Bericht im britischen Fachjournal
Schwere Vorwürfe gegen US-Ärzte im Irak

US-Militärärzte haben einem medizinischen Fachblatt zufolge Misshandlungen an irakischen Gefangenen im Gefängnis Abu Ghraib bei Bagdad vertuscht.

HB LONDON. Einige Ärzte hätten Totenscheine gefälscht, um die Todesursache von Gefangenen zu verschleiern, und seien Hinweisen etwa auf Schläge nicht nachgegangen, berichte das britische Fachjournal „The Lancet“ am Freitag.

„Armee-Vertreter haben dargelegt, dass ein Arzt und ein Psychiater dabei geholfen haben, Verhöre in Abu Ghraib zu planen, zu billigen und zu überwachen“, hieß es in dem Artikel. Der Autor berief sich darin nicht nur auf Aussagen, die US-Soldaten unter Eid geleistet hatten, sondern auch auf Unterlagen einer Anhörung vor dem US-Kongress sowie Angaben von Gefangenen und Hilfsorganisationen.

Unter Berufung auf einen Offizier der Militärpolizei heißt es in dem Artikel, dass ein Arzt einem zu Tode gefolterten Häftling eine Infusionsnadel in die Vene gelegt habe, um eine medizinische Behandlung vorzutäuschen. „Die Ärzte bestätigten routinemäßig den Tod durch Herzinfarkt, Hitzschlag oder andere natürliche Todesursachen“, schreibt Medizinprofessor Steven Miles in dem Fachmagazin.

Gegen mehrere US-Soldaten wird wegen der Misshandlung von Gefangenen in Abu Ghraib ermittelt. Fotos von den Misshandlungen hatten international für Empörung gesorgt und auch die US-Regierung in Bedrängnis gebracht.

Der amerikanische Wissenschaftler forderte eine offizielle Untersuchung über die Rolle von Ärzten und Sanitätern im Folterskandal. Militärsprecher Barry Johnson sagte, die von Miles angeführten Vorfälle seien Gegenstand von Ermittlungen des Pentagons. Bei ausreichender Beweislage werde Anklage gegen die betroffenen Personen erhoben.

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