seine 2700 Soldaten aus dem Irak abzuziehen. Anderenfalls werde sie Baldoni umbringen. Die italienische Regierung hatte erklärt, sie werde alles tun, um Baldoni freizubekommen, die Forderung nach einem Truppenabzug aber abgelehnt.

„Italien wird weiterhin in die Verpflichtungen vertrauen, die es gegenüber der (irakischen) Übergangsregierung im Rahmen der Vereinten Nationen eingegangen ist, um Frieden und Demokratie im Irak zu schaffen“, erklärte Berlusconi am Freitag in einer Stellungnahme, die Reuters vorlag. Italien stellt das drittgrößte Kontingent der multinationalen Truppen im Irak.

Italienische Zeitungen hatten berichtet, Baldoni und sein Fahrer seien zwischen Bagdad und Nadschaf in einen Hinterhalt geraten. Der Fahrer war am Samstag tot aufgefunden worden. Der 56-jährige Baldoni arbeitete für die in Mailand ansässige Wochenzeitung „Diario“. Er habe als Freiwilliger für das Rote Kreuz im Irak gearbeitet, sagte seine Tochter Gabriella Baldoni am Mittwoch im italienischen Fernsehen. „Er hat versucht, Menschenleben in Nadschaf zu retten, indem er einem Konvoi des Roten Kreuzes aus dem Geist der Solidarität heraus geholfen hat, der stets seinem Denken und Handeln zugrunde lag.“ Seit April wurden vier weitere Italiener von Aufständischen als Geiseln genommen. Einer von ihnen wurde getötet, die drei übrigen kamen frei.

Aufständische haben Dutzende Ausländer entführt, um den Abzug ausländischer Truppen und Firmen aus dem Irak zu erpressen. Viele Geiseln kamen wieder frei, einige wurden getötet.

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