Berlin soll helfen: Tokio besorgt über Konkurrenz aus Südkorea

Berlin soll helfen
Tokio besorgt über Konkurrenz aus Südkorea

Politik und Wirtschaft in Japan reagieren zunehmend besorgt auf die wirtschaftliche Konkurrenz aus Südkorea. Der am Dienstag stattfindende Deutschland-Besuch von Japans Außenminister Katsuya Okada dient deshalb auch dem Zweck, bei seinem Amtskollegen Guido Westerwelle (FDP) um Unterstützung für ein Freihandelsabkommen mit der EU zu werben.
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TOKIO. Neben dem Treffen mit Westerwelle stehen auch Gespräche mit CDU-Fraktionschef Volker Kauder und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) auf dem Terminplan von Okada.

Hintergrund seiner Wirtschaftsmission ist vor allem der Boom südkoreanischer Firmen, die den japanischen Konkurrenten beständig Marktanteile abnehmen und dank der Währungsunterschiede eine Niedrigpreispolitik betreiben können. Während der starke Yen den japanischen Exportunternehmen zusetzt, profitieren die südkoreanischen Konzerne vom schwachen Won.

Südkorea hat zudem bereits ein Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet, dass voraussichtlich Ende des Jahres in Kraft treten wird. Dadurch können Unternehmen wie Samsung, LG oder Hyundai ihre Produkte auf dem wichtigen Absatzmarkt Europa noch billiger anbieten. Erst im Frühjahr waren offen besorgte Töne aus Japans Wirtschaftsministerium zu hören. „Dieses Freihandelsabkommen droht Japan seiner Wettbewerbsfähigkeit zu berauben“, klagte auch die mächtige Wirtschaftsvereinigung Keidanren.

Okada dürfte also auch von den eigenen Unternehmen dazu gedrängt worden sein, in Sachen Freihandel mehr Dampf zu machen. Zumal erst vor wenigen Tagen Vorzeige-Konzern Panasonic seine im Mai ausgegebenen Absatzprognosen im wichtigen Segment 3D-TV bereits wieder begraben musste – angesichts der Preise von Konkurrent Samsung. „Niemand kann mithalten“, klagte der für das TV-Business bei Panasonic zuständige Yoshiiku Miyata über die Preisstrategie der Koreaner in den USA. In den USA verkauft Samsung den 50-Zoll-Fernseher für unter 1 000 Dollar. Samsung gab zudem am Montag bekannt, 2011 weitere rund 30 Billionen Won (26 Mrd. Dollar) zu investieren.

Der Markt in Europa ist für Japan deshalb umso wichtiger geworden. Ob Außenminister Okada aus Berlin Schützenhilfe bekommt, ist mehr als ungewiss. Innerhalb Europas gilt gerade die deutsche Autoindustrie als größter Gegner eines Freihandelsabkommens. Sie hat keinerlei Interesse daran, japanische Pkw noch billiger ins Land zu lassen – zumal Kunden künftig verstärkt an den in Japan bereits weit entwickelten Hybrid- und Elektroautos interessiert sein könnten.

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