Berluconis G8-Kaspereien
Berlusconi: Absichten eines Clowns

Er hängt sich an Obamas Arm und trickst, um auf Fotos größer auszusehen. Wie Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi auf dem G8-Gipfel versucht, die Probleme der Welt und seine eigenen ungeschehen zu machen - und zum Gespött wird.

L'AQUILA. Die Juli-Sonne brennt Silvio Berlusconi auf die transplantierten Haare. Immer wieder sucht Italiens Ministerpräsident den Schatten der Ruinen, die vom Dörfchen Onna übrig blieben, als im April die Erde bebte. Sein Gast beim Rundgang, Bundeskanzlerin Angela Merkel, folgt ihm höflich, auch wenn es scheint, dass sie nach den kühlen Temperaturen in der Heimat gerne die Sonnenstrahlen ein wenig länger genossen hätte.

Aber Silvio Berlusconi sorgt sich - um seine Schminke. Um sein Image.

Möglichst viel Schatten, möglichst wenig Sonnenlicht, das war die Bedingung des Gastgebers bei den Vorbereitungen des Onna-Besuchs kurz vor Beginn des G8-Gipfels in L'Aquila, heißt es in Diplomatenkreisen. Silvio Berlusconi will nicht schwitzen. Schweiß sieht nicht gut aus im Fernsehen.

Und vor der Welt schon wieder schlecht auszusehen, das will Silvio Berlusconi auf jeden Fall verhindern.

Für Italiens Ministerpräsidenten ist der G8-Gipfel eine goldene Gelegenheit, die neusten Schlafzimmer-Skandale abzuschütteln und als seriöser Staatsmann zu glänzen, der mit den Mächtigen der Welt von Gleich zu Gleich verhandelt. Seine Gäste übermannt Berlusconi beinahe mit seiner südländischen Herzlichkeitsshow. Der russische Präsident Dmitrij Medwedjew muss eine so innige Begrüßungsumarmung erdulden, als hätte Berlusconi einen totgeglaubten Bruder wiederentdeckt. Den Arm von US-Präsident Barack Obama will Berlusconi gar nicht mehr loslassen, als er seinen Gast zum Gruppenfoto eskortiert.

Dann schlüpft Berlusconi zwischen die beiden kleinsten Regierungschefs, Medwedjew und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. So erscheint Berlusconi auf dem Familienbild der großen acht größer, als er eigentlich ist. Jedenfalls weniger klein.

Nur nutzt es alles nicht: Silvio Berlusconi kommt sich immer wieder selbst in die Quere. Der Mann, der aus Italiens Demokratie nach Ansicht des Politologen Giovanni Sartori ein "Sultanat" gemacht hat, entlarvt sich mit seinen Spleens und Allmachtsanwandlungen immer wieder selbst. Und nun, da auch seine Geschäfte nicht mehr so gut laufen wie einst, verliert Berlusconis Machermythos, die Grundlage seiner Macht, zunehmend an Gewicht.

Bald muss Berlusconi den Schatten nicht mehr suchen, bald kommt er zu ihm.

Für Italiens Premier dürfte es nicht schwer gewesen sein, die Gedanken seiner Gäste zu erraten: Kaum einer ist in diesen Zeiten ungeeigneter als er, Chef des Wanderzirkus namens G8 zu sein. Die Weltwirtschaft liegt danieder, der Klimawandel verlangt nach Gegenrezepten, Iran, Nordkorea, die Uiguren: Die großen Staatsmänner und-frauen stehen unter großem Druck. Aber der G8-Vorsitz rotiert, und dieses Jahr ist Italien dran.

Nur hat der Teilzeitchef der Mächtigsten des Planeten nun wirklich andere Probleme, als die Welt zu retten. Der Skandal um minderjährige Mädchen und Sexpartys in seiner Villa auf Sardinien hat ihm einen Rosenkrieg mit seiner Noch-Gattin Veronica eingebracht. Und pünktlich zum Gipfel wurde es noch bunter: Die Prostituierte Patrizia D'Addario berichtete ausführlich über ihre bezahlte Nacht mit dem Premier. Wie sie zunächst auf einer Party mit ihm zu Frank Sinatras "My Way" getanzt habe und wie er sie, ganz Galan, nach gemeinsamer Nacht noch zum Frühstück eingeladen habe.

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