Berichte

Für Syriens Konfliktparteien zählen Menschenrechte nicht

Das Regime in Damaskus lässt Kritiker in Geheimgefängnissen verschwinden. Islamistische Milizen foltern und töten, um ihre Macht zu demonstrieren. Die Verlierer des Bürgerkriegs sind die Zivilisten.
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Daniela Schadt (l.), Schirmherrin Unicef Deutschland und Lebensgefährtin des Bundespräsidenten, und Maria Calivis, Unicef-Regionaldirektorin für den Nahen Osten und Nordafrika, sprechen in Berlin bei einer Pressekonferenz über die Lage der Kinder in Syrien. Quelle: dpa

Daniela Schadt (l.), Schirmherrin Unicef Deutschland und Lebensgefährtin des Bundespräsidenten, und Maria Calivis, Unicef-Regionaldirektorin für den Nahen Osten und Nordafrika, sprechen in Berlin bei einer Pressekonferenz über die Lage der Kinder in Syrien.

(Foto: dpa)

Genf/KairoIm syrischen Bürgerkrieg verletzen die Konfliktparteien nach Darstellung von Experten massiv die Grundrechte der Menschen in den von ihnen kontrollierten Gebieten. Das Regime des Machthabers Baschar al-Assad lässt unzählige mutmaßliche Oppositionelle in geheimen Kerkern verschwinden, ohne Auskunft über ihr Schicksal zu geben, stellte eine vom UN-Menschenrechtsrat eingesetzte Kommission am Donnerstag in Genf fest. Die Islamisten-Miliz ISIS (Islamischer Staat im Irak und Syrien) sperrt wiederum Menschen willkürlich ein, foltert, misshandelt und tötet sie, wie ein von Amnesty International am selben Tag vorgelegter Bericht darlegt.

Das Regime in Damaskus wende das Verschwinden von Oppositionellen als gezielte Bürgerkriegstaktik an, um regierungskritische Teile der Bevölkerung systematisch einzuschüchtern, erklärte die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission für Syrien. Die Verschwundenen sind nach Erkenntnissen der vom brasilianischen Diplomaten Paulo Pinheiro geführten Expertengruppe Folter und anderen grausamen Praktiken ausgesetzt. Die weitaus meisten von ihnen seien erwachsene Männer.

Zur Taktik des Verschwindenlassens greife das Regime bereits seit den ersten regierungskritischen Demonstrationen im März 2011, die damals noch gewaltfrei verlaufen waren. Zugleich beanstandet die Kommission, dass auch die Rebellen immer wieder Menschen als Geiseln verschleppen würden. Auch das sei ein Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht.

Genaue Zahlen nannte die Expertengruppe nicht. Die syrischen Behörden hätten der Kommission jede Information verweigert. Neben den Verschwundenen selbst seien „viele Tausend Familienmitglieder betroffen, die einfach nichts über das Schicksal ihrer Angehörigen erfahren“, erklärte die Kommission zur Vorlage ihres Untersuchungsberichtes „Ohne eine Spur: erzwungenes Verschwinden in Syrien“.

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