Berlin gilt als Tor nach Polen
Polnische Unternehmer gründen Niederlassungen vor Ort

Um bei Geschäften im Ausland präsent zu sein, wagte Krzysztof Panasiuk, polnischer Hersteller von Schleifmaterialien, die Gründung einer Niederlassung in Berlin. Die deutsche Hauptstadt gilt nicht erst seit der EU-Erweiterung als ein Tor nach Polen. Rund 500 Firmen aus dem Nachbarland sind laut Industrie- und Handelskammer inzwischen an der Spree tätig. Polnische Wirtschaftsberater gehen davon aus, dass diese Zahl noch deutlich steigen wird

HB Berlin.„Ein Deutscher bevorzugt es, Geschäfte mit einem Deutschen zu machen“, sagt Panasiuk. Für seinen Betrieb in Berlin hat er einen Geschäftsführer gesucht, der Pole ist, aber so gut dEUtsch spricht wie ein Berliner. „Es reicht aber nicht, alles einfach nur ins Deutsche zu übersetzen“, sagt Panasiuk. Auch die Produkte müssten deutscher Qualität entsprechen.

Seit der EU-Erweiterung am 1. Mai ist es für Polen einfacher geworden, in Deutschland als Unternehmer tätig zu sein. Ohne Visum können sie sich jetzt drei Monate hier aufhalten. Genug Zeit, um sich gründlich zu orientieren und die unvermeidlichen Formalitäten zu erledigen. Auch eine Aufenthalterlaubnis zur Führung eines Unternehmens ist leichter zu bekommen.

Durch die EU-Mitgliedschaft ist für viele Polen aber auch eine mentale Barriere verschwunden. Sie wollten ihren Platz auf dem EUropäischen Markt finden, sagt der Ökonom und Rektor der Wirtschaftuniversität Warschau, Marek Rocki. „Das Interesse an wirtschaftlicher Tätigkeit in Deutschland hat seit dem 1. Mai deutlich zugenommen“, berichtet Jerzy Idzikowski, Sekretär der Wirtschafts- und Handelsabteilung der polnischen Botschaft in Berlin. Dies bestätigt auch der polnische Unternehmensberater Waldemar Badziog. „Wir haben 20 telefonische Anfragen pro Woche und noch ein mal so viel persönliche Besuche.“

Unter denen, die nun eine Filiale in Berlin planen, ist auch die Vorsitzende des Warschauer Bildungsverlags „Perspektywy“, Wieslawa Wocieszko-Ostrowska. „Wir wollen nicht nur in europäischen, sondern auch in globalen Dimensionen denken. Berlin ist ein guter Platz für einen solchen Anfang“, sagt sie. Der Herrenausstatter „Bytom“ hat den Schritt über die Grenze bereits gewagt. Mitte Mai eröffnete die Firma einen Laden am Kurfürstendamm. Ein polnischer Designer entwarf die elegante Einrichtung. Die Bedienung stammt ebenfalls aus Polen. „Das Geschäft läuft sehr gut“, sagt Filialleiterin Ewa Gajkowska. Bereits vor einem Jahr hat die polnische Tankstellenkette Orlen 500 deutsche Stationen gekauft. Für das Unternehmen hat der 1. Mai ebenfalls Erleichterungen gebracht. Durch den Wegfall der Kontrollen an der Grenze ließen sich Lieferungen nun genauer planen und dadurch Zeit und Geld sparen, sagte eine Firmensprecherin.

Obwohl viele Polen sich schon mutig auf dem deutschen Markt etablierten, würden die positiven Auswirkungen der EU-Erweiterung erst in etwa zwei Jahren zu sehen sein, meint der Vorsitzende des Vereins polnischer Unternehmer, Jacek P. Barelkowski. Zuvor müsse dabei auch ein großes Hindernis bekämpft werden: das negative Bild vieler Deutscher von Polen.

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