Bericht zum Libanon-Krieg: Olmert kommt mit blauem Auge davon

Bericht zum Libanon-Krieg
Olmert kommt mit blauem Auge davon

Die israelische Untersuchungskommission zum Libanon-Krieg vor zwei Jahren hat Politik und Militärführung „Mängel und Fehler“ in der Offensive vorgeworfen, zugleich aber Ministerpräsident Ehud Olmert bescheinigt, in guter Absicht gehandelt zu haben.

HB JERUSALEM. Er habe Entscheidungen getroffen, die er „für die besten im Interesse des israelischen Staates gehalten hat“, sagte der Leiter der Kommission, der pensionierte Richter Elijau Winograd, am Mittwoch bei der Vorstellung des Abschlussberichts. Die Kommission erklärte die Offensive gegen die Hisbollah-Guerillas im Südlibanon jedoch insgesamt für gescheitert.

Der Bericht war mit Spannung erwartet worden, weil das politische Schicksal Olmerts daran geknüpft worden war. Da der Regierungschef in dem Report aber relativ unbeschadet davonkommt, scheint sein Verbleiben im Amt gesichert zu sein. Nach der Veröffentlichung eines Zwischenberichts im April hatte er bereits eine Revolte in seiner eigenen Kadima-Partei überstanden, diesmal drohte sein wichtigster Koalitionspartner, die Arbeitspartei von Verteidigungsminister Ehud Barak, das Regierungsbündnis zu verlassen.

In dem Bericht geht es vor allem um die letzten 28 der insgesamt 34 Tage des israelischen Feldzugs gegen die Hisbollah im Südlibanon. Am 12. Juli 2006 drangen Hisbollah-Guerillas in Nordisrael ein, töteten fünf israelische Soldaten und entführten zwei. Olmert schlug zunächst vor allem mit der Luftwaffe zurück – zunächst mit einmütiger Unterstützung der israelischen Bevölkerung.

Allerdings gelang es trotz massiven Artillerie-Beschusses und Luftangriffen nicht, die Hisbollah vernichtend zu schlagen – zwischen 1 035 und 1 191 libanesische Zivilpersonen und Hisbollah-Kämpfer wurden getötet. Der schiitischen Organisation gelang es, trotz der militärischen Überlegenheit Israels 4 000 Raketen auf Nordisrael abzufeuern. 119 israelische Soldaten und 40 Zivilpersonen wurden getötet.

Besonders in der Kritik ist eine Bodenoffensive in den letzten Tagen des Krieges bis zur Vermittlung eines Waffenstillstands, bei der mehr als 30 Soldaten getötet wurden. Die Bodenoffensive sei gescheitert und das Heer sei darauf nicht vorbereitet gewesen, heißt es dazu in dem 500-seitigen Bericht. In der Heeresführung seien „schwerwiegende Fehler“ gemacht worden.

Die fünfköpfige Sonderkommission war im September 2006 von der Regierung eingesetzt worden. Sie sichtete nach eigenen Angaben bis zu 100 000 Seiten an Informationen über den Libanon-Krieg im Sommer 2006, darunter Dokumente verschiedener Geheimhaltungsstufen.

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