Berichte über viele Tote
Militär stürmt Zentrum von Andischan

In Usbekistan eskaliert die Gewalt: Soldaten schlugen einen Aufstand in der Provinzstadt Andischan am Freitagabend blutig nieder. Auslöser des Konflikts: Ein Strafprozess und die Diskussion um die Rolle des Islams. Auch Deutschland ist besorgt. Denn für die Bundeswehr hat Usbekistan strategische Bedeutung.

HB TASCHKENT/MOSKAU. Das usbekische Militär habe aus gepanzerten Fahrzeugen in die Menge gefeuert, berichtete die usbekische Kriegsreporterin Galima Bucharbajewa aus Andischan. Ihrer Schätzung nach seien bis zu 50 Menschen ums Leben gekommen.

Auch der Reporter Alexej Wolosewitsch bestätigte der Internetagentur Fergana.ru Schüsse auf die Menge. „In der Stadt brennen Autos. Nachdem das Militär das Feuer eröffnete, floh die Menge vom Platz“, berichtete er.

Der Militäreinsatz richtete sich vor allem gegen das von bewaffneten Aufständischen besetzte Gebäude der Gebietsverwaltung. Während des eine Stunde lang dauernden Angriffs seien aus dem Gebäude mehrere Explosionen zu hören gewesen, meldete Fergana.ru. Danach habe heftiger Regen begonnen. Bis auf einzelne Schüsse sei es ruhig geworden. Das Zentrum von Andischan sei menschenleer.

Die Informationslage blieb bis zum Abend widersprüchlich. Präsident Karimow hielt sich nach Angaben seines Verwaltungsapparates in Andischan auf. Er trat aber nicht an die Öffentlichkeit. Kirgisien und Kasachstan schlossen als Reaktion auf die Gewaltausschreitungen ihre Grenzen zu der Nachbarrepublik.

Auslöser für die Gewalt in Andischan ist der umstrittene Strafprozess gegen 23 wohlhabende Geschäftsmänner, denen enge Verbindungen zu einer islamistischen Terrororganisation zur Last gelegt werden. Die Beschuldigten bestreiten dies.

Angebliche Verwandte und Freunde der Angeklagten raubten Waffen aus einer Kaserne und erzwangen damit die Freilassung der Inhaftierten sowie tausender weiterer Häftlinge aus dem Gefängnis. Bereits seit Tagen protestieren tausende Menschen im Zentrum von Andischan gegen den Prozess und fordern den Rücktritt der Staatsführung in Taschkent.

Aber auch die Diskussion um den Einfluss des Islams allgemein erhitzt die Gemüter in Usbekistan. Die zum Teil des Fergana-Tals gehörende Provinz Andischan gilt seit langem als Hochburg radikaler Islamisten. Die auch in Deutschland verbotene Organisation Hisb-ut-Tahrir will im dicht besiedelten Fergana-Tal einen muslimischen Gottesstaat (Kalifat) errichten. Nun droht an der einstigen Seidenstraße das Gemisch aus Armut, islamischen Hasspredigten und staatlichen Repressionen zu explodieren.

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